von unserem Redaktionsmitglied 
Bernhard Panzer

Herzogenaurach — Wenn in der heutigen Zeit eine Straße gebaut wird, dann kostet das schnell mal eine halbe Million und mehr. Und zwar Euro. Vor gut 50 Jahren war das noch anders.
Im Mai 1962 wurde, wie dem gut bestückten Privatarchiv des Herzogenaurachers Georg Peetz zu entnehmen ist, die Eichendorffstraße zu Ende gebaut. 112 Meter Länge dieser Wohnstraße kosteten genau 24 000 DM. Zusammen mit dem ersten Teilstück, das bereits zwei Jahre zuvor gebaut worden war, beliefen sich die Gesamtkosten der Baumaßnahme auf 90 000 DM. 415 Meter Straße also für umgerechnet nicht mal 50 000 Euro.
Auf heutige Verhältnisse umgerechnet, müsste man den vierfachen Preis ansetzen, sagt Bauamtsleiter Gerhard Merkel. Also rund 200 000 Euro für den reinen Straßenbau. Da sind Grunderwerb, Erschließung, Kanalbau und Beleuchtung noch nicht mit erfasst.

536 Meter auf der Herzo Base

Eine der letzten komplett neuen Straßen, die in Herzogenaurach gebaut wurden, ist eine Wohnstraße im neuen Baugebiet auf der Herzo Base. Diese ist 536 Meter lang, benötigt an reinen Fahrbahnkosten 293 000 Euro und insgesamt mit allen weiteren Kosten etwa 900 000 Euro, gibt Christian Stöcker vom Bauamt Auskunft.
Über den Bau der Eichendorffstraße berichtete das städtische Amtsblatt am 11. Mai vor 53 Jahren. Damals wurde darauf verwiesen, dass der neue Teil ein wichtiges Baugebiet erschloss. Somit konnte man die Baugenehmigungen zügig erteilen.
Auch über ein paar technische Details wird informiert. So bekam die Straße eine reine Fahrbahndecke von 6,70 Meter. Beiderseits kamen Gehwege hinzu, so dass sich eine stattliche Breite von 9,50 Meter ergab. Die Eichendorffstraße wurde als eine gute Verbindung von der Flughafenstraße zur Erlanger Straße betrachtet, die auch für die Glockenstraße eine merkliche Entlastung bringen sollte.

Solide Arbeit

Auch Lob hatten die namentlich nicht genannten Verfasser des Berichts parat. So heißt es unter anderem: "Natürlich wurde auch in diesem Falle durch den städtischen Bautrupp unter der Leitung von Thomas Hamper recht solide gebaut, damit durch auftretende Fröste keine Überraschungen kommen."
Daher wurde eine zehn Zentimeter starke Filterschicht eingebaut. Darauf kamen 25 Zentimeter Schrotten und zehn Zentimeter Schotter, abschließend als Decke eine fünf Zentimeter starke Kaltasphaltschicht. Eine "gute Beleuchtung" sollte nach der Fertigstellung noch folgen, hieß es weiter.
Ein solcher Fahrbahnaufbau ist in der heutigen Zeit allerdings nicht mehr üblich, erläutert Bauamtsleiter Merkel. Vor allem was die Asphaltdecke angeht. Aus heutiger Sicht wäre das eher "ein schlechter Flurbereinigungsweg". Kaltasphalt werde gar nicht mehr eingesetzt, sondern heißer Bitumen. Statt der fünf Zentimeter nähme man heute eine 14 bis 16 Zentimeter starke Schicht.
Diese deutlich stärkere Ausführung sei der deutlich größeren Belastung durch den Straßenverkehr geschuldet, sagt Merkel. Die Autos sind deutlich größer und schwerer geworden, ganz abgesehen von der weitaus höheren Anzahl der Fahrzeuge heutzutage.