Christoph Böger

Die Deutsche Classic-Union (DCU) steht vor dem Aus. Die vor neun Jahren gegründete 200-Kugel-Spielklasse verliert immer mehr Mitglieder und bangt um ihre Existenz. Sechs Vereine aus der 1. Bundesliga der abgebrochenen Vorsaison haben dem Verband den Rücken gekehrt. Die Kegelszene spricht vom Anfang vom Ende der DCU.

"Natürlich ist diese Entwicklung sehr traurig, aber wir werden uns davon nicht unterkriegen lassen und glauben dennoch an eine spannende und gute Saison", erklärt Ulrich Bieberbach. Der Vorstand des PSV Franken Neustadt (Landkreis Coburg) ist seit Jahren ein großer Verfechter des 200-Kugel-Spiels, weiß aber auch, dass der Trend immer mehr weg vom ursprünglichen und hin zum 120-Kugel-Spiel geht: "Natürlich ist die Attraktivität und sicher auch ein Stückweit das Niveau nach den Rückzügen von so etablierten DCU-Mannschaften wie VKC Eppelheim, RW Sandhausen oder auch BF Aschaffenburg gesunken." Für das 120er-Spiel zeichnet der DKBC (Deutscher Keglerbund Classic) verantwortlich, der Verband, von dem sich die DCU einst abspaltete.

Wie konnte es soweit kommen?

Doch wie konnte es zum Niedergang der DCU kommen? Mike Heckmann, Vorsitzender von Rot-Weiß Sandhausen - mehrfacher deutscher Mannschaftsmeister, Pokalsieger und sogar Weltpokalgewinner - erklärt den Rückzug seiner Mannschaft: "Ich hätte gerne weiter über 200 Kugeln gespielt. Ich bin sogar Gründungsmitglied der DCU, die 2012 mit großen Hoffnungen gestartet ist. Diese haben sich aber nicht erfüllt. Die Mitglieder, vor allem die aus Bayern, blieben aus", sagte der 51-jährige, selbst noch in der 1. Liga aktive Spieler gegenüber der Rhein-Neckar-Zeitung.

120 Kugeln sind für viele Spieler attraktiver

In den vergangenen Jahren haben immer mehr Spieler und Klubs die DCU verlassen. Grund: Das attraktivere Spielsystem. Der Reiz, Mann gegen Mann zu kämpfen, ist bei den meisten Spitzenspielern groß. Sie finden es interessanter und vor allem leistungsbezogener. Deutsche Spitzenklubs wie Victoria Bamberg, SKV Rot-Weiß Zerbst oder auch der SKC Staffelstein, der sich vor kurzem komplett vom Hochleistungskegeln zurückgezogen hat, favorisierten von Beginn an das 120er-Spiel und hatten deshalb großen Anteil daran, dass sich die neue Variante als die weitaus anerkanntere und anspruchsvollere behauptete.

Allen Unkenrufen zum Trotz nimmt der PSV Franken Neustadt jedoch ab September sein Spielrecht in der DCU-Bundesliga wahr - dann zwar wieder mit insgesamt zehn Teams, allerdings lange nicht mehr so spielstark wie zuletzt. Aus Abstiegskampf könnte für die Franken über Nacht ein Meisterschaftsrennen werden - abwarten! Die Vorfreude im Lager der PSV-Familie ist trotz der Kapitulation zahlreicher Konkurrenten groß. "Eine derart ausgeglichene erste Liga ist weiterhin höchst anspruchsvoll und interessant," ist sich Bieberbach sicher. Optimisten träumen bereits von einem Spitzenplatz in der 1. Liga, was ob des gut besetzten Spielerkaders nicht ausgeschlossen sein sollte. Ob das ehrgeizige Team aus der Bayerischen Puppenstadt künftig um den Titel mitspielen kann, muss sich aber erst noch zeigen.

Aufbruch-Stimmung beim PSV

Fest steht jedenfalls, dass "wir nach diesen schweren Corona-Zeiten eine wahre Aufbruch-Stimmung im gesamten Klub merken". Ulrich Bieberbach ist darüber höchst erfreut: "Wir haben keinerlei Abgänge zu verzeichnen und die Ziele in der neuen Runde sind ambitioniert. Wir werden mit der ersten und zweiten Mannschaft auf 200 Wurf in der DCU spielen und im DKBC auf Bezirks- und Kreisebene sogar eine weitere Mannschaft dazu melden." Der PSV Franken fährt also bereits jetzt zweigleisig, wohlwissend das eine Rückkehr zum DKCB eines Tages mit hohen Hürden verbunden ist. Erst recht, wenn die Spitzenspieler dann auf ähnlich anspruchsvollem Niveau wie jetzt ihren Sport ausüben wollen.