von unserem Mitarbeiter Manuel Stark

Bad Staffelstein — Hinter der evangelischen Kirche in Bad Staffelstein tollen kleine Kinder über die Wiese. Einige Meter weiter sind ein Dutzend Biertische aufgebaut, an denen Erwachsene sich unterhalten und unter dem Schatten der aufgebauten Sonnenschirme Schutz vor der Hitze suchen.
Aus Richtung der Kuchentheke hört man eine hohe Mädchenstimme rufen: ,,Papa, kaufst Du mir bitte eine Waffel? Die sehen so gut aus, die müssen einfach gut schmecken!"
Daneben sitzen einige Jungen und Mädchen in einem Stuhlkreis und üben sich an verschiedenen Basteleien. An einem Stand vor dem Gemeindehaus kann man selbst gehäkelte Tischdekorationen kaufen, die in verschiedenen Mustern und Farben gehalten sind.
Aus den aufgestellten Lautsprechern hört man die Stimme von Pfarrerin Sabine Schmid-Hagen: ,,Alle sind jetzt herzlich eingeladen, mit ins Gemeindehaus zu kommen. Da findet in wenigen Minuten das Fußtheater statt. Lasst Euch sagen, so etwas Zauberhaftes habt Ihr bisher nur selten gesehen", verkündet sie und löst damit einen Menschenstrom aus.
Im kühlen Raum des Gemeindehauses hat Anne Klinger währenddessen schon ihre Bühne aufgebaut: Zwei aneinander geschobene Tische, über die ein schwarzes Tuch gebreitet ist. Sie selbst hat sich ebenfalls völlig schwarz angezogen, ,,um nicht zu sehr aufzufallen, wenn es um die Füße gehen soll", sagt sie.

Füße nehmen Gestalt an

Ihre Vorstellung beginnt schweigend. Schon vor Beginn des eigentlichen Stücks versucht sie, ihre jüngsten und auch die alten Zuschauer zu fesseln. Sie legt sich auf den Tisch und dreht die Flächen ihrer Füße einander zu. Verbiegt sie leicht, schüttelt die Zehen und dreht sie mal langsam, mal schneller, als würden sie auf diese Weise miteinander sprechen.
Nach einigen Minuten nimmt sie dann doch ihre mitgebrachten Materialien zu Hilfe. Ihr rechter Fuß bekommt zuerst eine Art Nase aufgesetzt, anschließend eine Perücke mit roten Haaren und zuletzt eine Kutte aus weißem Stoff. Kaum fertig angekleidet, stellt er sich als das tapfere Schneiderlein vor, das gerade aus einem tiefen Schlaf erwacht ist. Nach so einem Schlaf sei ein ordentliches Frühstück sehr wichtig. Und da es nichts Besseres gebe als Pflaumenmusbrot, macht sich das Schneiderlein sogleich daran, sich eines zu schmieren. Doch ist das Pflaumenmus alle. Also ruft er die Pflaumenmus-Verkäuferin, in die er heimlich verliebt ist, an. Mit einem gelb karierten Stoff, einer Nase und einer braunen Perücke bekleidet, erwacht diese in Gestalt von Anne Klingers rechtem Fuß zum Leben. Das Schneiderlein ist bereit, für seine große Liebe alles zu tun, und zieht los, um zuerst einen Riesen zu besiegen und schließlich ein Einhorn einzufangen. Auf diese Weise beeindruckt er die Musverkäuferin so sehr, dass sie am Ende des Stücks schließlich einwilligt, ihn zu heiraten. Als beide Füße verzweifelt versuchen, sich einen Kuss zu geben, ist das Gelächter groß. Am Ende schaffen es die Beiden aber
doch. Ohne Zeit zu verschwenden, holt das Schneiderlein einen Brautschleier hervor, und es wird geheiratet. Ganze sieben Kinder bekommen die Liebenden zusammen - sieben Kinder auf einen Schlag.