VON Hannes Helferich

Schweinfurt — Eine Vielzahl an Missbrauchsfällen durch Pfarrer, Lehrer und Trainer in Vereinen hat für Druck auf die Politik gesorgt. Mit der Folge, dass der Gesetzgeber die Kinderschutzgesetze geändert hat. Auswirkungen hat das auch auf die Sportvereine. Sie sind aufgerufen, mit den kommunalen Verbänden Vereinbarungen zu schließen, in denen sie sich verpflichten, für jeden Trainer, Übungsleiter oder Abteilungsleiter, der mit Kindern oder jungen Leuten zu tun hat, ein polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen.
Deswegen sind viele Vereine in teils heller Aufregung. Die Gründe dafür sind die organisatorische Seite, die eine echte Herausforderung darstellt, und datenschutzrechtliche Bedenken. Drittens wird das Thema von vielen Ehrenamtlichen sehr negativ aufgenommen. Bei der TG Schweinfurt beispielsweise haben Übungsleiter mit ihrer Arbeit bereits aufgehört, weil sie sich nicht unter Generalverdacht gestellt sehen wollen. So schilderte es Vorsitzender Georg Appold dieser Tage beim Ehrenabend der TG 1848.
Auch der Stadtverband für Sport als Vertreter der 78 Klubs in Schweinfurt hat sich des Themas wegen der Unklarheiten und Unsicherheiten in den Vereinen früh angenommen. Sein Vorsitzender Karl-Heinz Kauczok zeigt durchaus Verständnis für eine Reaktion des Gesetzgebers. Er macht aber keinen Hehl daraus, dass der nun eingeschlagene Weg allein wegen des zwangsläufig nötigen Bürokratismus' übertrieben ist. Nur: "Es hilft nichts", sagt Kauczok.
"Gut gemeint, aber schlecht strukturiert" nennt er eine vom federführenden Stadtjugendamt vorgelegte Mustervereinbarung. Diese habe nur allgemeine Beschreibungen etwa zur Frage enthalten, wann ein Gefährdungspotenzial für Kindesmissbrauch bestehen könnte. "Dies hilft aber in der Praxis nur sehr wenig, da im Einzelfall der Verein entscheiden muss, von welchen Personen ein Führungszeugnis eingefordert werden muss", sagt Kauczok.
Den "Missstand" diskutierte man daraufhin mit Klubs, die nicht bereit waren, eine derart unbestimmte Vereinbarung zu unterschreiben. Kauczok und Martin Feuchtenberger (Main Handball) in seiner Funktion als Jugendwart des Stadtverbandes protestierten daraufhin beim Jugendamt, verfassten zudem einen Aufruf an alle Vereine, die Mustervereinbarung zu über- und insbesondere eine auf den jeweiligen Verein zugeschnittene Empfehlung zu erarbeiten. Auf diesen Aufruf meldeten sich nun aber nur acht Klubs, darunter allerdings die Großen.
Kauczok bildete mit ihnen einen Arbeitskreis. Nach wiederum intensiven Diskussionen arbeitete der AK zahlreiche Änderungen in die Vereinbarung ein. Außerdem listete der AK alle nur denkbaren Tätigkeitsfelder eines Vereins auf und legte detailliert fest, in welchen Bereichen in den Klubs auf ein Führungszeugnis verzichtet werden kann. Diese komplett überarbeitete Vereinbarung samt beschriebener Empfehlung wurde mit dem Jugendamt abgestimmt und soll noch vor dem Jahreswechsel an alle Vereine verschickt werden.
Ausnahmen - also kein polizeiliches Führungszeugnis - sollen demnach für Eltern gelten, die im Rahmen eines Sportleraustausches junge Aktive des Gastvereins bei sich zu Hause aufnehmen. Auch Mitarbeiter, die bei Tagesausflügen oder Spielfesten eingesetzt sind, benötigen keine Bestätigung, dass sie keine Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung von Kindern und/oder Jugendlichen begangen haben.
Schließlich Ehrenamtliche, die an einer Kuchentheke stehen oder Fahrdienste etwa zu Auswärtsspielen übernehmen, sollen diese Jobs auch künftig ohne Vorlage eines Führungszeugnisses leisten können. Als vierte Gruppe sind das Personal einer Geschäftsstelle, Reinigungskräfte oder der Platzwart/Hausmeister ausgenommen.
Verpflichtend ein Führungszeugnis vorlegen müssen demgegenüber folgende Mitarbeiter: die Leiter und Betreuer einer regelmäßigen Freizeit, insbesondere mit Übernachtung, sowie die regulären Trainer und Übungsleiter von Kinder- und Jugendteams. Kauczok sagt, dass somit immer noch über 2000 erweiterte Führungszeugnisse nötig sind. Allein bei der TG als einem der größten Vereine schätzt er, dass es annähernd 100 sind. Sie kosten die Vereine allerdings nichts.
Trotzdem bleibe das Problem, dass die Vereine diesen Aufwand schultern müssen und es "zumindest fragwürdig ist, ob dieser Aufwand in Relation zur Anzahl der hierdurch vermeidbaren Fälle gerechtfertigt ist", sagt der Stadtverbandsvorsitzende. Er erinnert daran, dass es im jüngst durch alle Medien gegangenen Missbrauchsverdacht gegen einen Regensburger Übungsleiter "keinen Eintrag im Führungszeugnis gab".