Wort zum Sonntag für den 3. Oktober:

W ir feiern Erntedank - wie jedes Jahr. Unsere Kirchen sind geschmückt mit den Früchten von Feld, Wald und Gärten. In manchen Kirchen finden wir darüber hinaus auch "Früchte der menschlichen Arbeit".

Gläubige treffen sich am Sonntag zu besonderen Gottesdiensten. In manchen Orten gibt es sogar Erntedank-Traditionen mit Umzügen, Feiern, Festen, die auch in diesem Jahr noch einmal anders ausfallen. Menschen aller Nationen, aller Kulturen und Religionen feiern Erntefeste: bunt und lebendig. Sie feiern miteinander dieses Fest und ahnen, wissen und glauben, dass unsere Existenz nicht nur von unserem Wollen und Können abhängt.

Damit ich Erntedank feiern kann, gehört der Blick für das Wesentliche dazu. Ich erfahre, dass mein Leben zuallererst ein Geschenk ist. Menschen erleben, dass sie mit allem, was lebt, verbunden sind und das weit über ihren kleinen Lebenskreis hinaus. Menschen wissen um die Zerbrechlichkeit der eigenen Existenz und darum, dass wir nicht alles in der Hand haben. Für mich gehört auch dazu, dass ich die vielen wunderbaren Kleinigkeiten wahrnehmen kann, die mir jeden Tag geschenkt werden. Dazu braucht es Bewusstheit und ein gehöriges Maß an Achtsamkeit mit dem, was ich tagtäglich in meinem Alltag erfahre.

Für Menschen, die diese Grunderfahrungen teilen, wird klar, dass wir in einer großen Verbundenheit auf diesem Erdenrund leben, die mich einbindet in ein großes Ganzes, das meinen kleinen Horizont bei Weitem übersteigt, das mich öffnet für die Gemeinschaft und das mich weit macht für die Erfahrung, dass hinter allem - wie es auch im ersten Schöpfungsbericht in der Bibel steht - Gottes Schöpferkraft steht. Gott meint es gut mit uns und allem Lebendigen. Am Ende des letzten Schöpfungstages sagt er beim Blick auf die Schöpfung: "Und siehe: Es war sehr gut!" Schon da zeigt sich die Verbundenheit und das Eingebundensein in ein Großes und Ganzes.

Für mich hat das Konsequenzen, die ich beim Erntedankfest in diesem Jahr wieder in den Blick nehmen möchte: Das Wissen um diese große Verbundenheit auf unserem Planeten und darüber hinaus macht mich dankbar. Es lässt mich staunen. Gottes Spuren zu entdecken in Menschen, die mir begegnen, in Gesprächen, die mich berühren, in Worten, die trösten, im Blick auf Orte, die so wunderschön sind, dass mein Herz ganz weit wird, in dem, was mir jeden Tag neu zum Leben geschenkt wird, macht mich demütig und dankbar. Ganz tief erfüllt mich die liebevolle Gewissheit, mit wem ich mich weit über die Grenzen meiner kleinen Welt hinaus verbunden fühle.

Und gleichzeitig steckt darin die Verantwortung für jede und jeden von uns: Wenn ich den Dank für die Ernte, für mein Leben und für all das, was mir zum Leben geschenkt wird, feiere, dann bin ich auch dafür verantwortlich genau das zu schützen im Einsatz für eine bessere Welt, in der das Leben lebenswert ist.

Ich wünsche Ihnen immer wieder neu diese Erfahrung, wie kostbar unser Leben ist in jedem Augenblick und die Freude am Verbundensein mit allem Lebendigen!

Christine Seufert,

Pastoralreferentin

im Pastoralen Raum

Bad Kissingen