Nach einer kurzen Vorstellungsrunde mit den Fragen und Zielen, die sich jeder für dieses Wochenende gestellt hatte, ging es auch gleich mit der ersten Theorieeinheit beim Trainerlehrgang zum Thema Selbstverteidigung in Herzogenaurach los. Es ging um das Verstehen und den richtigen und angemessenen Umgang mit Gewalt. Dazu sollte man die richtige Einstellung, die richtige Taktik und Fähigkeiten haben.

Allen voran steht die Wahrnehmung, nicht nur von sich selbst und dem Gegenüber, sondern auch von der Umgebung, um nicht völlig überrascht zu werden. Abhängig vom persönlichen Stresslevel kann diese Wahrnehmung sehr eingeschränkt sein und der Fokus nur in eine Richtung, auf eine Sache, gehen.

Nach einer gemütlichen Mittagspause in der Sonne ging es zurück in die Halle, um die eigene Wahrnehmung zu prüfen. In unterschiedlichen Übungen wurde das Stresslevel immer weiter angehoben. Trotz voller Konzentration und Fokussierung auf die Übungen kam es vor, dass die Teilnehmer sich von den Profis überlisten ließen.

Doch genau hier setzte der Lehrgang an. Die Trainer holten die Teilnehmer ab und zeigten ihnen stufenweise, wie sie ihre Wahrnehmung immer wieder erweitern und die Situation bewerten.

Eskalation erkennen

Der nächste Schritt: Die Stufe der Eskalation erkennen und entsprechende Reaktionen zeigen. Dass es nicht die eine "ultimative Technik" für jede Situation gibt, wurde schnell klar. Deshalb braucht es ein Repertoire an Auswahlreaktionen, damit man überhaupt reagieren kann und nicht in eine Schockstarre verfällt.

Auch dies wurde stufenweise trainiert. Gegenreaktion starten, nicht nur verteidigen - das war das Credo. Um die Angriffe realistischer zu gestalten, mussten Plastikwasserflaschen herhalten. Diese Plastikflaschen wurden schwungvoll und mit viel Spaß aufseiten der Angreifer auf den Verteidiger "eingestoßen", bis die Gegenreaktion kam. Beim gemeinsamen Essen ließen die verausgabten Teilnehmer den Abend ausklingen.

Der zweite Tag startete mit spielerischen Übungen in der Gruppe, um auch hier wieder bei schrittweise steigendem Stresslevel die Wahrnehmung zu schulen und Auswahlreaktionen zu provozieren. Es hieß: Wahrnehmen, orientieren, entscheiden, auswählen und agieren. Damit man, wenn man in einer Schleife zwischen Wahrnehmung und Orientierung gefangen ist, sich aus der Schleife der eigenen Wahrnehmung befreit. Das ist zum Beispiel durch einen kurzen Schrei möglich oder durch einen Schritt, den man zurücktritt. Abschließend gab es eine kurze Theorieeinheit zum Thema rechtliche Fragen bezüglich Notwehr und Nothilfe.Das Fazit der Teilnehmer: Viel Spaß, keine Verletzungen und jede Menge Anregungen fürs Training und den Alltag.

Mareen Menges/Martin Wenger