Nötigung und gefährliche Körperverletzung wurden am Donnerstag im Amtsgericht einem 26-jährigen Mann aus dem Raum Lichtenfels vorgeworfen. Der Mann mit türkischen Wurzeln soll seine damalige Ehefrau gewürgt und ihr versichert haben, dass sie stürbe, wenn sie deswegen zur Polizei ginge.
Am Ende einer Verhandlung sollten Fotoaufnahmen Zeugnis ablegen. Auf ihnen war zu sehen, dass die ehemalige Gattin des Angeklagten am Hals blaue Flecken hatte. Ganz im Gegensatz zu der von ihm nach der Anklageverlesung gemachten Aussage, wonach er seiner Frau nicht zugesetzt und sie auch nicht gewürgt habe. Während seiner Vernehmung sprach der Mann davon, dass eigentlich er derjenige gewesen sei, der gedemütigt worden sei. Seine Frau habe ein Auto von ihm verlangt, ein möglichst teures und eines, wofür er einen Kredit hätte aufnehmen müssen. "Sie hat mich gedemütigt und frustriert", so der 26-Jährige. Zudem gewährte der Mann Einblicke in ein wohl eigenartiges Eheleben, denn die Ehe sei "nie vollzogen worden". Geradezu "besessen" sei die Frau von dem Gedanken an ein teures Auto gewesen, zudem habe sie ihn tätlich angegriffen, ihn in den Bauch geschlagen und darum habe er sich "wehren müssen".
Das Ereignis, um das es ging, wurde von der Staatsanwaltschaft auf den 11. September 2015 datiert. Immer wieder wurde der Begriff des Würgens von Richter Stefan Hoffmann und Staatsanwalt Timm Hain beim Angeklagten hinterfragt. Der verneinte zunächst ein Würgen, räumte dann aber ein, seine Frau in einer Art Abwehrwürgen von sich gehalten zu haben. Wobei er versicherte, nicht oder nur sehr kurz am Hals zugedrückt zu haben. Eine echte Gefahr für Leib und Leben habe seiner Meinung nach nie bestanden. Allerdings hatte der Mann auch eigenartige Vorstellungen davon, ab wann ein Würgen gefährlich sein könnte. So sprach er von "fünf bis zehn Minuten" als der Zeitspanne, die wirkliche Gefahren beim Würgen berge.
Die Frau selbst wirkte bei ihren Aussagen gefasst und sogar frei von Belastungseifer. Das Auto, so die Endzwanzigerin, sei darum von Belang gewesen, weil sie habe arbeiten und ihre Arbeitsstelle erreichen wollen. Zudem schilderte sie in aller Ruhe Vorgänge aus ihrer Ehezeit, die den Angeklagten herrisch und aufbrausend zeichneten. Weil sie einmal "Besteck auf die falsche Seite gelegt" habe, sei sie von ihrem Mann am Kopf geschlagen worden. Allerdings räumte sie auch ein, dass sie nur relativ kurz am Hals gefasst worden sei.


Taxifahrer sah blaue Flecken

Blaue Flecken an der Frau will auch ein 47-jähriger Taxifahrer gesehen haben. Als der Mann damals bei ihrer Wohnung vorfuhr, sei ihm durch eine Verwandte der Endzwanzigerin gesagt worden, dass er sie darum abzuholen habe, weil sie geschlagen worden war. "Sie hatte am Hals, an den Armen und im Gesicht blaue Flecken, das habe ich gesehen", so der Taxifahrer im Zeugenstand.
Insgesamt sollten bis zum Verhandlungsende vier Zeugen auftreten, wobei sich die Waagschale zugunsten der Glaubwürdigkeit des Opfers neigte. Ein unbeschriebenes Blatt hinsichtlich von Gewalttaten war der Angeklagte. Jedoch nicht hinsichtlich eines schon begangenen versuchten Betrugs und unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln.
In seinem Plädoyer forderte Staatsanwalt Timm Hain eine Geldstrafe in Höhe von 3150 Euro gegen den 26-Jährigen. Mit seinen Ausführungen mochte sogar der Verteidiger des Angeklagten, Wolfgang Bürckmann, "konform gehen". Allerdings setzte er sich für ein deutlich geringeres Strafmaß ein und ließ 1750 Euro erwägen.
Der Beschuldigte, der als letzte Worte "Ich will nichts mehr dazu sagen" anbrachte, wird eine Art Kompromiss aus den staats- und rechtsanwaltlichen Forderungen zu bezahlen haben. Richter Stefan Hoffmann entschied in seinem Urteil, bei dem er zugunsten einer vorsätzlichen Körperverletzung von der angeklagten gefährlichen Körperverletzung abrückte und auch aufgrund schwerer Nachweisbarkeit vom Nötigungsvorwurf Abstand nahm, auf 2450 Euro Geldstrafe.
Mit dieser Entscheidung zeigten sich alle Parteien einverstanden.