Sie gelten als diebisch - aber darf man sie deshalb ihrer Freiheit berauben? Der Anruf einer Spaziergängerin in der Westheimer Flur erreichte Dienstag die Tierschutzinitiative (TI) Haßberge. Auf einem Wiesengrundstück hatte die Frau beim Gassigehen mit ihrem Hund eine Lebendfalle entdeckt. Darin waren zwei Elstern gefangen. Dass hier etwas im Argen lag, war den Tierschützern rasch klar, als sie vor Ort eintrafen. Kurzerhand wurden die geschützten Tiere aus ihrer Gefangenschaft befreit, teilte die Tierschutzinitiative mit.
"Elstern haben aktuell Schonzeit, das heißt, sie dürfen nicht bejagt werden. Außerdem dürfen Wildvögel grundsätzlich nicht mit einer Falle gefangen werden", so Karin Kraus von der Tierschutzinitiative. Die Entdeckung wurde der Unteren Jagdbehörde mitgeteilt und zur Anzeige gebracht. "Die Vögel standen unter großem Stress". Welches Schicksal sie ereilt hätte, kann nur vermutet werden.
Elstern haben laut einer Mitteilung der Tierschutzinitiative wie alle Rabenvögel viele Feinde. Der größte Feind ist wohl der Mensch und so genießt der Vogel auch unter vielen Gartenfreunden sowie in der Land- und Forstwirtschaft nicht eben den besten Ruf. Als Nesträuber verschrien, ranken sich viele Geschichten und Legenden um den schlauen Rabenvogel.


Schlechter Ruf

Aber hat die Elster ihren schlechten Ruf zu Recht? Die Elster ist ein Allesfresser. Mit der Vorliebe für kleine Säugetiere, Insekten und Abfälle kann sie sogar nützlich sein. Ungefähr zehn Prozent ihrer Nahrung besteht aus Jungvögeln und Eiern. Studien belegen jedoch, dass Singvogelbestände durch die Elster nicht bedroht ist.
Als Kulturfolger suchen die Elstern gerne die Nähe zum Menschen, da sich hier Nahrungsquellen ergeben, die aufgrund von Monokultur und intensiver Landwirtschaft in der freien Natur oft auch für Singvögel immer knapper bemessen sind. Wie viele Singvogelarten brütet die Elster von April bis Juni ihren Nachwuchs aus. Ihre großen Nester dienen Eulen und Greifvögeln als Nistplätze.
Obwohl dieser schlaue Vogel nach dem Bundesartenschutzgesetz und der EU-Vogelrichtlinie unter besonderem Schutz steht, ist die Jagd auf die "diebische" Elster in Bayern zur Jagdzeit erlaubt. Auch der Waidmann muss sich an die Schonzeit für die Tiere halten. red