Mit einem geübten Handgriff nimmt der 63-Jährige die Lackierpistole von der Halterung und zeigt, wie er damit an seinem früheren Arbeitsplatz ein Blech lackierte. Hans Peter Mackert arbeitete 43 Jahre lang als Maler und Lackierer in der Firma Steba Elektrogeräte. Seit dem 31. August ist er nun offiziell in Rente.

Dass er ein Handicap hat, ist dem älteren Herrn nicht anzusehen. Er wirkt sehr ruhig, freundlich und geduldig - quasi die Ruhe in Person. Die Tatsache, dass er taubstumm ist, hat ihn nicht davon abgehalten, einen normalen Job auszuüben und ein normales Leben zu führen. Seine Erfahrungen möchte er nun mit anderen teilen und Menschen mit Handicap dazu ermutigen, einen normalen Beruf zu ergreifen.

Besonderes Gespür

Für das heutige Treffen steht sein Bruder Walter Mackert als Dolmetscher an seiner Seite. Normalerweise braucht der 63-Jährige allerdings niemanden, um sich zu verständigen. Durch die Gehörlosigkeit habe er ein besonderes Gespür für die nonverbale Kommunikation, also Gestik und Mimik. Nur bei Mitarbeiterversammlungen ist ein Dolmetscher nötig und wird von der Firma bereitgestellt. Mit den Mitarbeitern habe Mackert sich auch ohne Übersetzer gut verstanden - im wahrsten Sinne des Wortes. Irgendwie war die Verständigung immer möglich, wenn es mit Händen und Füßen nicht geklappt hat, dann eben über WhatsApp.

Auch Zuhause kommt der gelernte Lackierer gut zurecht. Er wohnt alleine, hat viele Hobbys und sowohl einen Auto-, als auch einen Motorradführerschein. Über die modernen Kommunikationsmittel sei es heutzutage kein Problem mehr, in Kontakt mit seinen drei Geschwistern zu bleiben. "Früher war das deutlich schwieriger, da war das Fax schon ein Segen für die Kommunikation", erinnert sich Bruder Walter Mackert, der inzwischen in Bad Staffelstein wohnt.

Neben der langjährigen Arbeit bei der Firma Steba geht Hans Mackert auch seit vielen Jahren einer besonderen Leidenschaft nach, dem Hobbyschießen. Dies trainiert er beim Gehörlosen-Sportverein in der Schützenabteilung am Babenbergerring in Bamberg. Sport sei eine gute Möglichkeit, um sich zu integrieren, er schießt auch an der Seite von Hörenden.

Für Meisterschaften hat Mackert schon viele Länder bereist. Darunter Amerika, Norwegen, Schweden, Bulgarien, Frankreich und Neuseeland. Beim Schießen hat er viele Urkunden und insgesamt 280 Medaillen gewonnen. Im Luftgewehrschießen der Gehörlosen wurde er 1985 in Los Angeles sogar Weltmeister. Er hat Gold im Luftgewehreinzel mit dem Weltrekord von 556 Ringen erreicht. Die Firma hat Mackert mit seinem Hobby immer unterstützt, indem er für diese Sportveranstaltungen Urlaub bekommen hat. Dafür ist Hans Mackert sehr dankbar.

Zahlreiche Hobbys

Neben dem Schießen gehören auch Fußballspielen und Schwimmen zu seinen zahlreichen Hobbys. Bremsen lassen hat er sich von seinem Handicap nie. Anderen Gehörlosen rät er, raus zu gehen und Spaß zu haben. Es sei das Wichtigste, sich nicht wegen eines Handicaps zu verstecken. Wenn die Umgebung sich darauf einlasse, stehe auch mit Handicap einer guten Arbeit nichts im Weg. Dafür sind er und seine Geschwister lebende Beispiele.

Neben den zwei Brüdern hat Hans Mackert noch eine schwerhörige Schwester, die Schneiderin gelernt hat und ebenfalls ohne Probleme ihren Beruf ausübt.

Hans Peter Mackert aus Stegaurach hat am 18. April 1977 seine Ausbildung bei der Firma Steba Elektrogeräte angefangen. Diese stellt unter anderem Backöfen, Sandwichmaker und Raclettes her. Hans Mackert wurde eigens von seinem Bruder Helmut Mackert angelernt. Dieser ist ebenfalls gehörlos und nach seiner Ausbildung als Autolackierer zu Steba gewechselt, dort blieb er allerdings nicht lange. Hans Mackert hat es in der Firma von Anfang an gefallen und blieb dieser bis heute treu. Hauptsächlich lackierte er Raclettes und Deckel für Kontaktgrills. Seine Arbeit sei stets geschätzt und anerkannt worden.

"Ihm war genaues Arbeiten schon immer sehr wichtig, er ist ehrgeizig und will perfekte Arbeit leisten", sagt der Bruder. Als Dank und Anerkennung hat der 63-Jährige sogar eine Ehrenurkunde vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen erhalten. "So ein Mitarbeiter ist ein Segen für die Firma", sagt Pamela Endres, Marketingbeauftragte von Steba Elektrogeräte.

Gelebte Inklusion

Der Bruder Walter Mackert beschreibt das Arbeitsverhältnis seines Bruders mit der Firma als gelebte Inklusion. Er sei so angenommen, wie er ist - ohne Sonderstatus, aber mit verdienter Anerkennung. Walter Mackert wünscht sich, dass mehr Firmen dem Beispiel von Steba folgen.

Wie geht es für Hans Mackert nun weiter? Er möchte nicht ganz aufhören zu arbeiten und hat sich deswegen sehr gefreut, als ihm die Firma anbot, auf 450-Euro-Basis weiter als Lackierer zu arbeiten. Außerdem geht er zusätzlich Hausmeistertätigkeiten im Gehörlosenzentrum nach und verbringt natürlich Zeit mit seinen Hobbys. Auch an Meisterschaften will er weiterhin teilnehmen. Langweilig wird dem unternehmungslustigen Herrn also auch ohne Vollzeitjob nicht. Auf die Frage, wieso er nie geheiratet habe, lächelt der 63-Jährige verschmitzt und gibt zu verstehen, dass er lieber unabhängig und frei sein will.

In Gedanken versunken hängt Mackert die Lackierpistole wieder zurück an ihren Platz. Auf dem Weg nach draußen nicken ihm seine Arbeitskollegen zum Abschied zu. Doch dies ist nicht das Ende, er bleibt ja der Firma weiterhin 16 Stunden im Monat erhalten.