Z wei Stadträte sprachen von einer ersten Schockstarre, die sich eingestellt hatte nach der Rücktrittsankündigung von 2. Bürgermeister Michael Kastl.Tatsächlich kommt die Entscheidung überraschend; für die CSU ist sie wohl auch ungelegen. Aber in der Stadt hatte sich so mancher schon gefragt, wie Michael Kastl den Spagat packt bzw. packen will.
Denn das Stellvertreteramt in Münnerstadt ist durch die langwierige Erkrankung des Bürgermeisters viel mehr als ein Job, der vertretungsweise nebenbei erledigt werden kann. Erschwert wird diese Aufgabe durch die schwierigen politischen Verhältnisse, die in Münnerstadt herrschen.
Der 2. Bürgermeister muss im Vertretungsfall nicht einfach nur nötige Unterschriften unter beschlossene Verwaltungsvorgänge setzen und ansonsten sich auf die üblichen Repräsentationsaufgaben beschränken. Wäre das so, hätte sich die Vertretung vielleicht tatsächlich dauerhaft auf diese Weise überbrücken lassen.
Tatsache ist aber, dass in Münnerstadt viele, ja zu viele Baustellen aufgerissen sind und noch keine einheitliche Linie gefunden ist, wie diese abgeschlossen werden können. Erst die Stadtratssitzung am vergangenen Montag hat gezeigt, dass es unterschiedliche Vorstellungen darüber gibt, wie und wann sich notwendige Projekte in der Stadt verwirklichen lassen. Immer im Mittelpunkt ist dabei die Streitfrage, was sich die Stadt leisten kann.
Egal wer die Nachfolge von Michael Kastl antreten wird, er wird wissen, dass dieses Amt alles andere als ein Spaziergang sein wird. Ein dickes Fell ist dazu ebenso nötig wie eine ausgleichende Persönlichkeit, die Zugang zu allen politischen Strömungen im Stadtrat findet, damit Münnerstadt eben nicht in einer Schockstarre verharrt.
Das Amt des 2. Bürgermeisters bietet natürlich die Möglichkeit, sich für eine künftige kommunalpolitische Ausrichtung besser zu positionieren. Die Tatsache, dass bereits Kandidaten gehandelt werden, spricht dafür. Genauso groß aber wie die Möglichkeit, die Stadt während der laufenden Vertretungsphase in eine Neuorientierung zu lenken, ist die Gefahr, zwischen den politischen Unabwägbarkeiten zerrieben zu werden. Wohin die Reise in Münnerstadt geht, ist wieder einmal völlig offen.