Er war ein Mensch, der im wahrsten Sinne des Wortes Farbe ins Spiel brachte. Als gelernter Maler im ganz praktischen Sinne in die eigene Familie und den Beruf, in übertragener Bedeutung in den Freundeskreis, die Vereine und die Dorfgemeinschaft. Am 30. März starb Oskar Bolz. Der Altbürgermeister von Breitenbach wurde 91 Jahre alt.

Von September 1972 bis April 1978 war Bolz Gemeindeoberhaupt im damals noch selbstständigen Oberleichtersbacher Ortsteil, nach der Gebietsreform fungierte er von 1984 bis 1986 als Ortssprecher Breitenbachs, CSU-Gemeinderat und 3. Bürgermeister der Gesamtgemeinde. Zu seinen 30 Jahren kommunalpolitischen Wirkens gehören auch die Mitgliedschaft in der Gemeinschaftsversammlung Bad Brückenau von 1978 bis 1996 und als Feldgeschworenen-Obmann Breitenbachs von 2007 bis 2016.

Und, vor allem ... Oskar Bolz war Mitglied (teilweise Mitbegründer und Ehrenmitglied) in allen Breitenbacher Ortsvereinen. Angefangen vom Bürger- und Kriegerverein, über den Musik- und Sportverein bis hin zum aktiven und passiven Floriansjünger in der Freiwilligen Feuerwehr. "Oskar hat sich in der Dorfgemeinschaft um alles bemüht und jeden gekümmert, sich in jeder Hinsicht voll und ganz jederzeit tatkräftig mit eingebracht - vor allem besonders anlässlich der 1175-Jahr-Feier Breitenbachs 1991", sagt Oberleichtersbachs Bürgermeister Dieter Muth (FW), der "interessanterweise vor 25 Jahren für Oskar in den Gemeinderat nachgerückt" ist, als dieser 1996 sein kommunalpolitisches Ehrenamt an den Nagel hing.

Was Bolz freilich nicht davon abhielt, sich fortan verstärkt um seine Familie, seine Ehefrau Erna (die im Februar ihren 90. Geburtstag feierte und mit der er fast 68 Jahre verheiratet war), die drei Töchter Birgit Kohlhepp, Gerlinde Gärtner und Petra Vogler, sechs Enkel und ebenso viele Urenkel zu kümmern.

Der gelernte Maler und Nebenerwerbslandwirt, der bis zu seiner Verrentung zuletzt bei "Hanse-Haus" arbeitete, "werkelte hobby-technisch hauptsächlich in Haus, Hof und Garten", wie es die älteste Tochter Birgit beschreibt. "Da wurden Gartenzwerge angemalt, Balken und Decken gestrichen, Wände tapeziert. Farbe und Familie, das waren - zusammen mit den Vereinen und der Gemeinde - jene Dinge, die sein und unser Leben geprägt haben."

Zuletzt sei es ihrem Vater zunehmend schlechter gegangen, obwohl der Senior seine Familienangehörigen noch vor Ostern dazu animieren wollte, sein häusliches Krankenzimmer bunt zu streichen, sagt Kohlhepp. Die Tochter war nach dem Vorbild ihres Vaters bis 2020 zwölf Jahre im Gemeinderat und wurde von diesem 1974 auch standesamtlich getraut, was selten genug in dieser Konstellation vorkommt. "Des mache mer in Bräädemich. Meine zwei Unterschriften als Vater und Bürgermeister kriegste", habe Oskar Bolz damals zu ihr gesagt.

Ein Oberschenkelhalsbruch, Harnleitertumor und Nierenprobleme fesselten den am 19. August 1929 Geborenen in den vergangenen drei Jahren zunehmend ans Krankenbett. Töchter, Enkel und Urenkel kümmerten sich liebevoll um das Familienoberhaupt, halfen der Mutter, Oma und Uroma bei der Pflege, besuchten, beruhigten und streichelten den Patienten. "Mein Vater hat bis zum Schluss schwer gekämpft", so Birgit Kohlhepp.

Beisetzung im Familienkreis

Einen letzten Wunsch konnte die Familie dem Verstorbenen freilich nicht erfüllen: Oskar Bolz hat sich immer eine "große Beerdigung" gewünscht. Am Samstag, 10. April, wird Breitenbachs verdienter Altbürgermeister coronabedingt im engsten Familienkreise in einer Urne beigesetzt.