"Die Leute sehen mein langes, blondes Haar, dann sagen sie: Was, du hast Maschinenbau studiert?", erzählt Michelle Dierauf. "Ich möchte junge Mädels überzeugen, in die Technik zu gehen." Das kann bald im Makerspace in Lichtenfels geschehen.

In einer Werkstatt für jedermann sollen sowohl eine Kreissäge und eine Drehbank stehen als auch die neuen Techniken des 3D-Drucks verwendet werden. Wer Omas altes Buffet erbt und es wieder fit bekommen möchte, wem die Halterung seiner Fahrradlampe gebrochen ist oder wer eine Befestigung für den rechten Außenspiegel seines Oldtimers sucht, ist im Forschungs- und Anwendungszentrum für digitale Zukunftstechnologien (FADZ) richtig. Michelle Dierauf möchte dort eine Mittlerin werden. Zwischen der Hochschule Coburg, an der sie studiert, und den anfassbaren Ergebnissen, welche die Werkstatt verlassen werden. Sie kann helfen, Ideen in 3D umzusetzen, an der Schnittstelle zwischen Konstruktion und Drucker ist sie zu Hause.

"Nicht alles ist gleich additiv. Ich finde wichtig, dass die alten Technologien auch dabei sind: In der Holz- und Metallbearbeitung kann und möchte ich noch etwas lernen." Wissen teilen und Fertigkeiten lernen, beides gehört für sie zusammen. Begonnen hat das vor neun Jahren. Damals war sie 14 Jahre alt und hatte in der Realschule den Werken-Zweig gewählt. Da fiel ihre Entscheidung, auf Technik zu setzen und Maschinenbau zu studieren. Die Menschen in ihrem Umfeld nahmen das nicht so richtig ernst, lachten oder verdrehten die Augen.

Michelle Dierauf nahm die Vorbilder in ihrer Familie wahr: "Technik kann eine Frau mindestens genauso gut", sagt sie. Und so machte sie sich auf den Weg: duale Ausbildung bei Bosch, Abitur an der Fos, Maschinenbau an der Hochschule Coburg - und jetzt der Masterstudiengang "Entwicklung und Management im Maschinen- und Automobilbau".

Darum geht es im Forschungs- und Anwendungszentrum für digitale Zukunftstechnologien: Es sollen Produkte hergestellt werden, die besser passen, leichter sind, länger halten und weniger Abfall hinterlassen. Es geht dabei auch um das Einsparen von Energie, weil Fahrzeuge, Flugzeuge oder Satelliten leichter werden, weil Produkte vor Ort hergestellt werden oder weil nur das gedruckt wird, was wirklich benötigt wird. Und das für die Industrie, das Handwerk und für jeden Privathaushalt.

Kniegelenke und Schädelplatten aus dem 3D-Drucker findet Michelle Dierauf faszinierend. Doch Technik soll Spaß machen. Und über den Spaß sind Menschen zu fesseln. Das hat sie erlebt, als alle um sie herum im Game-of-Thrones-Fieber waren. Während einer Vorlesung ging sie kurz raus, um ein Lesezeichen mit Wolfskopf aus dem Drucker zu holen - setzte sich wieder, und um sie herum war Staunen und Begeisterung. "Mit solch kleinen Dingen kann ich Neugier und Begeisterung wecken", sagt sie. Mit einem Metall-3D-Drucker entstand ein Fingerspiel aus mehreren konvexen Ringen, die ineinander liegen - und seit dem Druck voneinander unabhängig und dennoch auf ewig miteinander verbunden sind. "Es müssen nicht immer Motorenteile sein", lacht sie. "Wir können gemeinsam voneinander lernen und das Unmögliche möglich machen", so klingt ihre Vorstellung vom Miteinander im Makerspace. Im ehemaligen H. O. Schulze werden Leute mit Ideen auf Menschen mit Know-how treffen, sieht Michelle Dierauf. Da möchte sie dabei sein. "Nicht jeder hat die Möglichkeit, seine Ideen alleine umzusetzen. Wenn wir zusammen helfen, dann geht es. Da möchte ich dabei sein." red