und Jannik Reutlinger

Es hatte sich angedeutet. Die Frage war nur, wohin Jakob Tranziska wechseln wird. Seit Donnerstag herrscht nun offiziell Klarheit: Der 20-jährige Seßlacher verlässt den Bayernligisten FC Eintracht Bamberg noch in der Winterpause und schließt sich dem Bundesligisten FSV Mainz 05 an. Das teilten beide Vereine mit.

Tranziska unterschrieb bei den 05ern einen Vertrag bis 2023. Zunächst soll er in der zweiten Mannschaft in der Regionalliga Südwest zum Einsatz kommen. Die Bamberger verlieren mit Tranziska ihren Torgaranten, der in der bisherigen Saison alle 19 Pflichtspiele bestritt und dabei 21 Tore und drei Vorlagen beisteuerte.

"Ein bitterer Verlust"

"Sicher ein bitterer Verlust, aber die logische Konsequenz und so schwer es fällt, auch eine Anerkennung für die Arbeit des FCE und die Qualität von Jakob", sagt Jörg Schmalfuß, Vorstandsvorsitzender des FCE. "Wir kennen unserer Rolle als Talente-Plattform und Ausbildungsverein und werden die Karriere von "Jacky" mit Stolz verfolgen." Finanziell lohnt sich der Wechsel für Bamberg allerdings (noch) nicht. Sollte Tranziska jedoch sein Debüt in der Bundesliga-Mannschaft der Mainzer geben, würde eine Ausbildungsentschädigung fällig werden. Von der würden dann auch die Nachwuchsleistungszentren in Coburg und in Fürth anteilsweise profitieren.

Große Vorfreude bei Jakob

Tranziska äußerte sich ebenfalls zu seinem Wechsel nach Rheinland-Pfalz: "Es freut einen natürlich, wenn man spürt, dass das Tor zum Profifußball aufgeht. Ich bin dem FCE und seinen Verantwortlichen extrem dankbar für das Vertrauen, die Chance, aber auch das Verständnis." Und weiter meint der junge Seßlacher: "Mainz 05 ist für mich eine Top-Adresse, um den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen und die ersten Erfahrungen im professionellen Fußball zu machen. Natürlich muss ich mich erstmal einfinden und anpassen. Ich bin zuversichtlich, dass mir das gelingen wird".

Mainz sieht großes Potential

Volker Kersting, Direktor Nachwuchs bei Mainz 05, sagt: "Jakob Tranziska ist uns mit seinen Leistungen in der Bayernliga im vergangenen Halbjahr aufgefallen. Mit seinem Profil passt er sehr gut zu unserem Spiel. Seine Verpflichtung ist auch als Vorgriff auf die neue Saison zu verstehen. Ihn ein halbes Jahr früher hier zu haben und mit ihm arbeiten zu können, ist umso besser. Wir sehen in ihm großes Potenzial."

Stolzer Vater warnt

"Immer schön den Ball flach halten". Stefan Tranziska ist natürlich stolz auf seine Sohn Jakob. Doch der Papa hält nicht viel davon, bereits Lobeshymnen auf den 20-Jährigen zu singen: "Nur weil er jetzt ein paar Mal getroffen hat". Ein paar Mal getroffen bedeutet in Zahlen: 21 Kisten in 19 Bayernligaspielen! Das sei natürlich "verdammt gut". Und Jakob hätte das in der Vorrunde auch wirklich richtig toll gemacht. "Er hatte einen Lauf", freut sich sein Vater, der fast jedes Bayernligaspiel von Eintracht Bamberg verfolgte. Auch Scouts des FSV Mainz waren Augenzeuge der einen oder anderen Partie der Domstädter und nahmen den "jungen Knipser" mit der eingebauten Torgarantie unter die Lupe. Mainz 05 war aber nicht der einzige Profiklub, der sich während der Winterpause die Dienste des 1,89 Meter großen Mittelstürmers, der weit über die Landkreisgrenzen hinaus Begehrlichkeiten weckte, sichern wollte. Tranziska spielte sogar in Österreich beim ASK Linz vor, hatte Kontakt mit dem 1. FC Köln, mit Borussia Mönchengladbach und dem VfL Osnabrück. Jetzt fiel die Wahl aber auf Mainz - "ich habe ihm geraten, dass er diesen nächsten Schritt in seiner Karriere versuchen soll. Er geht ja kein Risiko ein", erklärt Stefan Tranziska.

Nebenbei Sportmanagement-Studium

Sein Sohn studiert nebenbei Sportmanagement an der IST-Hochschule in Düsseldorf. "Er kann da viel von daheim aus machen und hat bei seine Prüfungen bisher ganz gut abgeschnitten".

Der Vater geht davon aus, dass sich sein Zögling in der U 23 Mannschaft des FSV Mainz beweisen muss. "Die sind Zweiter in der Regionalliga, das ist eine große Herausforderung für Jakob". Ob es über kurz oder lang für den einen oder anderen Einsatz in der 1. Bundesliga reicht, steht in den Sternen. "Im Fußball ist viel möglich. Aber immer schön den Ball flach halten..."

Heiko Schröder war einer von mehreren Förderern von Jakob Tranziska. Der ehemalige Landesligatrainer des TSV Sonnefeld und enger Freund der Familie Tranziska erinnert sich noch ganz genau an die Anfänge: "Jakob war schon immer extrem ehrgeizig. Was ihn auszeichnet, ist seine Handlungsschnelligkeit. Das war schon bei uns im Stützpunkt in Coburg so". Der "torgeile Dreikäsehoch" begann mit dem Kicken bei der DJK/FC Seßlach 2005 (G-Jugend), dort trainierte ihn sein Vater und Gunar Klüglein. Sein besonderes Talent entdeckte der langjährige NLZ-Trainer Günther Weidlich, als er in der Saison 2010/2011 in die U 11 zum DVV Coburg (E-Junioren) wechselte. "Günther hat extrem viel von Jakob verlangt. Er hat ihn phasenweise ganz schön gequält", weiß Schröder noch genau. Aber es hätte sich ja ausgezahlt.

FC Coburg - Greuther Fürth - FC Bamberg

Tranziska spielte knapp vier Jahre in der Coburger Jugend und wechselte im jüngeren C-Jugendalter 2014 zur SpVgg Greuther Fürth. Doch dort lief es allerdings nicht nach Plan. Die Wachstumsfuge im rechten Knie machte Probleme. "Er konnte ein halbes Jahr überhaupt nicht spielen. Wir sind drei, vier Mal in der Woche nach Fürth gefahren, nur damit er behandelt wurde. Das war für ihn eine schwere Zeit und er hat dadurch natürlich auch den Anschluss in Fürth verloren", erinnert sich sein Vater noch ganz genau.

In der Saison 2016/2017 schloss sich Tranziska der B-Jugend (U 16) von Bamberg an. Beim FC Eintracht fühlte er sich von Beginn an wohl und körperlich begann eine Art "Aufholjagd". "Er hat auch zu Hause trainiert wie ein Besessener und vor allem die Corona-Zeit genutzt, um an seiner körperlichen Fitness zu arbeiten. Dazu kam, dass er einen Schuss gemacht hat und jetzt ein Gardemaß von fast 1,90 Meter hat", erklärt sein Vater. In der Bayernliga sei dann, eher als erwartet, der Knoten geplatzt. Alles sei ziemlich schnell gegangen - aber trotzdem hebt der Vater warnend den Zeigefinger: "Immer schön den Ball flach halten..."