Die Corona-Pandemie hat die Stadtbibliothek durcheinandergewirbelt. Viele geplante Veranstaltungen und Ausstellungen konnten nicht stattfinden oder mussten abgebrochen werden. Dafür wurden andere Projekte in Angriff genommen. Im turbulenten Jahr 2020 scheint ein Rückblick fast nicht möglich, weil Zahlen nicht aussagekräftig und vergleichbar sind, so Bibliotheksleiterin Karin Wengerter.. Aber das Bibliotheksteam findet: "Wir haben einiges gestemmt!"

In Kooperation mit der Volkshochschule und dem Bunten Buchladen wurden in der Zeit vor Corona drei "Groß"-Veranstaltungen angeboten. "Gärtnern ohne Gift", "Besser leben ohne Plastik" und eine Lesung mit Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt zogen über 400 Besucher an. Bis zum Lockdown im März konnten sechs Veranstaltungen zum Bibliotheksführerschein und zehn Klassenführungen durchgeführt werden.

Trotz strenger Kontaktbeschränkungen und Schließung der Bibliothek blieb das Team am Ball, musste ständig Hygienekonzepte für neue Projekte entwickeln. Der Bibliothek war es wichtig, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene die freie Zeit zum Lesen - ob mit Buch oder E-Book - und Lernen einsetzen können. Deshalb richteten sie während der Schließzeiten einen Bringdienst ein.

2020 wurden insgesamt 87 410 Medien ausgeliehen. Die Romane wurden trotz Schließung und halbierter Besucherzahlen erstaunlich gut ausgeliehen. Über zehn Prozent der Ausleihen sind inzwischen elektronische Medien. Gerade im Pandemiejahr zeigte sich der zunehmende Bedarf an digitalen Angeboten - ein Plus von 69 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Geplante Aktionen wurden digital verwirklicht und alte Projekte neu aufleben lassen. So wurde wieder der "Hammelburger Murmelpreis" vergeben. Sechs Kindergärten beteiligten sich an der Aktion.

Da Schulklassen nicht in die Bibliothek kommen durften, ging die Bibliothek in die Schule - solange das möglich war. Immerhin zwölfmal las Mitarbeiterin Nina Moosdorf dort Geschichten vor und zeigte Bilderbücher. Die Grundschulklassen erhielten ein Adventspaket mit Vorlesegeschichte, Ausmalbild und Rätsel. Für ihre Zusammenarbeit mit Schulen wurde die Stadtbibliothek zum fünften Mal in Folge mit dem Bayerischen Gütesiegel "Bibliotheken - Partner der Schulen" ausgezeichnet.

Das Kinderprogramm Unzelfunzel wurde unter erschwerten Bedingungen und mit reduzierten Teilnehmerzahlen siebenmal angeboten. Im Oktober traute sich das Bibliotheksteam, das geplante Kindertheater mit Ali Büttner "Olga packt aus" durchzuführen. Es war innerhalb kurzer Zeit ausverkauft. Gerade mal zwei Wochen stand die kleine Ausstellung "Stock um Stock über Stock und Stein" von Roland Halbritter.

Die Vorbereitungen sind abgeschlossen: Mit der Wiedereröffnung der Bibliothek können Leser ihre Medien selbst ausleihen. Dafür mussten die Mitarbeiterinnen jedes einzelne der 24 000 Medien in die Hand nehmen.

Für die nächsten fünf Jahre entwickelte Bibliotheksleiterin Karin Wengerter ein 50-seitiges Konzept, das vom Stadtrat beschlossen wurde. Ihre Vision: "Die Bibliothek ist das Herzstück im Bürgerhaus, ein lebendiger zentraler Ort für Kommunikation und Kultur".

Mit einigen Vorhaben wurde bereits begonnen. Aber die Bibliothek als Aufenthaltsort rückt mit Corona in weite Ferne. Karin Wengerter hofft, dass die Bücherei bald wieder zu einem lebendigen Ort der Begegnung und der Kommunikation für alle werden kann. red