Wenn einem großes Unrecht widerfährt oder eine Entscheidung zu eigenen Ungunsten ausgeht, dann ist man tief verletzt und sinnt auf Rache oder zumindest Wiedergutmachung. In unserem deutschen Staat gibt es die äußerste Bestrafung, die Todesstrafe, seit 1981 (letzter Fall in der DDR) offiziell nicht mehr. Das hindert jedoch die so genannten "Wirtshaus-Richter" nicht daran, am Stammtisch immer wieder eine mögliche Todesstrafe zu fordern. Dass dies theoretisch durchaus möglich ist, zeigen Länder wie Saudi Arabien, Ägypten, China oder auch die USA. So fordert der US-Bundesstaat Oklahoma, künftig die zum Tode Verurteilten auch mit Nitrogenium (Stickstoff) hinrichten zu dürfen. Einfach ausgedrückt, die Verurteilten fallen in Ohnmacht und ersticken dann.
Auch in der Türkei (Todesstrafe 2004 offiziell abgeschafft) wies der Präsident Recep Tayyip Erdogan nach einem gescheiterten Putschversuch darauf hin, dass es möglich sei, die Todesstrafe wieder einzuführen. Das ist allerdings für uns kein Grund, mit dem Finger auf andere (barbarische) Länder zu zeigen. Denn die Verfassung des deutschen Bundeslandes Hessen ist älter als das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Und in ihr gibt es noch den Artikel 21, der die Möglichkeit zu einer Todesstrafe offen hält.
Allerdings verneint unser Grundgesetz die Todesstrafe eindeutig. Wenn ich von grausamen Verbrechen höre, dann bin auch ich nicht frei von dem Gedanken an diese äußerste Bestrafung. In mir gibt es also offensichtlich die Eistellung, dass es Verbrechen gibt, die den Verlust des Lebens als Strafe nach sich ziehen. "Wer das tut, hat sein Leben verwirkt!"
Wie aber denkt Gott darüber? Nun, das muss ich zugeben, meine theologische Grundrichtung ist von einem seit 73 Jahren dauernden Frieden geprägt. Andere Christen glauben auch an Jesus Christus und deren Länder befinden sich, zumindest partiell, immer wieder im Krieg mit anderen Staaten.
Ich, als deutscher Christ, glaube daran, dass Jesus Christus der Friede in Person ist. Er selbst gab sein Leben zur Versöhnung zwischen Gott und uns Menschen freiwillig hin. Wer an ihn glaubt, hat Vergebung von Schuld und Sünde - und das für Zeit und Ewigkeit. Gott sieht uns Menschen gnädig an, weil sein Sohn für uns starb.
Gnade triumphiert hier über das Gericht Gottes und damit über die absolute Gerechtigkeit. Das ist, als hätten wir unbezahlbare Schulden und unser Gläubiger kommt selbst dafür auf. Er bittet uns nur, aus freien Stücken, ihn als den Sohn Gottes anzunehmen.

Edwin Meißinger ist Mitglied der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Coburg und Leitungsratsmitglied Theologischer Bereich.