Über die Hälfte der oberfränkischen Unternehmen rechnet bei ihrer Geschäftsentwicklung frühestens 2021 mit einer Rückkehr zur Normalität. Dies ergab die jüngste Corona-Blitzumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Oberfranken Bayreuth. Viel Kritik gibt es seitens der Unternehmer zum hohen bürokratischen Aufwand im Zusammenhang mit der Senkung der Mehrwertsteuer für das zweite Halbjahr 2020.

"Die Ergebnisse unserer vierten Blitzumfrage zeigen, wie wichtig Maßnahmen zur Stabilisierung der Unternehmen sind. Das auf den Weg gebrachte Konjunkturprogramm wird nicht allen Unternehmen helfen, aber einen sehr wichtigen Beitrag leisten", sagt Gabriele Hohenner, Hauptgeschäftsführerin der IHK für Oberfranken Bayreuth, "die Umfrage zeigt aber auch, wie wichtig eine unbürokratische und zeitnahe Umsetzung ist."

Umsatz ist rückläufig

Gut zwei Drittel der oberfränkischen Unternehmen rechnen laut Pressemitteilung der IHK für 2020 mit einer rückläufigen Umsatzentwicklung, darunter 24 Prozent mit einem Umsatzrückgang von über einem Viertel und acht Prozent mit einem Umsatzrückgang um mehr als die Hälfte. Gerade einmal acht Prozent rechnen gegenüber 2019 mit einem Umsatzzuwachs. "Im Vergleich zur ersten Corona-Blitzumfrage im März haben sich die Erwartungen etwas verbessert, bleiben aber klar im negativen Bereich", analysiert der IHK-Konjunkturreferent Malte Tiedemann, "nicht überraschend, dass vor allem Reisebüros und das Gastgewerbe mit einem Umsatzrückgang von über 50 Prozent rechnen." Auswirkungen hat die Covid-19-Pandemie in erster Linie auf die Nachfrage (61 Prozent), die Investitionsplanungen (52) und auf die Stornierung von Aufträgen durch Kunden (42 Prozent).

Lieferketten umgestellt

Bundesweit haben immerhin acht Prozent der Unternehmen ihre Lieferketten umgestellt. Davon profitieren vor allem Zulieferer aus Deutschland und Europa. Bei der Finanzierungssituation sind viele Unternehmen weiter unter Druck. Jeweils ein Drittel der Unternehmen verzeichnet einen Rückgang beim Eigenkapital und Liquiditätsengpässe. Während die Liquiditätsengpässe quer durch alle Unternehmensgrößen gehen, sind vom Eigenkapitalrückgang in erster Linie kleinere Unternehmen betroffen. 38 Prozent aller Unternehmen verzeichnen keine negativen Auswirkungen.

Zur Abfederung der Auswirkungen der Corona-Pandemie setzen knapp zwei Drittel der Befragten auf das Kurzarbeitergeld. 28 Prozent haben Steuerstundungen beantragt, 22 Prozent Soforthilfe. 20 Prozent setzen auf Kredite einer Förderbank.

Den von der IHK-Organisation ins Gespräch gebrachten Verlustrücktrag von 2020 ins Steuerjahr 2019 haben bereits 14 Prozent umgesetzt. Während Unternehmen mit bis zu 19 Beschäftigten überdurchschnittlich oft auf die Soforthilfe gesetzt haben, waren bei größeren Unternehmen ab 200 Mitarbeitern überproportional häufig Kurzarbeitergeld sowie Kredite der LFA (Förderbank Bayern) oder der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW) gefragt.

Kurze Laufzeit

Bei den offenen Fragen werden von sehr vielen Unternehmen der hohe Aufwand und die kurze Laufzeit der Mehrwertsteuersenkung kritisiert. Sie sei nur teuer, mache viel Aufwand und bringe kaum etwas, fasst es einer der Befragten zusammen. "Wir haben viele Rückmeldungen von Unternehmen, die von einem erheblichen Verwaltungs- , Abgrenzungs- und Kostenaufwand sprechen, um die Mehrwertsteuersenkung für gerade einmal sechs Monate umzusetzen", berichtet Hohenner. Dazu zählen auch B2B-Unternehmen, die keinen Nutzen von der Senkung hätten, aber einen immensen Aufwand. red