Der leistungsorientierte Freizeitsport ist durch die Corona-Pandemie zum Erliegen gekommen. Besonders sehr technisch orientierte Sportarten finden praktisch nicht mehr statt. Die Schwimmer sitzen im wahrsten Sinn des Wortes auf dem Trockenen, die Schwimmbecken sind geschlossen. Ebenso prekär die Situation für die Turner: Die Sporthallen können nicht benutzt werden. Joggen, zuhause Gymnastik und Krafttraining - alleine oder online verbunden mit der Trainingsgruppe - sind die wenigen Möglichkeiten, um die allgemeine Fitness zu erhalten. Aber für die speziellen Anforderungen und Bewegungsabläufe der Schwimmer und Turner bringt das wenig.

"Wir haben schon einige Abmeldungen hinnehmen müssen", sagt Oliver Schuller, Abteilungsleiter Schwimmen der SG Rödental. Darunter sind nach seinen Worten Freizeitschwimmer alter Altersgruppen. Von März bis Oktober vergangenen Jahres war kein durchgängiger Übungsbetrieb möglich. "Nur an einem Wettkampf im Oktober konnten wir teilnehmen, dann kam der zweite Lockdown." Schwimmspezifische Übungen im Wohnzimmer gibt es nicht.

Ähnlich pessimistisch blickt Ernst Weitl in die sportliche Zukunft. Der stellvertretende Vorsitzende des Turnvereins Ketschendorf (TVK) und Turntrainer ist überzeugt: "Es werden wohl einige das Handtuch werfen. Ich würde mich freuen, wenn ich nicht recht hätte". In der vereinseigenen Sporthalle im Coburger Stadtteil Ketschendorf sind die Turngeräte einschließlich der Trainingshilfen aufgebaut. Hinter und vor dem Stufenbarren drängeln sich Reck und Barren, daneben die Anlaufbahn für die Sprungübungen. Matten und immer wieder Matten bedecken den Hallenboden, von der Decke herunter hängen die Klettertaue. "Wir haben für das Turntraining hier fast alle Geräte, aber durch die Pandemie muss die Halle verwaist sein", stellt Weitl mit etwas Bitterkeit und Bedauern fest. Nur die sechs Kaderturner des TVK dürfen trainieren - allerdings nur zwei gleichzeitig und mit gehörigem Abstand zueinander und zum Trainer. Im Sommer versuchte der TVK aus der Not eine Tugend zu machen und verlegte das Training ins Freie. "Aber da waren kein Sprung und Schwebebalken möglich."

Durch den mittlerweile monatelangen Trainingsausfall sind nach den Worten von Ernst Weitl viele der zuvor eingeübten Automatismen und die Koordination verloren gegangen. "Schon zwei Wochen ohne Übungen, und die Kraft lässt nach", sagt er und verweist auf die enormen Belastungen, denen die Turner etwa am Reck standhalten müssen. "Da kommt bei einer Riesenfelge schnelle eine Tonne zusammen. Dazu muss die Fingerkraft gut ausgebildet sein." Ohne ständiges Training wachse auch die Verletzungsgefahr.

Fähigkeiten gehen verloren

Mit ähnlichen Schwierigkeiten sehen sich die Übungsleiter Oliver und Claudia Schuller konfrontiert. Schon im vergangenen Jahr musste während der kurzen Öffnungsperiode der Schwimmbäder zunächst "erst wieder die Technik trainiert werden. Inzwischen sind die Kinder und Jugendlichen gewachsen". Das erforderte zunächst wieder ein umfangreiches Grundlagentraining, sowohl für die Ausdauer wie für die Schwimmtechnik, stellt Oliver Schuller fest.

Natürlich hat der Rödentaler Verein ebenfalls ein umfangreiches Onlineangebot erarbeitet. "Aber besonders die Grundschüler sind durch den Distanzunterricht mittels Internet gehörig gefordert." Da sei Online-Training nicht unbedingt erfolgreich und könne auch die Dynamik einer realen Sportgruppe kaum ersetzen.

Ohne die Virus-Pandemie verbringt Oliver Schuller meist vier Abende in der Woche im Hallenbad, stoppt Zeiten, gibt Startkommandos und Hinweise, sagt die nächsten Einheiten an. Seit dem Lockdown kennt er nun auch das abendliche Fernsehprogramm. "Viele warten darauf, wieder schwimmen gehen zu können, aber es wird nicht mehr so wie vor der Pandemie sein."