Es ist für einen Klavier- und Cembalobaumeister nicht einfach, sich im Alter von 53 Jahren selbstständig zu machen. Reinhold Pöhlmann unternimmt diesen Schritt - und zwar zu Recht. Er ist mit seinen über 30 Jahren Berufserfahrung als Klavier- und Cembalobauer hochqualifiziert und hat sich in der Region Bayreuth-Kulmbach, zuletzt beim Klavierbauer Niedermeyer in Bayreuth, einen Namen gemacht.
Der Ködnitzer ist der einzige Klavierbaumeister im Landkreis Kulmbach. Für seinen Schritt in die Selbstständigkeit hat Reinhold Pöhlmann viele Unterstützer und Mutmacher an seiner Seite, dass er letztlich beruhigt zum Ergebnis kam: "Das darf ich schon wagen, denn ich weiß für mich, dass ich die Kompetenz habe und auch diese Arbeit leisten kann." Seine Zeit bei Niedermeyer "war wie Formel 1", dort hätte er den Chef bereits hin und wieder vertreten.
Seinen ersten Einblick in die Welt des kunsthandwerklichen Instrumentenbaus bekam Reinhold Pöhlmann 1982 bei Gerhard Ranftl in Bayreuth mit dem Schwerpunkt Cembalobau und Klavier- und Flügelreparatur: "Das Arbeiten unter höchsten Qualitäts- und Präzisionsansprüchen hat mich in meinem nächsten Wirkungskreis entscheidend geprägt."
Seit 1985 war Pöhlmann als Klavierbauer bei Niedermeyer in Bayreuth Mitarbeiter der ersten Stunde. Gefordert war der Klavierbaumeister vor allem schwerpunktmäßig bei Klavier- und Flügelrestaurationen für Pianisten, Institutionen, Museen und private Sammler und Privatkunden: "Die tieferen Zusammenhänge des Klavierbaus, die Merkmale der Konstruktion sowie die umfangreichen Material- und Produktionskenntnisse erschlossen sich mir bei der Vorbereitung auf die Meisterprüfung, die ich 1994 abgelegt habe."
Zu dem handwerklichen Geschick kommt die Gabe, Musik zu machen. Das Klavier muss schließlich gestimmt und eingespielt werden. Für die Ausbildung muss man kein Star-Pianist sein - wichtig ist, dass man sowohl ein Gefühl für das Instrument als auch für die Musik hat.
Pöhlmann: "Beim Verkaufen ist es mir an Anliegen, auch ältere Stücke mit Charakter anzubieten. Es kann also ruhig eine ,Falte‘ drin sein, aber wenn es ein schöner angenehmer Ton ist, dann wird es gesucht."


Bindung zum Klavier

Eine weitere Nische sind für ihn die musizierenden Familien, zu denen er zum Klavierstimmen gerufen wird und oftmals gewisse Teile des Klaviers in der Werkstatt überarbeitet und danach wieder einbaut. Nicht selten müssen ältere Familienstücke restauriert werden. Hier sei eine emotionale Bindung der Eigentümer vorhanden.
Klavierbauer bauen also nicht nur, sondern sind auch im Bereich Restauration, Service und Handel tätig. Jetzt hat sich Reinhold Pöhlmann seinen Wunsch nach einer eigenen Werkstatt erfüllt und ist in Lanzendorf bei der ehemaligen Gardinenfabrik Michel fündig geworden: "Ich will dort das erworbene Wissen und die gewonnene Erfahrung nutzen, Bewährtes weiterführen, weiter vervollkommnen und neue Wege gehen." Der bestmögliche Ton ist das Ziel seiner Arbeit. Was internationale Pianisten dankbar mache - ein präziser Ton aus dem Konzertflügel - , das zähle auch für die Instrumente in den Familien.
Bei Kaufentscheidungen will Pöhlmann für ein gebrauchtes Instrument von Privatkunden gerne Hilfe geben. Wichtig ist für ihn, dass Familienstücke erhalten werden. Grundlage für eine Empfehlung oder eine Reparaturempfehlung ist für den Klavierbaumeister eine Besichtigung des Instruments und eine gründliche Zustands- und Schadensanalyse.


Der Ton ist entscheidend

Das Angebot umfasst Restaurationen und Reparaturen von Klavieren und Flügeln, Stimmungen und Konzertbetreuungen sowie den Ankauf hochwertiger Klaviere und Flügel und deren handwerkliche Aufwertung und der Weiterverkauf.
Das Besondere an der Arbeit des Klavierbaumeisters bringt Pöhlmann auf den Punkt: "Mit den Händen was schaffen, aber das hat bei mir schon Geschichte, denn wir sind als Landkinder schon immer in den Hecken rum und haben aus Stecken Häuser gebaut. Ich komme ja auch aus einem Handwerksbetrieb, denn mein Vater hatte einen Malerbetrieb. Ein geschaffenes Produkt sehen, das macht mich total zufrieden. Und meiner Mutter bin ich für die musische Bildung dankbar. Das Besondere an meinem Beruf ist, dass nicht nur ein Produkt herauskommt, das gut aussieht, sondern auch gut klingt."
Für den Klavierbaumeister gehört neben dem handwerklichen Geschick Intuition und Leidenschaft dazu. Der "höchste Lohn" ist für Pöhlmann nicht die finanzielle Entschädigung für seine Arbeit, wie er betont, sondern wenn er für einen Künstler gearbeitet hat und in dessen Konzert erleben kann, wie gut das Klavier oder der Flügel klingt.