von unserem Mitarbeiter  Stephan Stöckel

Altenkunstadt — Saxophon, Trompete oder Posaune - mit diesen Instrumenten lockt man an der Musikschule Altenkunstadt heute niemanden hinter dem Ofen hervor. Voller Wehmut blickte der Leiter der Musikschule, Hans Ehm, bei der Schulverbandsversammlung am Dienstagabend im Rathaus auf die guten alten Zeiten zurück, als noch "die Heimorgel der große Hit bei der Jugend gewesen war."
Nicht nur die Vielfalt an Instrumenten hat an der Einrichtung, die in der Mittelschule untergebracht ist, abgenommen, auch die Zahl der Schüler. "Vor 15 Jahren waren es noch 120, heute sind es nur noch 54 Schüler, die sich auf 33 Unterrichtseinheiten verteilen." Der Schulverband Altenkunstadt, dem die Stadt Weismain und die Gemeinde Altenkunstadt angehören, möchte der negativen Entwicklung gegensteuern. Dem Weismainer Bürgermeister Udo Dauer (CSU), der derzeit den Vorsitz in dem Gremium hat, schwebt eine Kooperation mit den anderen beiden Musikschulen im Landkreis Lichtenfels, die sich in Lichtenfels und Bad Staffelstein befinden, vor. Auch mit der Musikschule in Küps im Landkreis Kronach sowie den Musikvereinen im östlichen Landkreis Lichtenfels kann sich das Stadtoberhaupt eine Zusammenarbeit vorstellen.
"Man könnte sich bei der Instrumentenauswahl gegenseitig ergänzen. Wir bieten zum Beispiel Querflöte an, die Lichtenfelser das Fagott, um ein fiktives Beispiel zu nennen", sagte er. Einvernehmlich verständigte man sich darauf, die in Frage kommenden Schulen und Vereine anzuschreiben.
Ehm hatte zuvor darauf hingewiesen, dass es in Bamberg eine Kreismusikschule gibt. Zudem zeigte er die Folgen auf, die die sinkende Schülerzahl für die Bildungseinrichtung mit sich bringe. "Die Musikschule Altenkunstadt ist Mitglied im Verband deutscher Musikschulen, von dem wir jährlich einen Zuschuss erhalten. Voraussetzung dafür ist, dass drei Säulen des Musizierens vorhanden sein müssen: musikalische Früherziehung, Instrumental- und Ensembleunterricht. Letzterer wird derzeit nicht angeboten." Ehm befürchtet, dass es bald keinen Zuschuss mehr geben werde.

Klavier auf Platz 1

Welche Instrumente führen derzeit an der Musikschule Altenkunstadt die Hitliste an? "Das gute alte Klavier steht auf Platz 1 mit 27 Schülern, gefolgt von der akustischen Gitarre, die zwölf Kinder und Jugendliche erlernen und der musikalischen Früherziehung, in die sechs Steppkes gehen", zählte Ehm auf. Der Weismainer Verbandsrat Michael Dreiseitel ("Die negative Entwicklung stimmt mich traurig.") zeigte sich überrascht von der Anwesenheit Ehms. In den vergangenen Jahren hatte das Gremium immer ohne ihn getagt, auch wenn das Thema Musikschule auf der Tagesordnung gestanden hatte.
"Ich hatte immer den Eindruck, dass die Musikschule vom Schulverband als Klotz am Bein empfunden wurde", sagte er. "Auch ich habe mich immer gewundert, dass mein Insider-Wissen in diesem Gremium nicht gefragt ist", pflichtete ihm Ehm zu. Dauer, der selbst leidenschaftlicher Musiker ist und Orgel spielt, hatte zuvor ein klares Bekenntnis zum Erhalt der Musikschule abgegeben.

Musikvereine als Konkurrenz?

Zudem sprach der Redner die Konkurrenzsituation mit den Musikvereinen an. In Zeiten zunehmender Ganztagsbeschulung würden auf kurz oder lang immer weniger Schüler den Weg in die Musikvereine finden, zeigte sich der Redner überzeugt. Hier komme einer Einrichtung wie der Musikschule eine besondere Bedeutung zu, so der Bürgermeister: "Im Rahmen des Nachmittagsunterrichts können Lehrer der Musikschule talentierte junge Leute unterrichten, die dann später einmal den Vereinen zugeführt werden."
Die Friedrich-Baur-Mittelschule in Burgkunstadt gehört endgültig der Vergangenheit an. Nachdem sich bereits die Kommunen in Altenkunstadt, Burgkunstadt und Weismain für die Auflösung der Mittelschule ausgesprochen hatte, folgte nun der Schulverband Altenkunstadt mit einem einstimmigen Votum. Zugleich wurde das Gebiet der Stadt Burgkunstadt (einschließlich aller Ortsteile) dem Sprengel der Altenkunstadter Mittelschule zugeordnet. Seit dem Schuljahr 2000/2001 haben die Schülerzahlen an der Burgkunstadter Mittelschule um 60 Prozent abgenommen. Aufgrund der aktuellen Schülerzahlen wird es im kommenden Schuljahr keine fünften und sechsten Jahrgangsstufen mehr geben. Zukünftig werden die Schüler aus Burgkunstadt und seinen Ortsteilen in Altenkunstadt unterrichtet. Auch der Mittelschulverbund, der zwischen den beiden Mittelschulen in Altenkunstadt und Burgkunstadt bestand, ist damit hinfällig.
"Da wir ab dem neuen Schuljahr an unserer Schule in Altenkunstadt viele Schüler aus Burgkunstadt haben, wäre es sinnig, wenn auch die Stadt Burgkunstadt Mitglied im Schulverband werden würde", sagte Dauer. Ein solcher Antrag auf Aufnahme in die Körperschaft des öffentlichen Rechts müsse von Burgkunstadt ausgehen. Bislang gebe es noch keinen Antrag, so der Verbandsvorsitzende.

Etat einstimmig verabschiedet

Einstimmig verabschiedet wurde der Haushalt des Schulverbandes, den die Altenkunstadter Kämmerin Astrid Redinger vorstellte. Er schließt in Einnahmen und Ausgaben mit einer Gesamtsumme von 903 300. Davon entfallen auf den Verwaltungshaushalt 793 300 und auf den Vermögenshaushalt 110 000 Euro.
Zu Beginn des laufenden Schuljahres, am 1. Oktober vergangenen Jahres, haben nach Auskunft der Referentin 260 Jungen und Mädchen die Mittelschule in Altenkunstadt besucht. Ein Jahr zuvor waren es noch 16 Schüler weniger gewesen.
Damit setzt sich die positive Entwicklung der vergangenen Jahre fort. Von den 260 Schülern entfallen 124,5 auf Altenkunstadt und 135,5 auf Weismain. Die krummen Zahlen ergeben sich dadurch, dass Gastschüler, die aus anderen Orten stammen, wie zum Beispiel aus Burgkunstadt, je zur Hälfte auf Altenkunstadt und Weismain aufgeteilt werden.

100 000 Euro für die Schulküche

Für die Verbandsumlage ergibt sich aus den Schülerzahlen folgendes Bild: Insgesamt ist die Umlage verglichen mit dem vorigen Schuljahr von 603 100 auf 590 550 Euro gesunken. Während im Falle Weismains eine leichte Erhöhung von 305 258 auf 307 767 Euro eingetreten ist, ergibt sich für Altenkunstadt ein entgegengesetztes Bild: Die Umlage ist von 297 842 auf 282 783 Euro gesunken.
Der Vermögenshaushalt sieht laut Redinger eine wichtige Investition vor: Für die Erneuerung der Schulküche sind 100 000 Euro eingeplant. Ihren Ausführungen zufolge übernimmt die Kosten für die Möbel der Schulverband, die restlichen Kosten zum Beispiel für die Elektroinstallation, entfallen auf die Gemeinde Altenkunstadt.