Fatschenbrunn — . "Ja, wir haben schon allerhand erlebt", erklärt Michael Moser im Rückblick auf 90 Lebensjahre. Viele Gratulanten konnte er gestern in seinem Häuschen in Fatschenbrunn begrüßen, allen voran Pfarrer Thomas Klemm, stellvertretenden Landrat Oskar Ebert und Oberaurachs Drittte Bürgermeisterin Sabine Weinbeer (beide FW).
Bei den Mosers wird quasi Schlag auf Schlag gefeiert, denn Ehefrau Lucia wurde im Dezember ebenfalls stolze 90 - und in diesem Jahr steht noch die Eiserne Hochzeit an. Vorher aber wird das erste Urenkelkind Annika getauft.
Jubilar Michael Moser wuchs mit fünf Geschwistern in Trossenfurt in der Gastwirtschaft Moser auf. Als Zwölfjähriger ging er für drei Jahre zu einer Landwirtsfamilie nach Hofheim, die Hilfe auf dem Hof brauchte. Da der Bauer auch Küster war, gehörte das Gebet-Läuten zu Michaels Aufgaben.

In Italien an der Front

Als die älteren Brüder zum Kriegsdienst eingezogen wurden, kehrte er nach Trossenfurt zurück. Ein Bruder fiel im Zweiten Weltkrieg und auch Michael musste noch in den Krieg ziehen. "Am 28. Juli 1943" musste er einrücken, zunächst zum Reichsarbeitsdienst, dann nach Italien zum Wehrdienst als Kraftfahrer. "Ich hab meistens Offiziere gefahren, das war nicht so gefährlich. Mein Vorgesetzter wusste, dass mein Bruder gefallen ist und hat mir versprochen, dass ich wieder heim komme", erzählte Michael Moser. Im September 1945 wurde dieses Versprechen eingelöst.
Mit seiner Frau Lucia baute er sich in deren Geburtsort Fatschenbrunn eine Existenz auf, versorgte seine Familie als Waldarbeiter. Auch für die Belange des Dorfes hat er sich eingesetzt, gehörte von 1960 bis zur Gebietsreform 1978 dem Gemeinderat von Fatschenbrunn an.

Die vierte Generation

Zwei Töchter und einen Sohn zogen Michel und Lucia Moser groß, die haben die Familie mittlerweile um fünf Enkelkinder vergrößert, und seit vier Monaten gibt es Urenkelin Annika. Die lebt mit ihren Eltern zwar am Chiemsee, doch zum 90. Geburtstag vom Uropa machte sie Urlaub im Steigerwald.
Engagiert kümmert sich Michael Moser um seine Frau Lucia, die nicht mehr gut gehen kann, versorgt Haus und Hof und fährt noch mit dem Auto zum Einkaufen.
Sein Geheimnis für ein hohes Alter bei guter Verfassung? Vielleicht, dass sie sich beide ihr ganzes Leben lang zu großen Teilen aus dem eigenen Garten ernährt haben. Hinter dem Haus stehen Kartoffeln, Tomaten, "ein paar Gurken und so", schmunzelt er, daneben ein paar Hühner. "Aber nächstes Jahr hör ich auf mit dem Garten", sagt er - man glaubt es ihm erst mal nicht. sw