"2020/21 wird eine ganze besondere Spielzeit für uns", sagt Heidi Lehnert, die Künstlerische Leiterin von Chapeau Claque, während sie im Theaterbüro in der Lichtenhaidestraße ein wenig aufgeregt die frischgedruckten Leporellos auspackt. Richtig schön sind sie geworden, die neuen Spielpläne (Design: Guido Apel). Und auch ganz schön umfangreich. Das Bamberger Kindertheater hat sich zu seinem 30-jährigen Bestehen einiges vorgenommen.

"So ein runder Geburtstag muss gefeiert werden - trotz allem", so Lehnert. Trotz allem? Das sind nicht nur die Haushaltskürzungen im Kulturbereich, die einem kleinen Theater schwer zu schaffen machen. Das ist auch die Unsicherheit, ob sich Zuschauer ins Theater "trauen", allen voran die Schulen und Kindergärten, die in den letzten Jahren das Werkstatttheater in der Grafensteinstraße gefüllt haben. "Natürlich lässt sich diese Unsicherheit nachvollziehen", so Lehnert, "aber ich glaube, wir haben da eine wunderbare Lösung gefunden."

Zum einen der Spielort für die Wintermonate: im Ertl-Zentrum darf das Kindertheater einen großen, leerstehenden Laden im 2. Stock bespielen, der gut belüftbar ist und selbst mit Corona-Abstand noch Platz für 80 Zuschauer bietet. "Wir sind äußerst dankbar, dort spielen zu dürfen - das Angebot war sozusagen ein erstes Geburtstagsgeschenk", freut sich die Künstlerische Leiterin. Zum anderen bietet das Kindertheater diesen Winter nicht nur Vormittagsvorstellungen vor Ort an, sondern das Theater kommt auf Wunsch auch mit seinen Stücken direkt an die Schulen und Kindergärten.

Auf dem Spielplan stehen neben Repertoirestücken und einer Pumuckl-Lesung, die der Bamberger Rezitator Andreas Ulich dem Kindertheater zum Geburtstag schenkt, vor allem Aufführungen von "Der kleine Prinz", der aktuellsten Produktion von Chapeau Claque, die bisher nur ihre Premiere im März erleben durfte. Ein erstes "Wiedersehen" gibt es mit dem Prinzen allerdings schon im Oktober in der Kulturfabrik Kufa in der Ohmstraße.

Im nächsten Frühjahr ist dann endlich wieder ein Theaterstück für die "großen Kinder" von 8 bis 12 Jahren in Planung, eine "theatral vernachlässigte Altersgruppe", findet Lehnert. "Angstmän" von Hartmut El Kurdi erzählt auf witzige Weise von Angst, Mut, Mobbing und Freundschaft. Im Sommer folgt dann Astrid Lindgrens "Ronja Räubertochter" auf der Altenburg, das coronabedingt auf 2021 verschoben werden musste.

Bis dahin setzt das Kinder- und Jugendtheater weiter verstärkt auf seine Mobilität: Mit dem kleinen Theatertransporter kommen diese Spielzeit auch die neuen theaterpädagogischen Produktionen zum Thema Demokratie, "Respekt!" (ab 7. Klasse) und "König Justus & Co." (1. bis 5. Klasse) in die Schulen. Wer für eine Privatfeier, Gemeindeveranstaltung o. ä. ein kürzeres Programm sucht, wird im Chapeau-Angebot ebenfalls fündig: Entweder er lädt sich zwei singende Freibeuter aus dem Kurzmusical "Piratenzeit" ein oder lässt sich von der Katze mit Hut und ihrer Band ein paar tierische Geburtstagsständchen bringen.

Und wie es sich für einen anständigen (Kinder-)Geburtstag gehört, hat Chapeau Claque 2020/21 auch für seine Gäste ein kleines "Mitgebsel" vorbereitet: Zum Jubiläumsjahr gibt es ab 11. Oktober an der Theaterkasse die "Vielkuckerkarte" für Kinder - wer sich drei der fünf angebotenen Theaterstücke anschaut, bekommt freien Eintritt zur Sommerproduktion. red