Das Thema diözesane Tagungshäuser hat bei der Frühjahrsvollversammlung des Diözesanrats der Katholiken eine wichtige Rolle gespielt. Sowohl Bischof Franz Jung als auch Vorsitzender Michael Wolf kamen bei ihren Redebeiträgen darauf zu sprechen, heißt es in einer Pressemitteilung des Ordinariats Würzburg.

In seinem "Bericht zu Lage" sagte Wolf, der im Dezember veröffentlichten Beschluss, die Häuser in Schmerlenbach, Retzbach, Bad Königshofen und das Schullandheim Thüringer Hütte zu schließen oder zu verkaufen, könne "als abschreckendes Beispiel" dienen. "Aus meiner Sicht muss in allernächster Zukunft eine klare Beschreibung der diözesanen Ziele erfolgen und diözesanweit abgestimmt werden", sagte er bei der virtuellen Veranstaltung.

Ohne vorige Kommunikation sei es verständlich, dass die Entscheidungen zur Zukunft der Häuser zu emotionalen Reaktionen bei den Betroffenen führten. Diese gäben im Allgemeinen einem Gefühl der Machtlosigkeit und einer Frustration Ausdruck, erläuterte der Diözesanratsvorsitzende. "Hier muss die Diözesanleitung mit dem entsprechenden Echo aus kirchlichen und auch gesellschaftlichen Kreisen leben." Gleichzeitig rufe nicht jeder, der sich kritisch zum Vorgehen äußere, gleich zur Revolution auf, sondern mahne notwendige Änderungen an. Die rund 90 Delegierten des höchsten Laiengremiums des Bistums waren coronabedingt alle digital zugeschaltet, lediglich der Vorstand des Diözesanrats war, nach zuvor erfolgtem, jeweils negativen Schnelltest, in der Jugendbildungsstätte Unterfranken im Würzburger Stadtteil Heuchelhof versammelt.

Für Wolf ist Kommunikation eines der Hauptprobleme der katholischen Kirche in Deutschland. Das hätten nicht zuletzt die Vorgänge in Köln gezeigt. "Hier trifft meiner Ansicht nach eines der wirklichen Probleme der katholischen Kirche mit den Menschen unserer Zeit ganz klar zu Tage: Es trifft die monarchische Kirchenstruktur auf das Selbstverständnis der Nichtgeweihten von heute. In der Kirche liegen Legislative, Exekutive und Judikative in einer Hand - in der der zuständigen Bischofs. Gewaltenteilung und hinreichende Überwachung sind damit nicht möglich." Wolf sagte, dass das Kirchenrecht änderbar sei. Schon im Neuen Testament seien verschiedene Gemeindeverfassungen mit mehr oder weniger demokratischer Struktur beschrieben.

Bischof Jung räumte ein, die Kommunikation rund um die Entscheidung, die Trägerschaft einiger Tagungshäuser abzugeben, sei "nicht gut" gewesen. Er könne jeden Ärger verstehen. Es habe sich aber bei der Steuerschätzung im vergangenen Herbst gezeigt, dass nicht zuletzt coronabedingt ein Rückgang der Einnahmen um 20 Millionen Euro bevorstehe. Deswegen habe kurzfristig eine strategische Entscheidung getroffen werden müssen. "Wir alle wissen aber: Corona war hier nicht die Ursache, sondern nur ein Beschleuniger." Es sei in früheren Jahren "nicht sauber geplant" worden. Mit der daraus resultierenden Situation müsse jetzt umgegangen werden.

Einige Mitglieder des Diözesanrats kritisierten bei der Aussprache, das Bistum habe sich bei Gesprächen mit Politikern aus den betroffenen Landkreisen unprofessionell und unglaubwürdig gezeigt, da es wenig konkrete Vorschläge für ein weiteres Vorgehen gemacht habe. "Zu viele Vorgaben wären kontraproduktiv", erklärte Jung.

Dem ebenfalls aus Reihen der Delegierten vorgebrachten Vorschlag, Defizite bei den Tagungshäusern aus den Mitteln des Bischöflichen Stuhls zu begleichen, musste Bischof Jung eine Absage erteilen. "Das ist keine Nebenkasse, über die ich frei verfügen kann."

Zugleich verkündete er, dass aktuell die Verhandlungen über die Zukunft des Hauses Sankt Michael "sehr vielversprechend" liefen. pow