Es war jahrhundertelang Brauch, die Toten einer Pfarrei in unmittelbarer Nähe der Kirche zu beerdigen. Auch in Herzogenaurach lag der von einer eigenen Mauer umgebene Friedhof ursprünglich um die Stadtpfarrkirche im Zentrum. Allerdings war die Kapazität begrenzt. Unweit der Stadtpfarrkirche steht die Marienkapelle mit einem Karner im Untergeschoss. Darin wurden die Gebeine aufbewahrt, die bei der Neubelegung der Gräber zutage traten.

Auf dem Friedhof wurden alle im Pfarrsprengel wohnenden Katholiken, die Protestanten des gleichen Gebietes und die in Nürnberg verstorbenen Katholiken zur letzten Ruhe gebettet. Einige Epitaphien haben sich noch erhalten. So das von Joseph Theodor Roppelt (1787-1804), der als letzter Amtmann nacheinander in bambergischen, bayerischen und preußischen Diensten die Geschicke der Aurachstadt geleitet hatte.

Die Regierung des Rezatkreises verlangte aufgrund eines Gesetzes schon im Dezember 1825 nach einer Visitation des hiesigen Friedhofes die Neuanlage eines Gottesackers außerhalb der Wohngebiete.

Auf Druck von oben

Nach mehreren Untersuchungen wurde nach ausdrücklicher Weisung der vorgesetzten Behörden von der Stadt ein Grundstück erworben. Bernhard Dietz schrieb in seinem Aufsatz zum Friedhof: "Im Mai 1827 erwarb endlich der Magistrat das Grundstück des Schreiners Christoph Bischoff, genannt ,eineinhalb Morgen Garten nebst dazugehörigem Felde an der rothen oder Wägners-Marter unfern der Eichelmühl' für 300 Gulden." Der Friedhof liegt jetzt an der Erlanger Straße. Hier gedenken seither die Gläubigen an Allerheiligen und Allerseelen ihrer Verstorben.

Im Rahmen verpflichtender Spanndienste durch die Bürger des gesamten Pfarrsprengels war im 19. Jahrhundert das Feld für den vorgesehenen Verwendungszweck einzuteilen, aufzubereiten und zu planieren. Der Friedhof wurde am 3. Juli 1827 durch Pfarrer Dr. theol. et phil. Georg Joseph Schleicher eingeweiht. Bis zum 26. Juli 1827 musste der Kirchenplatz geräumt sein. "Freie, herrenlose" Grabsteine waren für den Bau der neuen Friedhofsmauer vorgesehen.

Am 6. Juli 1827 sollte die erste Beerdigung auf dem neuen Friedhof sein, die von Margarete Schaufler, geb. Kaltenhäuser. Die Konflikte um die Anlage des neuen Friedhofes brachten es mit sich, dass der "Leichenbitter" niemand zum Tragen der Verstorbenen gewinnen konnte. Aus diesem Grund warb Bürgermeister August Lorenz zwei Nachbarn und Freunde für den Trägerdienst an, um den Sarg der Verstorbenen aus der Stadt zum neuen Friedhof zu bringen.

Widerstand gegen Forderung

Zur Errichtung der Friedhofsmauer hatten die umliegenden Gemeinden Hand- und Spanndienste zu leisten. Allerdings verweigerten Beutelsdorf und Haundorf die Mitarbeit und mussten erst durch Strafandrohung dazu bewegt werden. Steine für die Mauer wurden auch in der Nutzung und in der Roten Klinge gebrochen. Am 12. November 1828 war die Einfriedungsmauer fertig

Um das Friedhofsgelände in die Landschaft zu integrieren und zugleich einen würdigen Prozessionsweg zu gestalten, ließ der Magistrat einen von Obstbäumen flankierten Ringweg anlegen. Diese Verschönerung brachte auch eine kleine Einnahme zugunsten des Gottesackers. Im früheren Seel- und Armenhaus in der Erlanger Straße (danach Standort der Peetz-Tankstelle) wurde bis 1896 ein Leichenzimmer eingerichtet. Von dort brachte man die Verstorbenen zur Beerdigung an die Grabstellen.

Ein eigenes Leichenhaus sollte nach Beschluss des Magistrats vom 9. August 1894 errichtet werden. Die Aussegnungshalle und die Wohnung für den Totengräber und Friedhofswärter entstand nach einem Entwurf von Baumeister Andreas Kurr für 4928 Mark.

Aussegnungshalle seit 1896

Der Bau konnte am 5. Dezember 1896 seiner Bestimmung übergeben werden. Das Bauwerk tat rund 60 Jahre seinen Dienst. Die neue Aussegnungshalle wurde 1956 errichtet. Bei einem Umbau 1977 wurde die Empore beseitigt und Buntfenster eingebaut.

Einen Leichenwagen schaffte die Kommune 1829 an. Am 24. September 1890 ersetzte ihn ein Totenwagen mit verglasten Seitenscheiben, der jahrzehntelang seinen Dienst tat, bis am 1. Februar 1949 ein eigenes Leichenauto angeschafft wurde.

Die kleine Kapelle in der Mitte des Friedhofs entstand 1876 auf Initiative des Färbers Friedrich Mayer. Adam Mayer, der Bruder des Stifters, fand seine letzte Ruhe in der Grabstätte. Um in der Kapelle Gottesdienste feiern zu dürfen, gebot die Regierung, dass der Sarg aus der Gruft entfernt und im Friedhof beigesetzt wurde. Eine Bedingung war auch, dass die Gruft zugemauert wurde. Die Glocke im Turm begleitet die Verstorbenen auf dem letzten Weg.

Am Friedhof von Herzogenaurach steht ein Granitobelisk, der an zwei Kriege erinnert. An den österreichisch-preußischen Krieg von 1866 und an den französisch-deutschen Krieg von 1870/1871. Der Obelisk hat am Friedhof schon seinen dritten Standort. Zuerst war er ab 1896 am Marktplatz. Offensichtlich wurde der Obelisk jedoch von den Repräsentanten des Dritten Reichs als störend empfunden, denn im Mai 1939 wurde er in den Weihersbach versetzt.

Mitte 1998 entschied der Finanzausschuss des Stadtrates, den Obelisken zu versetzen, da er unter dem dichten Baumbewuchs gegenüber dem ehemaligen Kurhotel Monopol zu wenig zur Geltung kam. So gelangte der Obelisk auf den Platz vor dem Friedhof.

Gedenken an die Gefallenen

Für die Toten des Ersten Weltkriegs wurden am 23. Oktober 1932 Tafeln mit den Namen in der Krypta der Marienkapelle eingeweiht. Der Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs aus Herzogenaurach wird dort ebenfalls gedacht.