tobias herrling Lemgo — Lange mitgehalten und trotzdem deutlich unterlegen: Der HSC 2000 Coburg hat sein Auftaktspiel in der Handball-Bundesliga beim TBV Lemgo Lippe mit 26:33 (13:14) verloren und einen ähnlichen Coup wie vor vier Jahren in Melsungen verpasst. Eine Dreiviertelstunde ärgerte der Aufsteiger den TBV, lag zeitweise in Führung - und musste sich erst in der Schlussphase geschlagen geben.

1. Bundesliga

TBV Lemgo Lippe -

HSC Coburg 33:26 (13:14)

Die Freude bei den Anhängern des TBV war groß. Über ein halbes Jahr hatten sie in der Lipperlandhalle kein Bundesligaspiel verfolgen können. Am Donnerstag war die lange Handball-lose Zeit vorbei. Schon weit vor Anwurf nahmen die Trommler hinter dem Tor ihren Platz ein und machten sich lautstark bemerkbar. Und auf der Haupttribüne freute sich ein Ehepaar über den Saisonstart. "Ist das schön", sagte die Frau und erntete ein zustimmendes Lächeln ihres Mannes.

Ihre Laune und die der Lemgoer Zuschauer sollte sich aber im Laufe des Spiels verschlechtern. Doch zunächst ging es gut los für die Hausherren. Gedeon Guardiola besorgte auf Vorlage seines Zwillingsbruders Isaias - sie feierten am Donnerstag ihren 36. Geburtstag - den ersten Treffer des Tages. Tim Suton, nach einem Kreuzbandriss wieder genesen, und Bobby Shagen stellten nach nicht einmal fünf Minuten auf 3:0 - und HSC-Trainer Mraz nahm schon seine erste Auszeit. Zwar erzielte Tobias Varvne kurz darauf den ersten Coburger Bundesliga-Treffer nach drei Jahren, ins Spiel fanden die Gäste aber noch nicht und machten das, was sie eigentlich nicht machen wollten: überhastet abschließen und einfache Fehler produzieren.

Coburg half Lemgo, sein bekannt schnelles Umschaltspiel aufzuziehen. Shagen erhöhte per Gegenstoß und von der Rechtsaußenposition auf 6:2 (8.). "Wir waren zu ängstlich und mir hat der Mut gefehlt. Das haben wir zum Glück sehr gut abfangen können", sagte Mraz nach dem Spiel über die misslungene Anfangsphase. Doch der HSC fing sich. Mraz brachte Drasko Nenadic für Andreas Schröder, der im Angriff für Varvne Platz machte, und Jakob Knauer für Zetterman. Und im Tor kam Konstantin Poltrum für Kulhanek. Diese Änderungen machten sich bezahlt. Coburg spielte im Angriff druckvoller und geduldiger. Mit einem 3:0-Lauf verkürzten die Gäste auf 6:7 und waren wieder in Schlagdistanz. Ärgerlich: In Überzahl verpasste der HSC den Ausgleich, stattdessen stellten die Hausherren durch Isaias Guardiola wieder auf einen Drei-Tore-Vorsprung (10:7, 16.).

Knauer mit dem ersten Ausgleich

Fünf Minuten später besorgte Knauer mit einem Doppelschlag den 10:10-Ausgleich. Der Aufsteiger war wieder im Spiel, auch wenn längst nicht alles rund lief: Mal produzierte Nenadic in Überzahl ein unnötiges Stürmerfoul, mal verlor der HSC den Ball zu schnell und wurde prompt per Gegenstoß bestraft - wie bei dem 12:11 durch Torschützenkönig Bjarki Mar Elisson.

Trotzdem wurde die Laune der Lemgoer Zuschauer nicht besser. Die Hausherren, im Vorjahr auf Rang 10, spielten fahriger, scheiterten immer wieder am starken Poltrum und brachten kein Polster zwischen sich und den Aufsteiger. Mit seiner ersten gelungenen Aktion - einem "Wackler" und sehenswerten Dreher - besorgte Nenadic den 12:12-Ausgleich (28.). Trotzdem ging Lemgo mit einer 14:13-Führung in die Kabine. Coburg durfte sich aber über eine klare Steigerung während der ersten halbe Stunde freuen.

Und das ging nach dem Seitenwechsel weiter. Mraz brachte Kreisläufer Stepan Zeman, den Halblinken Christoph Neuhold und Linksaußen Max Preller. Vor allem das Duo Neuhold/Zeman tat dem HSC-Spiel gut. Erst traf Zeman zum Ausgleich, dann besorgte Neuhold die erste HSC-Führung des Spiels (15:14, 33.). Und in der Abwehr? Dort brachte die bewegliche und offensive 6:0-Deckung sowie Poltrum den TBV zum Verzweifeln.

"Das ist der siebte Ball, den er hält", stöhnte das TBV-Publikum über eine weitere Parade Poltrums. Der HSC witterte seine Chance, gegen ein schlagbares Lemgo einen Auftakt nach Maß zu landen. Nach dem 18:17 durch Zeman, sein dritter Treffer in zehn Minuten, nahm Kehrmann seine zweite Auszeit - und die zeigte Wirkung.

Acht Minuten ohne Tor

Mit drei Treffern in Folge drehte der TBV das Spiel zum 20:18. Wirklich Sicherheit bekam Lemgo aber zunächst nicht. Neuhold und Knauer per Konter - nach Sensations-Pass im Fallen von Billek - trafen zum 20:20 (45.). Erst danach drehte sich das Spiel in Richtung der Hausherren, die binnen weniger Minuten auf 24:21 stellten (50.) - und bis Minute 54 entscheidend enteilten. In den acht Minuten nach dem Ausgleich gelangen dem HSC Coburg nur noch zwei Treffer, Lemgo traf acht Mal und sorgte beim 28:22 (54.) dafür, dass der TBV einer hektischen Schlussphase entkam. Mit 33:26 siegten die Lemgoer letztlich zu deutlich.

"Wir wussten, dass Coburg als Aufsteiger mit breiter Brust spielen wird. Wir haben nach dem Torhüterwechsel der Coburger nicht mehr konsequent abgeschlossen und in der Abwehr vielleicht einen Schritt zu wenig gemacht, um Coburg zu Fehlern zu zwingen", sagte TBV-Trainer Kehrmann nach dem Spiel und sprach von einem zu deutlichen Erfolg.

Ähnlich äußerte sich HSC-Kapitän Andreas Schröder: "Ich glaube nicht, dass Lemgo sieben Tore besser war." Der Rückraumspieler haderte vor allem mit der Schlussphase, in der die Hausherren zu vielen einfachen Toren kamen. Auch Schröder sprach von einer starken halben Stunde, in der der HSC vieles richtig gemacht habe. Was es im Hinblick auf das erste Heimspiel am Dienstag gegen Leipzig zu verbessern gilt? "Wir müssen mehr Konstanz in unsere Leistung bringen. Wir hatten heute gute Chancen und es uns leider selbst etwas verbaut." Coburgs bester Mann an diesem Abend, Torwart Konstantin Poltrum, sagte: "Wir machen eigentlich ein ganz gutes Spiel, aber gerade im Angriff zu viele einfache Fehler. Wenn wir diese Fehler abstellen, möchte ich mal sehen, wie Lemgo darauf reagiert."

Die streckenweise gute Leistung solle dem HSC gegen Leipzig Mut machen. "Wir können mithalten und haben es teilweise in der Hand. Darauf müssen wir aufbauen", sagte Poltrum. Zum ersten Heimspiel möchte Coburg, wie am Donnerstag Lemgo, 1000 Zuschauer in die HUK-Arena lassen. "Man hat heute gesehen, dass auch weniger Zuschauer für eine tolle Stimmung sorgen können. Deshalb freue ich mich auf die Heimkulisse." Zeigt der HSC gegen Leipzig mehr Konstanz, könnte das mit zwei Punkten belohnt werden.