"Gutaussehende Menschen in Sneakerstores sollten verboten werden." Humorvoll führte Hannah Haberberger, Germanistikstudentin aus Erlangen, dieses Argument in ihrem Vortrag beim vierten Münnerstädter Poetry- Slam aus. Beim Publikum kam die derbe Aussage wohl an. Schallendes Gelächter folgte - anscheinend identifizierten sich viele der Anwesenden mit der Nervosität, die leicht in Panik umschlägt, wenn eine attraktive Person sie nach ihren Wünschen fragt. Haberbergers Vortrag brachte ihr einen Platz im Finale des diesjährigen Münnerstädter "Dichterwettstreit" ein.

Ihre Karriere als Slammerin begann eher zufällig. Ihr Chef hatte erfahren, dass die Studentin Texte verfasst. In Folge brachte er sie dazu, ihre Werke öffentlich vorzutragen.

Halb Deutschland in Münnerstadt

Am Wochenende waren neben Haberberger viele Slampoeten und -poetinnen aus der ganzen Republik nach Münnerstadt gekommen, um ihr Können unter Beweis zu stellen. Darunter etwa Julius Althoetmar, Raphael Breuer und Bert Uschner aus München, Lucia Leonhardt aus Würzburg, Hannah Haberberger aus Erlangen und Thomas Eiwen aus Rosenheim. Die Vielfalt kam bei den Münnerstädtern gut an, kaum ein Platz blieb leer.

Regeln gab es nur wenige: Alle Texte mussten selbst verfasst sein und ohne Hilfsmittel in einer Zeit von sieben Minuten vorgetragen werden.

Die Jury stellte das Publikum: Ausgewählte Gäste erhielten im Vorfeld Nummerntafeln von eins bis zehn, die sie am Ende des jeweiligen Vortrags als Bewertung hochhielten. Die drei Wettstreiter mit den meisten Punkten kamen ins Finale.

"Einfingrig" tippende Erwachsene

Manfred Manger, der Moderator, startete den Poetry-Slam mit einem Text außer Wertung. Der Grund: Noch nicht Slam-Erfahrene erhielten dadurch einen Vorgeschmack und eine Referenzmöglichkeit. Danach betrat Julius Althoetmar, U20-Vizemeister beim Poetry-Slam in Deutschland, als erster regulärer Slammer die Bühne. Sein Text war ein starkes Plädoyer für das Leben in der Gegenwart und illustrierte zugleich Aggressionen der jüngeren Generation beim Betrachten der Älteren: So kann einfingriges Tippen auf Smartphones oder Tablets im Schneckentempo schnell mal zu Wutausbrüchen beim jüngeren Part führen.

Thomas Eiwen aus München, bereits zum zweiten Mal in Münnerstadt, sprach nachdenklich über Meinungen, und warum es keine Notwendigkeit sein sollte, zu jedem Thema eine zu haben. Meinungsfreiheit bedeute laut ihm auch, mal frei von Meinungen zu sein.

Der Gewinner des vorherigen Poetry-Slams in Münnerstadt, Bert Uschner, versetzte das Publikum verfrüht in Weihnachtsstimmung: Sein rationaler Erziehungsversuch der vierjährigen Tochter wurde von Weihnachtsliedern unterbunden. Denn wie soll einem Kind ein mathematisch-naturwissenschaftlich fundiertes Weltbild beigebracht werden, wenn es "Oh Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter", statt "Wie grün sind deine Nadeln" singt?

Ein Gegenstück hierzu war Lucia Leonhardts Text, der das Publikum in den vergangenen Sommer entführte. Poetisch vermittelte sie ihre Erlebnisse und Freuden des Sommers. Raphael Breuers humorige Literaturanalyse des Pophits "Diamonds" von Rihanna legte offen, dass der Liedtext vor einem übermäßigen Drogenkonsum warnt.

Drei Finalisten fochten um Platz eins

Vor der Pause fiel die Entscheidung: Hannah Haberberger, Bert Uschner und Thomas Eiwen zogen ins Finale. Letzterer beschrieb eine Schifffahrt, die als Sinnbild für den Staat fungierte. Dieser funktioniere nur, wenn alle auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten, aber auch offen für andere Meinungen sind und ab und zu den Kurs ändern, obwohl manche Personen stur "rückwärtsrudern" wollen. Bert Uschner blieb beim Thema "Weihnachten". Sein Mittel um dem Festtags-Wahn zu entfliehen: Glühwein trinken. Hannah Haberbergers Text war ein Plädoyer für Selbstliebe und dafür, sich nicht um die Meinungen anderer zu kümmern.

Ihr Beitrag kam an - Haberberger gewann den vierten Münnerstädter Slam. Sie kommentierte ihren Sieg: "Es ist schön, dass eine Selbstproduktion Menschen begeistert. Es ist letztendlich Bestätigung." Auch Manfred Manger, der Moderator, zeigte sich zufrieden: Trotz der Planungsunsicherheit hatte alles funktioniert.