Neudrossenfeld — Daniel Gareis hat im oberfränkischen Fußball viel erlebt, bei zahlreichen namhaften Klubs gespielt. Doch die Profikarriere verpasste er knapp. Der Ärger darüber währte beim seit kurzem 35-Jährigen nicht lange, er blieb dem hochklassigen Amateurfußball treu und denkt noch lange nicht an ein Karriereende. Nach der Corona-Zwangspause will er mit dem TSV Neudrossenfeld wieder angreifen.

Seit 2016 spielt der gebürtige Kronacher beim Landesligisten und fühlt sich dort sehr wohl: "In Neudrossenfeld passt alles. Der Verein ist gut organisiert und die Trainingsbedingungen sind hervorragend." Zudem spiele der TSV in der Landesliga stets eine gute Rolle und gehört zum erweiterten Kreis der Aufstiegskandidaten. Doch in der gerade unterbrochenen Saison ist der Traum von der Bayernliga wohl nicht mehr zu realisieren. "Wir haben zu viele Punkte vor allem gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte liegengelassen", weiß Gareis. "Ganz bitter war die deutliche Niederlage beim Vorletzten in Feuchtwangen." Noch einmal Bayernliga spielen, das könnte sich Gareis gut vorstellen.

Schließlich hat er sich in dieser Liga schon einen Namen gemacht. Nach seinen Jugendstationen beim TSV Stadtsteinach, ATS Kulmbach und bei der SpVgg Bayern Hof schaffte er beim 1. FC Eintracht Bamberg den Sprung in die Herrenmannschaft und stieg mit ihr in der Saison 2005/06 als Landesliga-Vize in die damals eingleisige Bayernliga auf.

Doch Bayernliga spielte er dann nicht in Bamberg, sondern in Nürnberg. Bei der Reserve des FCN gehörte er in den folgenden drei Jahren zu den Stammspielern, schaffte den Aufstieg in die Regionalliga - und durfte mit den Profis trainieren.

Gute Erinnerungen an den 1. FC Nürnberg

So stand Gareis unter anderem mit Marek Mintal, Raphael Schäfer, Tomas Galasek, Markus Schroth, Ilkay Gündogan und Albert Bunjaku sowie unter der Leitung von Coach Hans Meier auf dem Trainingsplatz. "Die Zeit beim Club war eine ganz besondere", erinnert sich Gareis. "Die Profis kannten uns Spieler aus der zweiten Mannschaft, wir hatten ein richtig gutes Verhältnis." Doch der Sprung ins Bundesliga-Team gelang dem Außenverteidiger nicht. Nach 93 Spielen (3 Treffer) für den Club II endete die Zeit in Nürnberg. "Es hat nicht ganz gereicht, aber das bereue ich heute nicht", sagt Gareis. "Ich musste nach den drei Jahren, als ich dann 23 Jahre alt war, erkennen, dass ich einen anderen Weg einschlagen muss."

Er wechselte zum Bayernligisten SpVgg Bayern Hof, begann ein duales Studium (Betriebswirtschaftslehre) und absolvierte eine Ausbildung zum Industriekaufmann: "Ich wusste nun, dass ich vom Fußball nicht leben kann und habe mir daher eine berufliche Existenz aufgebaut."

Für die Hofer brachte er es in den fünfeinhalb Jahren auf 185 Partien (7 Treffer). Der größte Erfolg war 2012 die Qualifikation für die neu eingeführte Regionalliga Bayern. Vor allem weil Gareis mittlerweile nach Lauf bei Nürnberg umgezogen war und in Schnaittach einen Job gefunden hatte, endete die Zeit in Hof. "Der Aufwand mit der Fahrerei mehrmals in der Woche von Lauf nach Hof war einfach zu groß." Die nächste sportliche Station war in der Spielzeit 2014/15 der Regionalligist SpVgg Bayreuth unter Trainer Christoph Starke. "Es war auch in Bayreuth schön und auch da hat sich wie in Hof immer etwas gerührt", sagt Gareis. Auch bei der Altstadt spielte der besonnene Verteidiger seine Qualitäten aus - und erlebte eine Premiere.

Nur ein Platzverweis in 436 Partien

Erstmals in seiner Karriere wurde er vom Schiedsrichter vorzeitig zum Duschen geschickt. "Da habe ich zwei Fouls begangen, das war völlig unnötig." Diese Gelb-Rote Karte blieb aber sein bislang einziger Platzverweis. 436 Spiele im Herrenbereich und nur ein Platzverweis - eine ungewöhnliche Bilanz für einen Verteidiger. So leicht lässt sich Gareis eben nicht aus der Ruhe bringen. Eine Qualität, die auch einem Trainer gut zu Gesicht steht. "An eine Trainerlaufbahn denke ich jetzt noch nicht", sagt der 35-Jährige. "Ich will noch so lange wie möglich Fußball spielen, denn ich habe noch immer viel Spaß dabei und fühle mich fit." Zumal er beim TSV Neudrossenfeld quasi vor der Haustür seinem Hobby nachgeht. Mit seiner Ehefrau Lisa und den Kindern Emma (5) sowie Oskar (3) lebt er in Kulmbach.

Jetzt wünscht sich Gareis nur noch, dass er bald auch wieder Fußball spielen darf: "Durch Corona kann man nicht wirklich viel machen. Laufen ist schon fast das Einzige. Ich muss sagen, dass mir der Fußball brutal fehlt."