Das Fränkische-Schweiz-Museum in Tüchersfeld zeigt ganz besondere Objekte. Die umfangreichen Sammlungen enthalten auch medizingeschichtliches Equipment.

Der hagere Mann war ausgezehrt. Er, der Hirte, zog mit den Schafen über die karge Hochfläche. Die Tiere fraßen Gras und junge Baumtriebe. Kein Baum stand weit und breit. Einzig die Wacholderbüsche blieben verschont. Den Tieren waren sie zu bitter. Der letzte Regen und die kriechende Kälte haben dem Mann schwer zugesetzt. Der Schäfer ist sichtbar krank. Zurückgezogen in seiner kleinen Hütte außerhalb des Ortes liegt er nun da, Qualm steigt vom Feuer auf. Er muss husten, Atmen fällt ihm schwer. Nach dem Bader ist schon geschickt.

Konkurrenz zu Ärzten

Bader waren Mediziner, deren medizinisches Wissen vor allem auf praktischen Erfahrungen basierten. Sie standen in unmittelbarer Konkurrenz zu den studierten Ärzten. Auf dem Land waren sie eine wichtige Säule im "Gesundheitswesen". Sie waren viel günstiger und hatten zum damaligen Zeitpunkt - 18. Jahrhundert - trotzdem mehr praktische Erfahrung. Eine beliebte Therapie war der Aderlass. Die Grundlage hierfür war die Vier-Säfte-Theorie, die besagt, dass sich bei Krankheit gelbe Galle, schwarze Galle, Schleim und Blut im Ungleichgewicht befinden.

Durch das Ablassen von Blut sollten die Säfte wieder in das Gleichgewicht gebracht werden. Im 18. Jahrhundert kamen erste Präzisionsaderlassschnepper auf.

Diese kleinen Messingapparaturen haben eine innenliegende Feder, die über einen Hebel gespannt werden kann. Beim Auslösen der Feder schnappt das beilförmige Messer mit seiner sehr scharfen Schneide in die Ader des Patienten ein.

Wohl der letzte Bader war Bader Schüssel aus dem Pegnitzer Raum. Er praktizierte in den letzten Lebensjahren aber nicht mehr als medizinischer Bader, sondern als Friseur. Schüssel starb in den 1920er Jahren.

Auf Youtube

Mehr Infos zum Aderlassschnepper gibt es in der Reihe "Streifzüge durch das Fränkische-Schweiz-Museum" auf dem Youtube-Kanal des Museums. Ein Hirtenhäuschen steht heute noch in Herzogwind bei Obertrubach. red