Am Montag verordnete das Landratsamt Haßberge wegen der Vogelgrippe die Stallpflicht für alle Geflügelhalter. Hermann Niediek ist nicht nur Bürgermeister der Gemeinde Burgpreppach, er lebt auch von der Geflügelhaltung. Niediek und viele kleine Geflügelzüchter im Landkreis hadern. Beim Hintergrundgespräch schaut Niediek auf Gebiete mit Wildvögeln, etwa den Eisweiher in Hofheim, den Main in Haßfurt und den Naturerlebnispfad in Ziegelanger. Sein Telefon steht seit Tagen nicht mehr still.
Besorgte Kunden und Kleintierhalter fragen nach Rat: "Was sollen wir machen? Sollen wir es ernst nehmen oder nicht? Müssen wir jetzt schlachten?", erzählt Niediek. Aber: "Die Regierung erlässt eine Verordnung, kümmert sich aber nicht um die Tierchen draußen. Diese 80 Enten und Schwäne hier im Main in Haßfurt kann keiner einsperren, auch nicht die unzähligen Tauben, das ist ja gar nicht möglich. Aber der private Geflügelhalter versteht daher erst Recht nicht, wieso er seine fünf Hühner und fünf Enten einsperren soll. Das will er auch nicht. Wenn man einen Hund nur noch im Badezimmer einsperrt, dann will man auch keinen Hund mehr haben, darum dreht es sich."
Niediek ist mit der Geflügelzucht in Westfalen aufgewachsen. Vor 19 Jahren kam der 52-jährige Wahl-Unterfranke nach Birkach und baute sich seinen Betrieb auf. Niediek schlachtet seine Gänse oder Enten nach einem halben Jahr und nicht "nach 48 Tagen mit Eiweiß hochgepäppelt", wie bei den Großkonzernen. Auf gut 12 000 Quadratmetern haben seine knapp 800 Gänse, Enten und Hühner genug Platz.


Das Augenmaß fehlt

Der erfahrene Züchter weiß: Die Geflügelpest habe es "immer gegeben. Irgendwann ist man drauf gekommen, die Krankheit Vogelgrippe zu nennen, um die Leute damit zu sensibilisieren. Alle Jahre wird ein neuer Erreger gefunden, angefangen mit H5N1, mittlerweile sind wir bei H5N8." Niediek ärgert es, dass "die allgemeine Stallpflicht für die gesamte Republik gilt, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Wir haben sonst immer Sperrbezirke gehabt, die ein paar Kilometer eingezäunt oder bewacht worden sind. Aber dass plötzlich ein ganzes Bundesland dicht macht, nur weil irgendwo ein paar tote Tiere gefunden worden sind, kann ich nicht nachvollziehen." Niediek fühlt sich an die Kettenreaktion mit BSE in Großbritannien mit massiven Notschlachtungen erinnert "das alles war nicht nötig. Nicht alle Rinder hätten getötet werden müssen." Natürlich sei ein echter Fall von Geflügelpest sehr ernst zu nehmen, weil in 48 Stunden 90 Prozent der Geflügel tot sind, "dann habe ich natürlich Verständnis dafür, dass die Tiere verbrannt werden". Für die Halter ist es gegenwärtig schrecklich: "Man muss bedenken, dass die freien und friedlichen Tiere auf engsten Raum eingesperrt werden, und schon geht der Kampf los: Wer bekommt das Wasser, die ersten Tiere verletzten sich, das erste Blut fließt. Vor lauter Aufregung im eingesperrten Stall wird nichts mehr gefressen und die Geflügel nehmen ab, und das ist dann mein Schaden als Züchter. Nicht zu vergessen die steigende Infizierungsgefahr. Wenn meine Tiere draußen sind, hatte ich noch nie Probleme gehabt, außer mit dem Fuchs." Sein Fazit: "Ich finde es einfach übertrieben." "Kleintierzüchter schützen Rassen, die schon seit Jahren am Aussterben bedroht sind, und nicht die Großkonzerne. Ohne die kleinen Betriebe und privaten Selbstversorger wäre das Sortiment an Geflügel um zirka 200 Sorten geringer." Angesichts der Vogelgrippe sieht er Panikmache. Letztlich werden wieder die Großunternehmen geschützt, die für ihre Millionen von Tieren das Geld für teure Impfstoffe haben.