Sabine Weinbeer

Dass Archäologen wetterfest sein müssen, das erleben derzeit Britta Ziegler und ihre Studenten in Eltmann. Vergangene Woche Regen, jetzt scheint zwar die Sonne, dafür pfeift der Wind über den Burgstall, wo die Lehrveranstaltung der Universität Bamberg stattfindet. Weil der Burgstall in Eltmann sagenumwoben ist, kamen dieser Tage auch allerhand Interessierte aus der Stadtverwaltung und dem Heimatgeschichtlichen Verein hinauf.
Vom idyllischen Loochbachtal zwischen Eltmann und Limbach geht es steil hinauf auf den Burgstall. Auch wenn der Bergrücken früher als Viehberg diente, hat der Name dennoch nichts mit Stall zu tun, erklären Günther Reiß und Willi Lediger vom Heimatgeschichtlichen Verein.
Burgstall - diese Flurbezeichnung findet sich häufig in Deutschland, und zwar überall da, wo früher eine Burg gestanden haben soll. Dabei muss es sich nicht zwingend um eine typische, gemauerte Burg gehandelt haben. Frühe Fliehburgen waren eher durch Gräben, Wälle und Palisadenzäune befestigt.
Eine solche Fliehburg aus der Zeit um 900, als immer wieder marodierende Horden aus dem Gebiet des heutigen Ungarns die Gegend unsicher machten, wurde auch auf dem Burgstall vermutet. Dafür gibt es bisher keine Belege. Gegraben wurde bisher auch nicht. Oberflächlich werden immer wieder Scherben gefunden - vor Jahrzehnten vom damaligen Kreisheimatpfleger Paul Hinz, ganz aktuell von Britta Ziegler und ihrem Team. Die stammen frühestens von 1100, die meisten aus dem 13. und 14. Jahrhundert.
Im Rahmen der Lehrveranstaltung gehen die Studenten dem Burgstall jetzt mit elektrischem Strom auf den Grund. Sonden werden in den Waldboden gesteckt, der Strom dringt halbkugelförmig in den Untergrund ein und liefert am Laptop ein Bild von der Dichte des jeweiligen Bodens bis etwa drei Meter Tiefe. Dunkelblau bedeutet lockerer Boden - das kann eine verfüllte Grube sein, aber auch der ehemalige Standort eines Gebäudes. Rot ist eine Stelle, die Strom ganz schlecht leitet: Fels, Mauerreste - oder auch ein Hohlraum.
Die Theorie von der Fliehburg hält Britta Ziegler für nicht haltbar, denn die Anlage, die heute nur mit Erläuterung anhand der drei umgebenden Gräben zu erkennen ist, wäre dafür mit ihren insgesamt 158 Metern Länge zu groß und aufwendig. Natürlich könnte auch zunächst eine solche Fliehburg auf dem Burgstall gewesen sein, die dann später ausgebaut wurde. "Das könnten aber nur Grabungen zeigen", sagt Günther Reiß, der zugibt, sehr gespannt zu sein auf die Ergebnisse der Messung.
Er kam in den 1970er-Jahren nach Eltmann und hat sich rasch für die hiesige Geschichte interessiert, die früher auch im Heimat- und Sachkundeunterricht noch eine größere Rolle spielte, so einige Teilnehmer der Exkursion. Die Kinder ließen sich faszinieren von Fakten, aber natürlich besonders von den Geschichten rund um die Wallburg und benachbarten Burgen, von unterirdischen Gängen und versunkenen Orten - und vom Burgstall natürlich.
Nach Abschluss der Lehrveranstaltung müssen die Ergebnisse in Bamberg noch nachbereitet werden. Unter anderem müssen die Messungen auf den Geländeverlauf umgerechnet werden.
Die Ergebnisse, die direkt von den Sonden auflaufen, gehen zunächst von einer vollkommen ebenen Fläche auf dem Bergrücken aus, der rechts und links steil abfällt. Die Forscher müssen allerhand anschleppen - darunter auch Wasser. Ohne Feuchtigkeit fließt kein Strom im Boden, "und die Trockenheit des Waldbodens hier hat uns doch überrascht", erläutert Britta Ziegler. Ausgehend von einem ersten Schnitt setzen sie immer wieder bei einer Auffälligkeit an, um die nächste Sonden-Reihe zu installieren.
Die Wissenschaftler rechnen nicht mit besonders spektakulären Funden, doch für die Eltmanner könnte sich ein weiterer Schleier über dem Burgstall lüften. Der Bürgermeister Michael Ziegler dankte Britta Ziegler und ihrem Team für die Forschungsarbeit und zollte ihnen Respekt für ihre Wetterfestigkeit. Willi Lediger und Günther Reiß hoffen auf weitere Puzzlestücke für ihr Bild vom Burgstall. "Wenn er Fliehburg war, dann ist es fraglich, für welchen Ort, denn sowohl Eltmann als auch Limbach sind verhältnismäßig weit weg. Andererseits war hier auch ein idealer Standort, weil es ein Stück unterhalb eine Quelle gibt", schildert Willi Lediger. "Auf jeden Fall war hier nicht der Pferdestall der Wallburg, wie auch eine alte Geschichte erzählt", so der Burgenspezialist des Eltmanner Heimatgeschichtlichen Vereins.