In normalen Zeiten wäre das thüringisch-fränkische Derby zwischen dem ThSV Eisenach und dem HSC Coburg kurz vor dem Weihnachtsfest ein Zuschauermagnet. Es sind aber keine normalen Zeiten. Die Ausbreitung des Coronavirus und seine Bekämpfung halten alle in Atem. Der ThSV Eisenach erhielt von behördlicher Seite die Mitteilung, dass am Donnerstag um 19.30 Uhr die Zweitligapartie aufgrund der hochgradig angespannten Pandemielage ohne Zuschauer stattfinden muss.

"Wir hätten uns gefreut, wenigstens 500 Zuschauern das Liveerlebnis im Thüringer Handballtempel ermöglichen zu können", erklärte Eisenachs Manager Rene Witte. Der Bescheid zu Geisterspielen gilt bis 16. Januar 2022. Beide Teams trennten sich im Oktober von ihren bisherigen Trainern. In der Wartburgstadt folgte auf Markus Murfuni der Schweizer Misha Kaufmann, in der Vestestadt übernahm der Däne Brian Ankersen den Staffelstab von Alois Mraz.

Beide Teams kassierten am vergangen Wochenende Niederlagen. Beim ThSV Eisenach riss bei der 22:26-Niederlage beim HC Elbflorenz eine Erfolgsserie. Der HSC Coburg kassierte ebenfalls nach drei Siegen eine 22:29-Heimniederlage gegen den nun auf dem 2. Tabellenplatz rangierenden Aufsteiger VfL Eintracht Hagen. Die Vestestädter reisen als Tabellenzehnter (14:16 Punkte) zum Vierzehnten (13:15 Punkte) nach Thüringen. Wir sprachen mit den Trainern.

Herr Kaufmann, war die Niederlage in Dresden der Schubs in die richtige Richtung? Wie stufen Sie die 22:26-Niederlage beim HC Elbflorenz ein?

Misha Kaufmann: In den vergangenen acht Spielen haben wir zumeist sehr gute Leistungen geboten. Die Niederlage in Dresden war vielleicht ein Schubs in die richtige Richtung. Unsere Mannschaft muss von Beginn an bereit sein, um alles zu kämpfen, sich nicht satt zeigen oder blauäugig. Die Partie in Dresden haben einige wohl zu leicht genommen. Bei jungen Mannschaften, und das sind wir, ist es nicht ungewöhnlich, wenn nach fünf positiven Erlebnissen ein kleiner Nackenschlag folgt. Jetzt wird sich die Mentalität zeigen. Ich erwarte gegen Coburg eine Reaktion. Ich bin gespannt. In solchen Momenten zeigt sich, welchen Charakter die Mannschaft hat. Ich denke, die Mannschaft hat verstanden.

Sie wechselten in Dresden mehrfach den Torhüter?

Ich war mit der Leistung unserer Torhüter nicht zufrieden. Bei Rückraumwürfen machten sie eine unglückliche Figur.

Im letzten Heimspiel des Kalenderjahres kommt der HSC Coburg. Wie gehen Sie in diese Partie?

Zunächst, in dieser Liga gibt es generell keine leichten Gegner. Jeder Spieltag hält deftige Überraschungen bereit. Mit dem HSC Coburg kommt ein Erstliga-Absteiger, also eine harte Nuss einen Tag vor Heiligabend. Es liegt an uns, wie das Spiel ausgeht. Wir spielen in unserer Halle und wollen gewinnen!

Was ist dafür nötig?

Wir müssen im Angriff mit mehr Überzeugung spielen, mit dem richtigen Blick auf das Tor. Kurzum, einfachen Handball mit Mut und Überzeugung. Das hat mir in Dresden ein bisschen gefehlt. Da können wir uns noch deutlich steigern.

Herr Ankersen, seit Ihrem Amtsantritt in Coburg mit der 26:32-Niederlage gegen den ASV Hamm-Westfalen stehen 10:8-Punkte zu Buche. Sie Sie damit zufrieden?

Brian Ankersen: Wir hatten mit viele Verletzungen und Corona zu kämpfen. Ich bin mit der bisherigen Bilanz zufrieden, noch stehen ja zwei Spiele bis zum Jahreswechsel an. Ich bin zufrieden mit der Entwicklung der Jungs, insbesondere kämpferisch. Spielerisch müssen wir noch zulegen. Dafür blieb bisher kaum Zeit. Die Punktspielpause im Januar wollen wir hierfür intensiv nutzen.

Für welchen Handball steht Brian Ankersen?

Entsprechend meiner Herkunft stehe ich für skandinavisch geprägten Handball. Also keine Brechstangen-Mentalität. Ich stehe für Tempo, Power, Leidenschaft, Kreativität, Spielwitz, alles das, was Spielfreude ausmacht und zugleich die Zuschauer begeistert.

Zuletzt gab es arge personelle Probleme, insbesondere bei der 22:29-Niederlage gegen Hagen?

Gegen Hagen fehlten etliche Stammkräfte. Das konnten wir nicht kompensieren. Unser etatmäßiger Linksaußen Max Preller, gerade 21 Jahre, musste die Regieposition übernehmen. Mit Tobias Varvne und Lukas Juskenas fehlten beide Mittelmänner.

Ihr Team war im zweiten Abschnitt chancenlos. Warum?

In der ersten Halbzeit hielten wir noch gut mit. Doch dann ließen wir reihenweise beste Tormöglichkeiten aus, verhalfen Hagens Torhüter Tobias Mahnke zu einer Fangquote von 45 Prozent. Auch zu beachten, wir mussten im rechten Rückraum mit zwei Rechtshändern agieren. Das schränkte unsere Möglichkeiten ein.

Mit welchen Erwartungen und Hoffnungen fahren Sie zum thüringisch-fränkischen Vergleich nach Eisenach?

Na klar, wir wollen gewinnen! Nach dem Trainerwechsel befindet sich der ThSV Eisenach deutlich im Aufwind, ist gut in der Spur. Solch eine starke Abwehr findet man nicht so oft in der 2. Liga. Für uns gilt es, die technischen Fehler zu minimieren, um wenig Gegentreffer durch Tempogegenstöße hinnehmen zu müssen. Wer bei uns einsatzbereit ist, wird sich wohl erst am Spieltag entscheiden.

Die Fragen stellte Thomas Levknecht