Seit 85 Jahren hat die evangelische Christuskirche ihren festen Platz in der Rangengasse und somit über den Dächern Burgkunstadts. Und dennoch kam es am vergangenen Sonntag zu einer echten Premiere: Noch nie hatte die Kirchengemeinde das Kirchweihfest ihrer Christuskirche unter freiem Himmel gefeiert. Das sonnige Wetter, aber vor allem die inhaltliche Botschaft ließ schnell vergessen, dass die Gemeinde um Pfarrer Heinz Geyer aufgrund der aktuellen Corona-Lage zu diesem Schritt gezwungen war. Stattdessen wurde der Festgottesdienst zu einem eindrücklichen Bekenntnis der inneren Verbundenheit in Zeiten der räumlichen Trennung.

Auftritt des Chores "QuerBet"

"Es ist ein wunderschönes Bild und ein großes Geschenk zugleich, dass wir heute trotz Abstandsregeln und Masken so zahlreich im Atrium des Gemeindehauses zusammengekommen sind und unsere Christuskirche angemessen feiern können", verlieh Pfarrer Heinz Geyer gleich zu Beginn des Festgottesdienstes seiner Freude Ausdruck. Ganz genauso sahen dies Bürgermeisterin Christine Frieß sowie Dekanin Stefanie Ott-Frühwald. Für die musikalische Gestaltung der Feier sorgten die Chöre der Gemeinde: Neben dem von Thomas Meyer dirigierten Posaunenchor trat auch der Chor "QuerBet" in Aktion und absolvierte so unter der Leitung von Katharina Flierl erstmals seit dem Lockdown im Frühjahr wieder einen öffentlichen Auftritt. Die Freude darüber war nicht nur dem Chor, sondern auch dem begeisterten Publikum anzumerken. Der Gottesdienst wurde live über das Internet übertragen.

Trost spendende Botschaft

In seiner Predigt schaffte es Pfarrer Heinz Geyer geschickt und eindrucksvoll zugleich, unter Bezugnahme eines Kinderbuches die besonderen äußeren Umstände des Kirchweihfestes in eine Trost und Hoffnung spendende Botschaft umzuwandeln: "Wenn wir in der Liebe Jesu Christi verbunden sind, dann sind wir ganz nahe beieinander", erklärte der Geistliche.

Geradezu greifbar wurde diese Botschaft, als sich ein roter Faden durch das Halbrund des Atriums spannte. "Dieser rote Faden, den wir nun alle in der Hand halten, zeigt uns auch in Corona-Zeiten: Wir sind auf Abstand, aber dennoch in der Liebe Gottes verbunden." Zusätzliche Ausdruckskraft erhielt dieser Gedanke, als der rote Faden über das Atrium hinweg bis zum Kreuz an der Außenwand der Christuskirche getragen wurde. "Unsere Christuskirche ist seit 85 Jahren genau der Ort, an dem unsere Gemeinde diese Liebe erfahren darf", erläuterte Pfarrer Geyer die große symbolische Kraft dieses Bildes.

Weitere Zeichen der inneren Verbundenheit folgten, indem beispielsweise nach dem Gottesdienst liebevoll abgepackte Kirchweih-Muffins an alle Gottesdienstbesucher verteilt wurden. Diese waren von Kirchenvorsteherin Renate Hofmann gebacken worden. "Wenn Sie heute Mittag zu Hause diesen Leckerbissen genießen, dann ist das zwar kein Ersatz für unser sonst immer so fröhliches und ausgelassenes Kirchweihfest, aber dennoch die Möglichkeit, aneinander zu denken und so Gemeindeleben erfahrbar zu machen", erläuterte Pfarrer Heinz Geyer auch diese originelle Idee.

Denkwürdiges Konzerterlebnis

Aus der Not eine Tugend machen - unter diesem Motto verlief auch das Kirchweihkonzert in der Christuskirche am Abend. Weil aufgrund der Hygieneregeln ein gemeinsamer Auftritt aller Chöre der Gemeinde undenkbar war, hatte man eine deutlich kleinere, aber dafür außergewöhnliche Kombination bei begrenzter Besucherzahl für Sonntagabend in die Christuskirche eingeladen: ein Trio aus Saxofon, Orgel und Kontrabass. Saxofonistin Christine Balig aus Nürnberg sowie der schwedische Bassist Anders Grop lieferten zusammen mit Thomas Meyer an der Orgel ein denkwürdiges Konzerterlebnis ab. mts