Zwölf Mitglieder des Männerforums der evangelischen Kirchengemeinde Herzogenaurach schwangen sich unlängst auf ihre Fahrräder, um die alten Kirchen im Erlanger Westen zu besichtigen. Fünf Teilnehmer stießen mit dem Auto zur Besichtigungstour.
Die erste Station war die alte Wehrkirche in Kriegenbrunn. Sie ist Filialkirche der evangelischen Gemeinde Frauenaurach. In früheren Jahrhunderten war es andersherum. Da war sie Pfarrkirche für die Frauenauracher. An der Stelle einer älteren Kirche wurde die heutige Johanneskirche in Kriegenbrunn im 14. Jahrhundert erbaut. Aus dieser Zeit stammt noch der Chorturm. Das Langhaus wurde in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts an die Turmkirche angebaut. Die Kirche hat sich ihren dörflichen Charme erhalten.
Wer erwartet in dieser unscheinbaren Kirche seltene Kunstschätze? An den Wänden des Langhauses befinden sich Wandmalereien aus der zweiten Hälfte des 15.Jahrhunderts. Das sind keine Fresken, sondern auf den trockenen Putz aufgetragene farbige Zeichnungen. Durch Veränderungen am Baukörper sind die Malereien stark beschädigt. Sie sind aber trotzdem eindrucksvolle Schätze aus dem späten Mittelalter.


35 Jahre ohne Dach

Nur ein Katzensprung ist es nach Frauenaurach, wo die Herzogenauracher die ehemalige Klosterkirche besichtigten. Das Dominikanerinnenkloster wurde um 1267 gegründet. Kloster und Kirche erlebten eine wechselvolle Geschichte. Die Kirche wurde mehrmals umgebaut und im zweiten Markgrafenkrieg 1553 durch Brand schwer beschädigt. 35 Jahre ohne Dach nahm das Innere großen Schaden. Heute ist die Kirche gründlich und stilvoll renoviert. Sie wurde zunächst im romanischen Stil erbaut. Das bedeutendste Zeugnis der romanischen Baukunst ist das Portal. Die Kirche wurde im gotischen Stil mehrmals verändert, barockisiert und erhielt einige Anbauten im 18. und 19. Jahrhundert.
Dann ging es nach Büchenbach. Dieser Stadtteil Erlangens hat eine über 1000-jährige Geschichte. 996 fiel der Ort an Mainz und 1008 an das neu gegründete Bistum Bamberg. Auch Büchenbach hatte stark unter Bauernkrieg, Markgrafenkrieg und Dreißigjährigem Krieg zu leiden. Die Dorfkirche wurde mit einem Mauerring, zusätzlichem Graben und einem Wehrgang umgeben. Im Innenraum der Befestigung befand sich der Friedhof. Durch den Mauerring diente die Kirche auch als Zufluchtsort der Bauern der Umgebung.
Die Dorfkirche St.Xystus wurde zwischen 1430 und 1450 im reinsten Gotik-Stil errichtet. Das ist noch eindrucksvoll im Chorraum erkennbar. Die Kirche ist bis heute katholische Pfarrkirche Büchenbachs. Beeindruckend und überraschend in dieser Dorfkirche ist die Stuckdecke des Italieners Donato Polli aus dem Jahr 1726. Das Deckengemälde zeigt den Schutzpatron Xystus (Sixtus), den römischen Märtyrer, bei seiner Gefangennahme.
Gotthard Eichstädt