"Die Grund- und Mittelschule Strullendorf wird ab dem Schuljahr 2017/2018 die Offene Ganztagesschule an der Grundschule einrichten": Der einstimmige Beschluss des Gemeinderates ist gleichzeitig Schlusspunkt und Startschuss einer nicht ganz unkomplizierten Geschichte. Das kommunale Gremium beendete jetzt die rege Diskussion um das optimale Schulformat in einer zweiten Sitzung rund um das Thema und machte den Weg endgültig frei für die Umstrukturierung.
Schon seit September 2014 arbeitet die Mittelschule Strullendorf als Offene Ganztagesschule und offeriert Schülern und Eltern ein kompaktes Programm rund um Mittagessen, Hausaufgabenzeit, Sport- und Freizeitangebote. Um das soziale Prinzip rund um Bildung, Erziehung und Betreuung auch auf die Grundschule auszuweiten, hat Schulleiterin Barbara Baur-Huther schon vor einem Jahr eine Bedarfs-Befragung bei den Grundschuleltern gestartet und ist nach großem Interesse direkt in die Konzeption eingetaucht.


Bereitschaft zur Zusammenarbeit

Vor zwei Wochen hatte sie das Projekt erstmals dem Gemeinderat vorgestellt: Weil neben dem Votum der Kommune auch noch die Zustimmung des Elternbeirates fehlte, lieferte der Gemeinderat schon zu diesem Zeitpunkt einen vorläufigen Beschluss zur Umsetzung mit der Bitte um Erarbeitung eines Raumkonzeptes - und um fruchtbare Kooperation mit den Elternvertretern.
Das Raumkonzept gab es schriftlich, der Elternbeirat kam persönlich: Die jeweils ersten Vorsitzenden vom Mittel- und Grundschul-Elternbeirat, Svenja Römer und Nicole Knobloch, warben bei der neuen Sitzung um Verständnis, erläuterten die Gründe für die anfängliche Skepsis und signalisierten Bereitschaft zur Zusammenarbeit: "Grundsätzlich sind wir nicht gegen die Einführung der OGS - wir möchten doch nur, dass alle offenen Fragen geklärt werden und sich Eltern mit ihrer Entscheidung leichter tun." Komplikationen barg vor allem die scheinbare Konkurrenz-Situation des Hort-Trägers Awo und des Offene-Ganztagesschul-Trägers KoBis. Während die Schulleitung die Mittagsbetreung als kostenfreie Ergänzung betrachtet, fürchteten viele Eltern die Schließung des Kinderhortes in Strullendorf - und den Verlust der Mittagsbetreuung in der Schul-Zweigstelle Amlingstadt.


Keine Ausschluss-Situation

Mit drei Langzeitgruppen bis 16 Uhr und bis zu drei Kurzzeitgruppen bis 14 plant man auch laut Grund- und Mittelschul-Konrektorin Andrea Auring definitiv keine Ausschluss-Situation: "Wir haben absichtlich kein Angebot mit den ausführlicheren Betreuungszeiten-Zeiten des Awo-Hortes kalkuliert. Der Hort betreut im Moment über 50 Kinder, die zum großen Teil auf Öffnungszeiten bis 17 Uhr, auf den Freitag und auf ein Ferienprogramm angewiesen sind, die OGS betreut nur viel kürzer, bis einschließlich Donnerstag und überhaupt nicht in der Urlaubszeit." Damit die Awo im Boot bleibt, bekannte sich neben den Gemeinderäten auch Bürgermeister Wolfgang Desel (CSU) zur parallelen Hort-Versorgung, die als real existierende Alternative ebenfalls in den endgültigen Beschluss eingebaut wurde. "Die bestehende Kinderhorteinrichtung der Awo wird neben der Offenen Ganztagesschule weiterhin angeboten."
Seit der Initialzündung des Gemeinderates werden in den Grundschulen Strullendorf und Amlingstadt aktuell Anmeldungen an Eltern und Kinder verteilt. Nach der Rücklauffrist bis zirka 17. März ist Aktivismus angesagt: Mit den konkreten Zahlen kann die Schule in die realistische Raumplanung und der Träger in die Personal-Organisation und ins kreative Programmieren einsteigen. Bis zum 12. Mai folgt dann wiederum die finale Anmeldung bei der Regierung - und zum Schuljahresanfang im September soll schließlich das Debüt der Offenen Ganztages-Grundschule gefeiert werden.