Bayreuth — Nach schwierigem Start in die DEL2-Saison kommen die Bayreuth Tigers immer besser in Form. Vier Siege in Serie spülten den Zweitligisten aus dem Tabellenkeller ins Mittelfeld. Der Lohn für die mittlerweile stabilen Leistungen: Nach 24 Partien rangieren die Tigers mit 31 Punkten - bei einer negativen Tordifferenz (-8) - auf dem achten Platz. So weit die nackten Zahlen, aber es lohnt sich, die bisher Saison genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die ohnehin kurze Vorbereitung in Corona-Zeiten und die im Vergleich zu den Ligakonkurrenten wenigen Testspiele wirkten sich zu Beginn der Saison negativ aus. Zwar hielten die Tigers phasenweise gut mit, brachten aber zu wenige Punkte auf die Habenseite. Dass die Bayreuther nach Corona-Fällen gleich zwei Mal in Quarantäne geschickt wurden, war ein weiterer Grund für die Startschwierigkeiten. Nur zweimal gingen die Tigers in den ersten zwölf Spielen als Sieger vom Eis. Erst Ende Dezember nahm das Team von Trainer Petri Kujala Fahrt auf, punktet seitdem regelmäßig. Allerdings zeigt die Tabelle ein schiefes Bild. So haben die Tigers 24 Partien bestritten, die direkt hinter ihnen liegenden Frankfurter Löwen dagegen erst 18.

Schwaches Powerplay

Die Bayreuther hatten zunächst zwei große Baustellen: die schlechte Treffer-Quote und die mangelnde Effizienz im Überzahlspiel. Immerhin gelang es weitestgehend, die Gegentorzahl niedrig zu halten. Für ein besseres Abschneiden fehlte zudem die Topform einiger Leistungsträger. So blieb der Finne Juuso Rajala und Martin Davidek immer wieder hinter den Erwartungen zurück. Beim starken Techniker und Spielmacher Rajala lagen Genie und Wahnsinn oft nahe beieinander.

In den vergangenen Wochen gelang es den Bayreuthern aber, fast alle Baustellen zu beheben. In bemerkenswerter Form agiert der schussgewaltige Offensivverteidiger Kurt Davis. Der US-Amerikaner hat viel Eiszeit, gehört ligaweit zu den punktbesten Verteidigern und ist im bisherigen Saisonverlauf der konstanteste Leistungsträger. Zudem geht der Finne Ville Järveläinen als Topscorer voran. In den Vordergrund haben sich auch drei Akteure gespielt, von denen das im Vorfeld nicht unbedingt zu erwarten war: Neuzugang Dominik Meisinger, Markus Lillich und Tim Zimmermann. Eigengewächs Zimmermann hat sich vom Bankdrücker der Vorsaison zu einem Spieler mit regelmäßiger Eiszeit entwickelt, der das Vertrauen von Trainer Kujala immer wieder rechtfertigt. Auf der Torhüterposition teilen sich Marco Wölfl und Timo Herden die Einsätze. Vor allem Wölfl hatte aber einige Leistungsschwankungen.

Der auffälligste Neuzugang ist Julius Karrer. Der junge Verteidiger spielte sich bei den Lausitzer Füchsen in Weißwasser, den Nachwuchs-Nationalmannschaften und den Eisbären Berlin (DEL) in den Fokus des Bayreuther Kooperationspartners Nürnberg Ice Tigers. Seit Saisonbeginn steht Karrer aber fest im Aufgebot am Roten Main. Derzeit ist Karrer wieder in Nürnberg und spielt bei den Ice Tigers sogar in der ersten Sturm-Reihe. Weitere Einsätze für Bayreuth könnten aber folgen. Mit Timo Walther, Max Kislinger und Vincent Hessler kamen drei weitere Förderlizenzler aus Nürnberg für den einzigen oberfränkischen Eishockey-Zweitligisten zum Einsatz. Allerdings stehen sie nur punktuell zur Verfügung. Auch deshalb entschlossen sich die Tigers-Verantwortlichen, den Kader zu erweitern.

Zwei junge DNL-Spieler aus Düsseldorf - Jan Wrede und Lukas Mannes - haben sich bereits wieder verabschiedet. Und auch der Deutsch-Tscheche Frantisek Wagner empfahl sich bei seinen Einsätzen nicht für eine Verlängerung seines Try-Out-Vertrages. Die weiteren Neuzugänge zeigen ordentliche Leistungen. Verteidiger Lubor Pokovic, der zuvor bei Oberligist ECDC Memmingen im Kader stand, spielt in der Defensive solide. Der aus Crimmitschau gekommene Moritz Schug agiert sowohl defensiv als auf offensiv auf gutem Niveau. Verteidiger Tobias Schmitz aus Iserlohn erfüllt seine Aufgaben genauso zuverlässig wie der niederländische Stürmer Dani Bindels, der von Ligakonkurrent EC Bad Nauheim nach Oberfranken wechselte. Mit Junioren-Nationalspieler Jan-Luca Schumacher haben die Tigers vor kurzem ein Talent mit großem Offensivpotenzial dazu bekommen.

Play-offs in Reichweite

Bitter für die Tigers ist, dass einige Leistungsträger längerfristig ausfallen. Verteidiger Martin Heider sowie die Stürmer Michal Bartosch und Kevin Kunz kommen verletzungsbedingt in dieser Spielzeit wohl nicht mehr zum Einsatz. So müssen die verbliebenen Routiniers wie Tyler Gron, Ivan Kolozvary und Simon Karlsson die Mannschaft führen. Dass sie dazu in der Lage sind, zeigten sie zuletzt immer wieder. Doch klar ist auch: Nur über geschlossene Mannschaftsleistungen können die Tigers ihre Ziele erreichen. Und in der aktuellen Form scheint sogar der Klassenerhalt durch die Qualifikation für die Play-offs möglich.