Der Theodoriweg in Weingarten erinnert an den Juristen und Naturforscher Carl Theodori. Als Gründer der Petrefaktensammlung Banz ist er bis heute bekannt. Zu Weingarten hatte er eine ganz besondere Beziehung.

Carl Theodori kam im November 1788 in Landshut zur Welt. Sein Vater, der Jurist Adam Philipp Ignaz Theodori (1755-1819), stammte aus Geisenheim am Rhein. Er stand im Dienst des Pfalzgrafen Wilhelm von Zweibrücken-Birkenfeld-Gelnhausen aus einer wenig bedeutenden wittelsbachischen Nebenlinie. Dieser hatte 1780 eine Schwester des späteren bayerischen Königs Maximilian I. Joseph geheiratet.

Seit seiner Eheschließung residierte Pfalzgraf Wilhelm in Landshut. 1799 verlieh ihm sein Schwager den Titel eines Herzogs in Bayern. 1803 übertrug er ihm das Herzogtum Berg, das zwar Teil des kurpfalz-bayerischen Staates blieb, über das im Innern Herzog Wilhelm weitgehend autonom regierte. Vater Theodori folgte mit Familie seinem Herrn nach Düsseldorf.

Theodorie zog nach Bamberg

Als Maximilian Joseph von Bayern seinem Schwager die ehemalige fürstbischöfliche Residenz in Bamberg als Wohnsitz zuwies, wurde Bamberg auch zur neuen Heimat der Familie Theodori.

Carl Theodori besuchte Schulen in München, Düsseldorf und Bamberg und studierte ab 1809 Jura in Landshut. Danach trat er, wie sein Vater, in den Dienst des Herzogs Wilhelm in Bayern. Als Kabinettssekretär bekleidete er eine Vertrauensstellung, er arbeitete seinem fürstlichen Herrn unmittelbar zu.

Herzog Wilhelm sah Banz auf einer Reise nach Erfurt im Jahr 1808 und entschloss sich, begeistert vom Anblick der Anlage, sie zu erwerben. Es gelang nach gehörigem Hin und Her. Zum Jahreswechsel 1813/14 ging das einstige Kloster in seinen Besitz über. "Schloss Banz", wie man nun sagte, wurde der Mittelpunkt eines herzoglichen Herrschaftsgerichts. Dem Herzog diente die barocke Anlage als Sommerschloss. 1814 wird wohl der erste Sommer gewesen sein, den der Herzog hier zubrachte und mit ihm Carl Theodori. Auf dreierlei Weise verliebte er sich in diese Gegend.

Viele Fossilien rund um Banz

Ihn faszinierte die Erde, genauer: die Schätze, die sie barg. Die Bedeutung des Banzer Umlandes als einer herausragenden Fundstätte für Fossilien war schon bekannt, als noch das Benediktinerkloster bestand.

Die Geologie und ihre Schwesterwissenschaft, die Paläontologie, waren noch junge Disziplinen. Immerhin war das Bewusstsein bereits gewachsen, dass die Gestalt der Erde in langen historischen Prozessen entstanden sei und dass die Stein gewordenen Tierüberreste probate Mittel seien, Abfolge dieser Prozesse zu verstehen.

Theodori stand mit seiner Begeisterung für die Spuren der Erd- und Naturgeschichte, die im Boden um Banz lagen, nicht allein. Aber er häufte nicht nur Stücke an, er zeichnete und er bestimmte sie. Er nutzte dazu Fachliteratur, auch französische und englische Schriften, und er korrespondierte eifrig mit Gelehrten des In- und Auslands.

Ehrendoktor für seine Studien

Auf Grundlage tiefschürfender, vergleichender Forschung publizierte Theodori schließlich auch wissenschaftliche Studien, oft sogar mit Lithografien bebildert, über verschiedene Gruppen von Funden. Eine geologische Arbeit über die Erde um Banz brachte ihm 1840 die philosophische Ehrendoktorwürde der Universität Würzburg ein.

Aus Theodoris Sicht gehörte seine Sammlung nach Banz. 1828 stiftete er seine Lokal-Petrefakten-Sammlung der "Herrschaft Banz"; sie ging damit in herzogliches Eigentum über und war zugleich an den Standort Banz gebunden.

Herzog Wilhelm stellte bereitwillig zwei Räume im "Domestikenbau" der Klosteranlage zur Verfügung. Hier konnte die Sammlung angemessen präsentiert werden. Im einen Zimmer sollten die Funde ein abgeschlossenes Bild der Naturgeschichte des Banzer Umlandes bieten; der andere Raum nahm Dubletten und Großfunde auf.

Carl Theodori liebte Banz und sein Umland - nicht nur als Forscher, sondern auch als Künstler. Theodori war selbst ein begabter Maler und Zeichner. Auch in seinen Schriften, etwa in der eingangs zitierten Geschichte von Banz, nimmt das Landschaftserleben eine bedeutende Rolle ein.

Ehefrau aus Weingarten

Nahe Banz fand Carl Theodori auch seine Frau. Der Jurist lernte Johanna Mann aus Weingarten kennen, elf Jahre jünger als er, geboren 1799 als uneheliche Tochter einer Taglöhnerin. 1818 kam ein gemeinsamer Sohn zur Welt. Erst an Silvester 1834 heiratete Theodori seine Johanna. Es folgten zwei Töchter, 1835 und 1836 geboren.

Es ist vorstellbar, dass Herzog Wilhelm der nicht standesgemäßen Ehe - hier der Jurist mit adliger Mutter, da das uneheliche Kind armer Leute - die erforderliche Zustimmung versagt hatte. Erst sein Enkel, Herzog Maximilian in Bayern (1808 - 1888), schien die Erlaubnis zur Heirat gegeben zu haben.

Johanna Theodori starb 1852, während eines Aufenthalts in Banz. Auch die Trennung von Banz dürfte Carl Theodori schmerzlich berührt haben. Herzog Maximilian in Bayern, in Bamberg geboren, fasste nicht dieselbe Zuneigung zu Banz wie sein Großvater. Herzog Max lebte in München und in Possenhofen am Starnberger See. Nach Banz kam er nur sporadisch, etwa zur Jagd.

Wo Herzog Max war, musste Theodori sein, der unter dem neuen Herrn zum Geheimen Sekretär und Kanzleirat aufstieg. Trotz der räumlichen Distanz blieb er wissenschaftlicher Leiter der Banzer Sammlung. In seinen Münchner Jahren verfasste er, mehr noch als zuvor, Aufsätze darüber in renommierten Fachzeitschriften.

Kein Interesse von Herzog Max

Herzog Max scheint der Leidenschaft seines Beamten mit wenig Interesse begegnet zu sein. 1845/46 hatte Theodori den wenige Jahre zuvor aufgefundenen Ichthyosaurus-Schädel von beiden Seiten in Lebensgröße gezeichnet. Die Blätter, in München ausgestellt, erregten Aufsehen. Professoren der Uni München verwandten sich bei Herzog Max, dass er die Zeichnungen lithographisch vervielfältigen lasse. Erst 1854 wurden die beiden riesigen Ansichten des Schädels gedruckt.

Immerhin stellte Herzog Max 1856 Räume zur Verfügung, um die stark angewachsene Sammlung in Banz neu aufzustellen. Die Petrefaktensammlung fand für rund ein Dreivierteljahrhundert ihren Platz in einer Zimmerflucht im Erdgeschoss des Hauptgebäudes. Theodori betreute persönlich "die nicht gefahrlose Uebersiedlung" innerhalb der Klosteranlage und die systematische Neuaufstellung.

Carl Theodori starb am 2. November 1857 in München, kurz vor seinem 69. Geburtstag. Kurz vor seinem Tod arbeitete er noch an einer Studie über die fossilen Schnecken in seiner Sammlung in "seinem" Banz.