Die Sommermonate sind auch wieder die Zeit der Trauungen. Die letzten Wochen waren in den Medien bestimmt von der Diskussion um Kirche, Kreuz, christliche Symbolik. Letztendlich ging es um den Stellenwert von Glaube und Kirche überhaupt. Es wurde mehrmals der Eindruck erweckt, Kirche achte nur auf den korrekten Vollzug ihrer Riten, die Menschen, die vor dem Altar (oder dem Pfarrer) stehen, seien dabei nebensächlich. Dagegen würden die Anbieter freier Trauungen (nicht selten Theologen, die den Dienst in der Kirche quittiert haben) sehr intensiv auf die Hochzeitspaare eingehen und dann eine personalisierte Trauung gestalten, indem sie auf alle Wünsche und Vorstellungen eingehen. Ein Ehepaar, das demnächst kirchliche Trauung hat, schreibt Folgendes: "Die Artikel suggerieren, dass freie Trauungen eine hohe Flexibilität haben und kirchliche Trauungen dagegen festgefahren und eintönig ablaufen. Wir haben bei unserem Traugespräch, aber auch schon bei anderen kirchlichen Trauungen die Erfahrung gemacht, dass die Pfarrer sich sehr für die Lebensgeschichte der Brautpaare interessieren und weitgehend auf deren Wünsche bezüglich der Trauung eingehen."
Ich stelle bei einem Traugespräch beispielsweise folgende Fragen: Wie haben Sie sich kennengelernt? Warum möchten Sie kirchlich heiraten? Wo sehen Sie Ihre Gemeinsamkeiten? Wo sehen Sie Ihre Unterschiede? Aus welcher familiären Situation kommen Sie? An die Braut gerichtet: Warum gerade ER? - und umgekehrt: Warum gerade SIE? Worüber streiten Sie? Wer von beiden gibt nach? Wie sehen Ihre Urlaubsvorstellungen aus? Welche gemeinsamen Ziele haben Sie? Ähnlich werden sicher Traugespräche auch in anderen Pfarrämtern geführt. Bei einer kirchlichen Trauung geht es darum, das Leben der Einzelnen in den großen Rahmen der Gnade und Liebe Gottes zu stellen. Und das schlägt sich - natürlich - auch in bestimmten Riten nieder, die Sicherheit und Geborgenheit vermitteln. Diese Riten stehen an zentraler Stelle, aber sie haben dienende Funktion: Dem Paar wird Gottes Beistand zugesprochen, den Eheleuten wird gesagt, dass Zweisamkeit in all ihren Facetten (inklusive Sexualität!) eine gute, von Gott gewollte Sache ist. Sieht so eine "unpersönliche" Trauung aus?
Mir scheint eher, dass so manche Paare Filme, Serien oder bei anderen Hochzeiten Gesehenes nachspielen, dass diese Show aber mit ihrem eigenen Leben nichts (oder nur wenig) zu tun hat. Da werden goldene Tore aufgebaut, hinter denen einfache Hütten stehen ...
Da ist eine kirchliche Trauung ehrlicher, weil schlichter. Trauung ist keine Show. Trauung ist die Bitte um Gottes Geleit angesichts einer ungewissen Zukunft. Doch die heutigen Menschen werden leider kaum mehr von Traditionen, aber sehr stark von Medien bestimmt. Ob das mehr hilft?

Heinrich Arnold ist evangelischer Pfarrer in Untersiemau.