Weil er im Cafe Roberts in Kulmbach eine Bedienung beleidigt und bespuckt hatte, ist ein 44 Jahre alter Frührentner aus dem Landkreis Bayreuth zu fünf Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Während der Verhandlung stellte sich heraus, dass der Mann offenbar physisch und psychisch stark angeschlagen ist.

Der Vorfall ereignete sich am 20. Juli des vergangenen Jahres. Das Café war gut gefüllt, als der Mann zahlen wollte. Weil die Bedienung nicht sofort kam und wohl auch ein wenig gestresst war, rastete er total aus. Er bemühte eine ganze Reihe von Schimpfwörtern, ehe er aufstand und der Frau ins Gesicht spuckte. "Ich war total perplex, das war echt demütigend", sagte die Frau vor Gericht. Das gesamte Café habe das mitbekommen.

Beleidigungen fortgesetzt

Doch damit nicht genug. Zwei zufällig vorbeilaufende Mitarbeiterinnen der Kulmbacher Sicherheitswacht waren auf den Vorfall aufmerksam geworden und wollten vor dem Café die Personalien des Mannes feststellen. Auch da packte er wieder den gesamten Kanon Schimpfwörter aus. Eingestellt wurde ein weiterer Vorfall, der sich rund sechs Wochen später in der Baille-Maille-Allee Himmelkron zugetragen hatte. Im Streit um seinen und den Hund einer Passantin, hatte er die Frau ebenfalls heftig beleidigt.

Von Schmerzen zermürbt

Vor Gericht zeigte sich der Angeklagte einsichtig, verwies aber auch auf seine Erkrankung. Er befinde sich wegen extrem starker chronischer Schmerzen seit Jahren in Behandlung. Er räumte auch ein, dass die Schmerzen mittlerweile auf seine Psyche geschlagen hätten und sich unter anderem in Schlaflosigkeit, ständiger Unruhe und vor allem in leichter Reizbarkeit bemerkbar machten. Dazu komme, dass er damals medikamentös völlig falsch eingestellt gewesen sei. Das sei mittlerweile behoben, auch werde er in wenigen Wochen eine Therapie im Bezirkskrankenhaus beginnen, einen Termin dafür habe er bereits.

Ein forensisch-psychiatrisches Gutachten untermauerte die Aussage des Manns. Auch seine Betreuerin bestätigte sein starken Nervenschmerzen und den allgemein labilen Gesundheitszustand. "Normalerweise ist er ein lieber, ruhiger Mensch", sagte die Altenpflegerin, die ihn mittlerweile täglich betreuen muss.

Den Streit in der Baille-Maille-Allee begründete der Angeklagte mit einem Missverständnis. Sein Schäferhund habe sich von ihm losgerissen, so dass er zu Boden ging und zu bluten begann. Da habe er den Hund zurückgezogen.

Die Passantin sei bei diesem Vorfall allerdings davon ausgegangen, der Mann würde den Hund schlagen und stellte den Angeklagten zur Rede. Daraufhin sei er explodiert, was er mittlerweile sehr bereue.

Etliche Einträge im Vorstrafenregister

Es waren aber nicht die einzigen Vorfälle, bei denen der Mann mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war. Fünf Vorstrafen hat er bereits, unter anderem wegen verschiedener Drogengeschichten, wegen Hausfriedensbruch, Körperverletzung und auch schon zwei Mal wegen verschiedener Beleidigungen.

Mit ihrem Urteil von fünf Monaten auf Bewährung blieb Richterin Sieglinde Tettmann ein Monat unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Verteidiger Alexander Schmidtgall hatte eine Geldstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen zu jeweils 15 Euro (1800 Euro) beantragt. Sein Mandant sei krank, nicht kriminell, gab Schmidtgall zu bedenken. Die Richterin sah den Angeklagten zwar auf einem guten Weg, allerdings habe er eine Vielzahl Schimpfwörter vor einer Vielzahl von Leuten lauthals ausgesprochen und mit dem Anspucken gerade in Corona-Zeiten Angst und Schrecken verbreitet. Der Angeklagte muss zusätzlich 500 Euro ans Kulmbacher Tierheim zahlen, er wird der Führung eines Bewährungshelfers unterstellt und darf sich in den kommenden drei Jahren nichts zuschulden kommen lassen.