Stephan Herbert Fuchs Ein 25-jähriger Auszubildender aus Kulmbach soll für zahlreiche Schmierereien im Stadtgebiet verantwortlich sein. Dabei geht es um besprühte und bemalte Gegenstände wie Verteilerkästen und Zigarettenautomaten sowie Gebäude, Türen, Tore und Wände in Unterführungen. Ob es der Angeklagte allerdings wirklich war, steht noch lange nicht fest. Das Gericht muss dazu erst eine ganze Reihe weiterer Zeugen hören. Die Verhandlung wurde deshalb auf den 23. Oktober vertagt.

Nach Recht und Gesetz muss die Täterschaft des jungen Mannes für jede Einzeltat zweifelsfrei feststehen. Davon ist man meilenweit entfernt, denn alles, was man bislang Belastendes hat, ist eine Sprühdose, die der Angeklagte mit sich führte, sowie zahlreiche Dosen und Farben, die bei einer Hausdurchsuchung sichergestellt wurden.

Legale Graffitis

Sein Mandant sei durchaus jemand, der das macht, sagte Verteidiger Alexander Schmidtgall. Graffitis seien nämlich auch legal möglich, in Bayreuth etwa oder am neuen Wohnort des Angeklagten. Auch ein Zeuge, ein Kumpel des jungen Mannes, bestätigte, dass der Angeklagte sich durchaus für Hip-Hop und Street Art interessiere, und da gehörten die Graffitis zweifellos dazu.

Der Verteidiger bemängelte auch, dass die Polizei "schlampig ermittelt" habe. So hätten sich die Beamten auf bestimmte Schriftzüge konzentriert und überall im Stadtgebiet, wo sie ähnliche Züge fanden, hätten sie es dem Angeklagten zugerechnet. "Locke Nr. 19" lautet einer dieser markanten Schriftzüge, gemeint ist damit ein in bestimmten Kreisen bekannter Rapper aus Berlin.

Was die einen Street Art nennen, bezeichnen die anderen als üble Schmierereien und als Sachbeschädigung. Am Tor eines Anwesens in der Oberen Stadt hatte der Eigentümer nun schon zum zweiten Mal damit zu kämpfen. Die sachgerechte Beseitigung durch einen Malerfachbetrieb koste ihn jedes Mal 150 Euro, sagte der Mann vor Gericht. Der Angeklagte selbst sagte nichts und schwieg während der gesamten Verhandlung.

Laut Staatsanwaltschaft geht es unter anderem um besprühte Bahnunterführungen am Bahnhof und an der Weinbrücke, um Verteilerkästen und Trafohäuschen am Goldenen Feld und in der Luitpoldstraße sowie um besprühte Zigarettenautomaten, Mülleimer und Hinweisschilder in der Hardenbergstraße und in der Melkendorfer Straße. Allein bei der Unterführung an der Weinbrücke wurde der Schaden auf rund 5000 Euro beziffert. Insgesamt beläuft sich der Schaden auf einen fünfstelligen Betrag.

Aufmerksamer Zeuge

Auf den Angeklagten gekommen waren die Ermittler durch einen Zeugen, der gesehen hatte, wie der Angeklagte am Baggersee bei Mainleus die Hinterlassenschaften einer Grillparty im Gebüsch entsorgen wollte. Der Mann hatte sich das Kfz-Kennzeichen der Müllsünder notiert und der Polizei gemeldet.

Bei ihren Ermittlungen waren die Polizisten dann auch auf eine Farbsprühdose gestoßen, die zweifelsfrei dem Angeklagten zugerechnet werden konnte. Ganz in der Nähe war am gleichen Tag eine Unterführung frisch besprüht worden.

Nun will das Gericht die beiden Begleiterinnen der Männer hören, die Familie des Zeugen und die polizeilichen Ermittler. Zweifellos fest steht dagegen, dass der Angeklagte auch noch rund eineinhalb Gramm Marihuana und nochmal eineinhalb Gramm Marihuana-Tabak-Gemisch in seinem Besitz hatte. Das Rauschgift fanden die Ermittler in seiner Wohnung. Den Besitz der Drogen räumte der Angeklagte unumwunden ein. Die Verhandlung wird fortgesetzt.