von unserem Mitarbeiter Alfred Thieret

Lichtenfels — Die erst vor einem Jahr aus Musikern des Nordbayerischen Musikbundes gegründete Brass Band Bamberg gastierte unter der Leitung von Christian Lang am Samstagabend mit ihrem neuen Herbstprogramm "Enter the Galaxies" in der Pfarrkirche "Heilige Familie", mit dem sie entsprechend dem Motto "Es britelt in Oberfranken" einen Streifzug durch das Mutterland der Brass-Bands, England, vollführten.
Mit dem furiosen Titelsong ihres Programms zeichneten sie ein musikalisches Gemälde der aufregenden Erlebnisse und Erfahrungen der Weltraumeroberung und stellten dabei auch gleich ihre Blechblasinstrumente vor, neben Tuben, Posaunen, Flügelhörnern und Euphonien auch weniger bekannte Instrumente wie Kornette sowie Alt- und Baritonhörner. Der britische Komponist des ersten Stückes, Paul Lovatt-Cooper, entstammt im Übrigen einer Familie, die sich sehr für die Heilsarmee engagierte, einer Organisation, die schon seit dem 19. Jahrhundert eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung der Brass-Bands in England spielte.


Gut für die Lunge

Ursprünglich seien aber die Brass-Bands, die, abgesehen vom Schlagwerk, ausschließlich aus Blechblasinstrumenten bestehen, in den englischen Kohlenbergbaugebieten entstanden, wie das als Moderator fungierende Bandmitglied Tim Förster feststellte. Der Grund sei gewesen, dass die bei dieser Art von Musik besonders intensive Beanspruchung der Atmungsorgane beruflich bedingten Lungenschädigungen vorbeugen sollte, weshalb die Brass-Bands sogar von den Firmenbesitzern unterstützt wurden. Daraus ergebe sich auch die Tatsache, dass diese Musikgruppen reine Männerbands waren und sich erst langsam Frauen einfinden würden.


Feierlich und getragen

Die als nächstes gespielte Jubilee-Overture von dem britischen Komponisten Philip Sparke, der während seiner Studienzeit selbst eine Brass-Band leitete, steigerte sich von einem feierlich getragenen Beginn zu einem gewaltigen Schlussakkord.
Dann widmete sich die Band dem US-amerikanischen Country- und Folksänger John Denver und seinem auf seine damals von ihm getrennt lebende Frau Annie Martell bezogenen eindringlichen Liebessong "Perhaps love" und interpretierte ihn sehr einfühlsam in der für Brass-Band arrangierten Instrumentalversion von Alan Fernie, wobei zwei Euphonium-Solisten in den Vordergrund rückten.
Der nächste Vortrag stammte aus der Feder des Schotten Peter Graham, einem der führenden Komponisten für Brass-Band-Songs; dabei wechselten sich die Blasinstrumente, unterbrochen von einem imposanten Flügelhornsolo, gegenseitig ab und vereinten sich zu einem mächtigen Schlusssound.


Queen im Brass-Sound

Auch wenn es nicht einfach ist, ein Lied für ein Bläserensemble zu arrangieren, so brachte die Brass-Band mit einem 1978er Queen-Hit mit Freddie Mercury als Leadsänger eine gelungene Instrumentalversion zu Gehör, wobei sich der Posaunist Roland Saffer als Solist hervortat.
Mit "A little prayer" hatte die Band dann einen bekannten Song ausgewählt, der schon von vielen Sängern gesungen wurde und hier als vollkommen neues Hörerlebnis als Choral in der Version der Marimba-Solistin Evelyn Glennie von der Band gefühlvoll vorgetragen wurde.
Die etwa 30-köpfige Brass-Band Bamberg überzeugte mit ihrem voluminösen Klangkörper voller Dynamik und Ausdruckskraft, so dass die relativ wenigen Zuhörer reichlich Beifall spendeten.