Die Deutsche Post DHL hat in diesem Jahr bisher 1,6 Milliarden Pakete in Deutschland befördert. Damit hat das Unternehmen bereits fünf Wochen vor Jahresende mehr Sendungen abgewickelt als im gesamten Jahr 2019. Aus dem Jahr stammt auch die bisherige Höchstmarke von 1,58 Milliarden Paketen.

Herr Schneider, in der Zeit vor Weihnachten gibt es für die Paketdienste jede Menge zu tun, wenn die Geschenke bestellt werden. Wie sieht es derzeit bei Ihnen angesichts der Corona-Epidemie aus?

Thomas Schneider: Wir stehen als Deutsche Post DHL vor den stärksten Tagen im Jahr. In der letzten Woche hatten wir die mengenmäßig stärkste Woche aller Zeiten! Kunden bestellen im Internet, da sie derzeit nicht in die Innenstädte gehen wollen, um einen Bogen um das Virus zu machen. Wir liegen bei der Paketmenge rund 15 Prozent über dem Vorjahr - aktuell sogar bei circa 20 Prozent. Die Zahl von 1,6 Milliarden Paketen, die wir in Deutschland 2019 ausgeliefert hatten, hatten wir dieses Jahr schon Ende November erreicht.

Haben Sie genug Personal, um dies alles zu stemmen?

Wenn die Zahl an Paketen steigt, braucht man mehr Hände. Wir haben 10 000 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Unsere Paketzentren arbeiten an sechs Tagen in der Woche, 24 Stunden am Tag. In der Paketauslieferung haben wir eine zusätzliche Schicht eingeführt, sodass Pakete nun von sechs Uhr morgens bis in den späten Abend hinein zugestellt werden. Die Menge an Briefen ging dagegen dieses Jahr um rund zehn Prozent zurück. Einen Rückgang gibt es hier schon seit Jahren. Zur besseren Auslastung bearbeiten wir in den Briefzentren nun erstmals auch bis zu eine Million kleinformatiger Pakete am Tag.

Vor Weihnachten wird es also ganz schön stressig, oder?

Ja, die Zahl der Pakete wird nochmals deutlich steigen. Im Jahresschnitt transportieren wir pro Tag 5,4 Millionen Pakete. Derzeit, in der Vorweihnachtszeit, sind es im Schnitt 9,5 Millionen am Tag. Ich denke, dass wir am stärksten Tag vor Weihnachten auf 11 Millionen Pakete kommen werden. Das ist eine Verdopplung der Menge im Vergleich zum Jahresschnitt!

Schaffen Sie es, alle Sendungen pünktlich zuzustellen? Manchmal hört man ja auch von Verspätungen...

Die Corona-Vorsichtsmaßnahmen verändern natürlich den Betriebsablauf. Trotzdem schaffen wir es, 80 Prozent der Pakete und 90 Prozent der Briefe am nächsten Tag zuzustellen. Damit übertreffen wir das regulatorische Ziel deutlich. Wir erleben gerade in der Corona-Pandemie bei den Kunden eine große Dankbarkeit, dass wir die Zustellung von Briefen und Paketen zuverlässig die ganze Pandemie über aufrechterhalten konnten. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten hier Großartiges! Kommt ein Paket wirklich einmal später an, ist der Hintergrund häufig die nötige Vorsicht in der Corona-Pandemie.

Bis wann muss ein Kunde denn ein Paket abschicken, damit es den Beschenkten noch rechtzeitig vor Weihnachten erreicht?

Wer bis Samstag, 19. Dezember um 12 Uhr ein Paket in einer Filiale oder Packstation aufgibt, kann davon ausgehen, dass es bundesweit bis Heiligabend zugestellt ist. Bei Karten und Briefen reicht es, sie bis 22. Dezember einzuwerfen. Wir wissen aber nicht, was noch an Corona-Beschränkungen kommt. Deshalb lautet unsere Bitte: Bestellen Sie Ihre Geschenke in diesem Jahr so früh wie möglich.

Wie schützen Sie denn Ihre Mitarbeiter vor Corona?

Um Ansteckungen zu vermeiden, reduzieren wir die Kontakte zum Beispiel bei der täglichen Vorbereitung der Zustellung. Hier haben wir die Schichten geteilt: Die eine Hälfte fängt dann zum Beispiel um 7 Uhr an, die andere Hälfte um 9 Uhr. Dann hat die erste Hälfte bereits das Gebäude verlassen. Daneben verfolgen wir eine umfangreiche Teststrategie: So haben wir in den vergangenen Wochen zum Beispiel Reihentests in allen Paketzentren für die die komplette Mannschaft durchgeführt, um Corona-Ansteckungen zu vermeiden. Im gesamten Post- und Paketbetrieb sind das mittlerweile mehr als 30 000 Tests, für deren Kosten wir als Unternehmen im Übrigen selbst aufkommen. Daneben gelten die Hygiene- und Abstandsregeln. Falls ein Mitarbeiter positiv auf Corona getestet wird, geht seine Schicht in Quarantäne. Diese Anstrengungen zahlen sich aus. Wir haben bisher in keiner Betriebsstätte die Arbeit einstellen müssen.

Und was unternehmen Sie zum Schutz der Kunden, wenn Pakete zum Beispiel an der Haustür übergeben werden?

Damit der Abstand zum Kunden gewahrt wird, haben wir dieses Jahr auf die kontaktlose Zustellung umgestellt. Früher musste der Empfänger auf dem Scanner unterschreiben, heute macht dies der Zusteller. Zudem haben wir unsere Packstationen massiv aufgerüstet, an denen Pakete aufgegeben und abgeholt werden können. Letztes Jahr gab es 4000 Packstationen, inzwischen sind es bereits über 6000, am Jahresende werden es 6500 sein. Auch im Raum Augsburg werden wir bis Jahresende sechs neue Packstationen eröffnen, derzeit sind es 30.

Wenn der Pakethandel so zunimmt, droht dann den Innenstädten nicht eine starke Zunahme des Lieferverkehrs und damit auch der Abgas- und Lärmbelastung?

Wir setzen auch in Zukunft weiter auf E-Mobilität. Mit 13 000 Streetscootern hat die Deutsche Post DHL derzeit die größte E-Auto-Flotte Deutschlands auf der Straße. Zudem muss man sich ausrechnen, was die Umwelt stärker belastet: Ein Päckchen zu bestellen - oder selbst mit

Die Zunahme der Pakete bedeutet auch für Ihre Zusteller viel Arbeit. Wie stellen Sie sicher, dass diese nicht überlastet werden?

Gerade mit einer Maske zu arbeiten, ist für unsere Beschäftigten nicht einfach, vor allem, wenn die Pakete schwer sind. Unsere Mitarbeiter leisten hier wirklich Außergewöhnliches! Die Pausen müssen entsprechend angepasst werden. Ich bin überzeugt, dass Deutsche Post DHL in der Branche die besten Arbeitsbedingungen bietet. Unser Krankenstand ist niedriger als im Vorjahr. Das Gespräch führte Michael Kerler