Michael Busch Ungewohnte Stille. Ungewohnte Leere. Dort, wo am Tag Tausende von Autos und Lastwagen den Landkreis Erlangen-Höchstadt auf der Autobahn queren, scheint die Welt stehenzubleiben. Selbst zu Coronazeiten hat es mehr Bewegung und Lärm gegeben, als am Samstagabend kurz nach 20 Uhr.

Doch mit der Ruhe ist es nicht lange hin. Kurze Zeit später durchdringt ein monotones Hämmern die Nacht, Ketten quietschen, Stahl trifft auf Stahl, Motorengeräusche sorgen dafür, dass der Vollmond weit weg von dem Gedankengang ist, dass dieser still und leise am Firmament stehen könnte. Unzählige Menschen tigern die leere Autobahn entlang, um in gebührenden Abstand auf den Grund all dieser Vorkommnisse zu blicken. "Wir reißen hier im Rahmen des Autobahnausbaus die Brücke zwischen Röttenbach und Niederlindach ab", erklärt Markus Kranz. Der Bauleiter der Firma Eiffage beobachtet das rege Geschen der voll gesperrten A 3 zwischen den Ausfahrten Erlangen-West und Höchstadt-Ost.

"Bis morgen früh um 4 Uhr muss die Brücke weg sein, dann wird aufgeräumt und spätestens um 6 Uhr soll der Verkehr wieder laufen", erklärt er in kurzen Worten das Projekt, das bereits seit mehreren Monaten intensiv geplant wird. Bevor Kranz mit seiner Mannschaft allerdings loslegen durfte, mussten die vier Fahrbahnen, die in spätestens vier Jahren auf sechs ausgebaut werden, gesperrt werden. "Keine ganz leichte Aufgabe", erklärt Hans-Uwe Voigt, Verkehrskoordinator des Unternehmens Bunte.

Die Sperrung selber sei der noch kleinere Akt, da werde halt an den entsprechenden Aus- und Abfahrten die entsprechende Verkehrsregelung gestartet, die Strecken dichtgemacht. "Die Vorplanung zieht sich über Monate", sagt er. Die Umleitungsstrecken werden sorgfältig ausgesucht, möglichst im Modus "Rechts abbiegen", damit es zu wenig Begegnungsverkehr bei Kreuzungen kommt. "Es gibt aber auch einen Plan B", sagt Voigt, "wenn es zu Unfällen auf den Umleitungsstrecken kommt und wir schnell reagieren müssen." Er gibt aber zu, dass die Zeit der Sperre - Samstag 20 Uhr bis Sonntag 6 Uhr - schon optimal sei. "Da ist die Verkehrsbelastung generell nicht so hoch."

Gute Rahmenbedingungen

Auch Markus Kranz freut sich über die Rahmenbedingungen, wenn auch das Zeitfenster sehr sportlich sei. "Da müssen die Maschinenführer schon sehr konzentriert arbeiten." Und mit einem Blick in den Himmel ergänzt er, dass das Wetter auch optimal sei. "Für eine Baustelle in einer Stadt, wäre das zu trocken", sagt er. Hintergrund: Die massive Staubbelastung ist in bewohnten Gebieten nicht gewünscht und wird versucht zu vermeiden. "Hier zwischen Äckern ist das nicht so schlimm und da können wir richtig loslegen."

Unvernünftige Fahrer

Die gut 50 Neugierigen, die sich das Spektakel an der Autobahn nicht entgehen lassen wollten, sehen das auch so. In gebührendem Abstand bieten sich spektakuläre Bilder. "Es ist natürlich ein Job wie immer", sagt Kranz. Gibt aber zu: "Es juckt schon, mit den hier vorhandenen Geräten selber Hand anzulegen." Er hat das Geschäft von der Pike auf gelernt und weiß um die Arbeiten in den Kabinen. Wenn auch der Abriss brachial aussieht, die Fahrer brauchen Fingerspitzengefühl, um zum erwünschten Ergebnis zu kommen.

Wovon beide nichts mitbekommen, ist der Verkehr rund um die Baustelle. "Wer sich auskennt, sollte die gesperrte Baustelle weiträumig umfahren", heißt es im Verkehrsfunk. Die wenigsten, die diese wichtige Nord-Süd-Achse nutzen, kennen sich aber in der Gegend aus. Auch die vorgegebenen Umleitungen werden von manchen Fahrern eher als Empfehlung gesehen, denn als die Möglichkeit, schnell ans Ziel respektive zurück auf die Autobahn zu kommen.

Gerade bei den Sattelzügen, die diese Strecken verlassen, kommt es zu unerwünschten, nicht geplanten Situationen. So schieben sich zum Beispiel in Hannberg auf engster Ortsdurchfahrt die schweren Gefährte in Millimeterarbeit und in Schneckentempo aneinander vorbei. Lange Staus und verärgerte Fahrer in den anderen Mobilen sind die Folge.

Für die Arbeiter vor Ort ging alles gut. Man bleib im Plan, die Brücke ist weg. Der Schutt liegt auf der Seite und wird bei wieder laufendem Verkehr abtransportiert. Das machen aber dann andere Mitarbeiter. Für die Nachtarbeiter heißt es erst einmal: Klamotten aus, Duschen und ab ins Bett. Ende einer Baustelle.