Kronach/Ludwigsstadt —  "Musik und Tanz bringt die Menschen zum Lächeln. Niemand kann dabei böse schauen", lacht Güner Dedi, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Naheda. Weil es ihrer Meinung nach keine schönere und geeignetere Form gibt, um untereinander ins Gespräch zu kommen, andere Kulturen kennenzulernen und dabei Vorurteile abzubauen, hat sie gemeinsam mit dem Regionalmarketingverein "Kronach Creativ e.V." und dem dort angegliederten KoBE (Koordinierungszentrum Bürgerschaftliches Engagement) das Projekt "Tanz ist die Sprache der Welt" entwickelt.

"Naheda bat um Unterstützung bei der Projektierung und Beantragung der Förderung aus dem Bundesprogramm Demokratie leben - Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit", berichtet Sabine Nuber vom KoBE. "Für uns ein gelungener Ansatz, den wir gerne mit auf den Weg gebracht haben und begleiten." Das Projekt umfasst eine Laufzeit von 13 Wochen mit fünf Intensiv-Kursen bei einem Zeitrahmen je Kurs und Woche von 1,5 Stunden. Neben dem Tanzen erhalten die Teilnehmer Einblicke in die Geschichte des orientalischen Tanzes sowie in die Art und Kunstform der kulturübergreifenden Sprache des Tanzes. Abgehalten werden diese im Nebengebäude der VHS in der Kulmbacher Straße in Kronach sowie in der Bahnhofstraße 14 A (ehemalige Diakonie) in Ludwigsstadt. Damit möchte die weltweit gefragte Dozentin und Tänzerin möglichst vielen Interessierten aus dem gesamten Landkreis die Möglichkeit zur Teilnahme geben. Die genauen Zeiten stehen noch nicht fest. Naheda will sich diesbezüglich nach den Wünschen der Teilnehmer richten.

Jeder kann mitmachen

"Mitmachen kann wirklich jeder. Das Projekt richtet sich an Kinder ab sechs Jahren über Jugendliche bis hin zu Erwachsenen auch im fortgeschrittenenAlter: Frauen und Männer jeglicher Herkunft, Nationalität - mit oder ohne Tanz-Vorkenntnisse und auch mit noch nicht so guten Deutschkenntnissen", verdeutlicht die gebürtige Türkin, die allen Teilnehmern vor allem folkloristische Kreistänze aus ihrer Heimat und dem Orient näherbringen möchte.

Dabei wählt die Tänzerin bewusst einfache, leicht erlernbare Schrittkombinationen. "Wenn doch einmal ein Schritt danebengehen sollte, ist das auch nicht so schlimm", lacht die Künstlerin.

Ein Teilziel sei es, die Teilnehmer so weit zu befähigen, die Schrittfolgen und das Gefühl der verschiedenen türkischen und orientalischen Choreografien einem Publikum zu präsentieren. Angedacht hierfür ist ein Auftritt zur Adventszeit bei einer Veranstaltung im ehemaligen "Roten Ochsen" in Teuschnitz - eventuell aber auch bereits am 13. Oktober, wenn Naheda im Kreiskulturraum im Rahmen einer großen Gala mit befreundeten Tanzkünstlern ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum feiert.

"Ein Auftritt ist vollkommen freiwillig. Niemand muss auftreten, wenn er nicht möchte", betont Naheda, der - auch bedingt durch ihre eigene, nicht immer einfache Lebensgeschichte - die Integration von Menschen aller Kulturen ein großes Herzensanliegen ist. "Beim Tanzen gibt es keine Unterschiede, keine Sprachbarrieren. Da gibt es nur ein Miteinander", zeigt sie sich sicher, dass Tanzen auf einzigartige Weise die Lebensfreude, Bewegung und Kultur verschiedener Länder transportieren könne.

Ziel: friedvoller Umgang

Durch tiefe Einblicke in die Lebensweise, das Menschenbild und die Seele anderer Kulturen soll ein friedvoller und verständnisbringender Umgang aller Akteure miteinander erreicht werden. Dieses sich Einlassen auf jemanden, der aus der Türkei stammt, sei heutzutage keine Selbstverständlichkeit. Zu Zeiten von angespannten Länderverhältnissen ist es ihrer Meinung nach sehr wichtig, dass Menschen bewusst und frei von Vorurteilen und festgefahrenen Bildern aufeinander zugingen.

Sehr freut sich Naheda, den international renommierten Tänzer, Choreographen und Tanzlehrer Erhan Ay aus Istanbul für Workshops am 14. und 15. Oktober gewonnen zu haben. Durch seine Mitwirkung soll auch das Bild vom Bauchtanz in ein anderes, geschlechterunabhängiges Licht gerückt werden. "Gemeinhin besteht leider immer noch die Ansicht, dass Bauchtanz als Tanzform nur von Frauen ausgeübt wird", bedauert die Tänzerin. Durch die Beteiligung von Erhan Ay soll diesem Vorurteil bewusst entgegengewirkt und die Teilnahme von Männern ohne Klischee-Denken angeboten werden.

Anmelden für das Projekt kann man sich bei Naheda, Tel. 0171/6763849, E-Mail: info@naheda.de oder rolfgelb@arcor.de.