Flussgeschichten erfreuen sich großer Popularität. Die Gemeinde Knetzgau möchte durch das geplante Projekt "MIZ" (Maininformations- und Erlebniszentrum) als fränkischer Ort am Main der eigenen Geschichte mehr Auftrieb geben. Aus diesem Grund fand im Rats- und Kultursaal in Knetzgau ein Vortrag mit Thomas Gunzelmann vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege statt, der sich zum Titel "Der Main als Gestalter einer Kulturlandschaft" dem Thema Fluss, Land, Menschen widmete.
Wie alle großen Flüsse stehe auch der Main für eine faszinierende alte Kulturlandschaft, erklärte der Redner. Dabei blieb der Fluss laut Thomas Gunzelmann keineswegs statisch; er änderte sowohl jahreszeitlich seinen Wasserstand - häufig auf bedrohliche Höhen - als auch längerfristig seinen Verlauf. In diesem Zusammenhang könne man den Fluss als Element der Landschaft sowohl als Akteur als auch als Objekt der Geschichte sehen.


Vielfache Wirkungen

Mit seinen gegensätzlichen Eigenschaften sei der Main ein trennendes, aber auch verbindendes Element, zugleich Lebensgrundlage wie auch Bedrohung. Im Verlauf der Geschichte hätten die Vorteile für den Menschen überwogen, so dass sich laut Gunzelmann die siedlungsfördernde Wirkung des Mains durchsetzen konnte - als wirtschaftlicher, kultischer und als herrschaftlicher Standort. Der Main wurde somit zur Bühne, zum Gerichtsort und zum identitätsstiftenden Symbol. Thomas Gunzelmann ging während seines Referats detailliert auf verschiedene Gesichtspunkte ein. So erfuhren die Zuhörer unter anderem, dass der Main wegen seiner Flussdynamik die örtlichen Grenzen jährlich in Frage stellte. Das Überqueren des Mains war früher nur mittels Fähre möglich, heute sind es 111 Brücken, die den schiffbaren Main überqueren. Gasthäuser "Zur Mainaussicht" gab es früher und gibt es auch heute noch in Knetzgau, Haßfurt und in Schweinfurt, wo sich der Name sogar auf ein Stadtquartier bezog.
Ein weiterer Themenschwerpunkt des Vortrags war die Schifffahrt und Flößerei. Dem Thema Main als Ort von Freizeit und Erholung, als Bühne, Symbol und Mythos widmete sich der Redner genauso wie dem Verkehr und der Siedlung, den Lebensgrundlagen und der Bedrohungen durch das Wasser.
Der Knetzgauer Bürgermeister Stefan Paulus dankte im Namen der Mitveranstalter (Umweltbildungszentrum, Volkshochschule, Schiffer- und Fischerverein und Historischer Verein Landkreis Haßberge) dem Referenten Thomas Gunzelmann.