Rund 200 Zuschauer erlebten ein Wechselbad der Gefühle, als die stark ersatzgeschwächte TS Herzogenaurach im Handballspiel der 3. Bundesliga gegen den Favoriten TV Möglingen eine halbe Stunde lang mit Engagement und spielerischer Klasse begeisterte und zur Halbzeitpause verdient mit 19:12 in Front lag. Diese Leistung hielten die Gastgeberinnen aber nicht aufrecht und mussten sich mit einem 30:30 und einem Punkt begnügen.


Viele Ausfälle zu verkraften

Obwohl die TSH neben Carole Mittelheisser, Viktoria Egle, Jana Lichtscheidel und Nina Bestle kurzfristig auch auf Laila Schneidereit (Angina) verzichten musste und Saksia Probst laut Trainer Klaus Watzinger aus internen Gründen nicht eingesetzt wurde, übertraf das junge Team zunächst alle Erwartungen. Mit ihrer großartig eingestellten Abwehr und einer lange Zeit überzeugenden Torfrau Martina Ebersberger beherrschte sie den renommierten Gegner sogar teilweise.
Dass dies angesichts der Personalsituation kein Dauerzustand werden würde, war klar. Dazu kamen unerklärliche Schwächen in den ersten zehn Minuten nach Wiederanpfiff, die sich wie ein roter Faden durch die Saison ziehen. Bis zur 38. Minute beim 21:16 hielten die Aurachstädterinnen ihre körperlich deutlich überlegenen Gäste dennoch auf Distanz, dann häuften sich im Watzinger-Team leichte technische Fehler, während der Gegner eigene Nachlässigkeiten abstellte und mit der größeren Erfahrung und physischen Überlegenheit den Spielverlauf kippte.
Die TSH stemmte sich dagegen, ging noch einmal mit 28:26 (55.) und dank des zwölften Treffers der überragenden Laura Wedrich in der vorletzten Minute mit 29:28 in Führung. Den postwendend erzielten Ausgleich für Möglingen beantwortete Lisa Neumann 40 Sekunden vor Schluss mit dem 30:29. Der Aufsteiger schnupperte am Sieg gegen den Tabellensiebten. Möglingen, das in den letzten zehn Minuten praktisch jeden Torschuss mit einem Erfolg abgeschlossen hatte, gelang 25 Sekunden vor der Sirene der neuerliche Ausgleich. Dann überschlugen sich die Ereignisse.


Achte TVlerin auf dem Feld?

Als die TSH einen allerletzten Versuch für dringend nötige zwei Punkte unternahm, soll eine siebte Gästespielerin aufs Feld gerannt sein und Sarah Stephan mit heftigem Klammern gehindert haben. Der nachfolgende Freiwurf drei Sekunden vor Schluss brachte nichts ein. Weder der nur vier Meter entfernte Schiedsrichter, noch die direkt neben der Wechselbank sitzenden zwei Zuständigen des Kampfgerichts ahndeten diese Aktion, die eine Rote Karte für die Baden-Württembergerin sowie einen Strafwurf für die Gastgeberinnen zur Folge hätte haben müssen.
Die TSH gab den Sieg mit vielen kleinen Fehlern zwar auch selbst aus der Hand, ein solch klares Foul, egal ob von einer achten Spielerin oder nicht, sollte in der 3. Liga dennoch nicht übersehen werden. Neue Hoffnung schöpft Herzogenaurach daraus, dass Steffi Mittasch, bislang Spielertrainerin in der zweiten Mannschaft, sowohl in der Abwehr als auch im Angriff eine großartige Partie bot, und Alina Erdmann ihre Wurfkraft ausgezeichnet umsetzte. Kristin Lang wird am Kreis immer stärker, Stephan war erneut in Bestform. Die mit der Spielmacherposition betraute Neumann zahlte das Vertrauen zurück.
"Leider haben wir den Sieg verschenkt. Vermutlich haben wir vor der Pause einfach zu viel investiert und Kraft gelassen, die später fehlte", analysierte Watzinger. "Die Mädels kamen von sich aus zur Bank, um eine Pause einzulegen", berichtete der Coach, der seiner Mannschaft eine "couragierte Leistung" attestierte.
TSH: Ebersberger, Gerling - Stephan (5), Wedrich (12/2), Mittasch (2), Lang (3), Merz, Erdmann (4), Theobald, Küffner, Neumann (4)