Mehr als 16 Jahre führte Michael Möschel (54) das IHK-Gremium Kulmbach. Im Interview mit der Bayerischen Rundschau spricht er über Erfolge und Misserfolge der vergangenen Jahre, über die wirtschaftliche Lage in der Region und über seine Pläne für die Zukunft.

Welche Erinnerungen haben Sie noch an Ihren ersten Tag als Vorsitzender des IHK-Gremiums Kulmbach?

Michael Möschel: Zu dieser Zeit war der Kulmbacher Ehrenbürger Hans-Albert Ruckdeschel noch Mitglied im IHK-Gremium Kulmbach. Ich habe ihn nach dieser Sitzung nach Hause gefahren, und wir haben uns noch lange im Auto unterhalten. Zum Schluss habe ich ihn gefragt, welchen Rat er mir für meine neue Aufgabe mitgeben könne. Darauf antwortete er: "Suchen Sie keine Probleme, wo keine Probleme sind!". Daran habe ich mich gehalten - es ist fast zu einer Art Lebensmotto geworden.

Was würden Sie als Ihren größten Erfolg als Vorsitzender des IHK-Gremiums Kulmbach verbuchen?

Ich alleine kann gar nichts erreichen. Die 30 Unternehmerinnen und Unternehmer im IHK-Gremium Kulmbach repräsentieren Tausende von Arbeitsplätzen im Landkreis und stehen für grandiose Innovationen. Die Wirtschaft im Landkreis hat die Finanzkrise 2008 und die Pandemie bisher hervorragend gemeistert und ist stärker aus jeder Krise gekommen. Zum größten Erfolg für Kulmbach haben wir alle bisher zu wenig beigetragen, nämlich dem Campus Kulmbach - das Meisterstück von Alt-OB Henry Schramm.

Gibt es Niederlagen oder verpasste Ziele, die Sie bis heute wurmen?

Die leider negative Entwicklung des innerstädtischen Einzelhandels und die Tatsache, dass wir da als IHK keine konkrete Initiative entwickeln können, die in verbindliche Ziele und Entwicklungen mündet.

Woran scheiterte das?

Es scheitert daran, dass dazu einerseits die Bedürfnisse der Kunden an einen attraktiven Innenstadthandel evaluiert und diese dann durch mehrere Dutzend selbstständige Unternehmer einheitlich umgesetzt werden müssten. Andererseits funktioniert eine Innenstadt nicht wie ein Einkaufszentrum, dort kann der Betreiber die ansässigen Händler auf einheitliche Öffnungszeiten festlegen, er kann die Warensortimente steuern und mit Marketingmaßnahmen und Budgets die Außenwirkung beeinflussen. Das müssen in einer attraktiven Innenstadt die ansässigen Händler selbst initiieren.

Inwiefern hat die Tätigkeit als Vorsitzender Sie in den vergangenen Jahren persönlich geprägt?

Ohne dieses Ehrenamt wäre ich heute weder als Mensch noch als Unternehmer der, der ich bin. Ich habe mich, frei nach Franz von Assisi, bemüht, mit meiner Kraft Dinge zu ändern, die ich ändern kann, gelernt das Unabänderliche zu ertragen und hoffe, oft die richtige Unterscheidung getroffen zu haben.

Sie werden künftig mehr Zeit haben. Worin wollen Sie diese investieren?

Ich glaube nicht, dass ich mehr Zeit haben werde. Aber neben meiner Familie und meinem Unternehmen möchte ich mithelfen, den Campus Kulmbach zu einem Erfolg zu bringen.

Was können und wollen Sie konkret dazu beitragen?

Ich bin Mitglied im Universitätsverein Bayreuth geworden, weil man dort helfen kann, dass die Regionalgruppe für den Campus Kulmbach Dinge finanziert, für die es anderweitig keine Budgets gibt. Mit einer aktiven Mitarbeit dort und meinen Kontakten kann ich dazu beitragen, aktive Starthilfe zu leisten. Zum Beispiel war man vor einigen Wochen auf der Suche nach Minijobs, mit denen die Studenten ihr Studienbudget aufbessern können. Mit Stefan Ertl vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband haben wir da innerhalb weniger Tage fast ein Dutzend interessierter Betriebe gefunden.

Wie schätzen Sie die wirtschaftliche Lage in der Region Kulmbach ein?

Die Menschen und Unternehmen erleben gerade die beste Zeit der Stadtgeschichte. Wir leben seit bald 80 Jahren in Frieden, wir haben annähernd Vollbeschäftigung und die Chance, die Seuche dieses Jahrhunderts zu besiegen - Chapeau, was wollen wir mehr?

Die Menschen in der Region haben dennoch mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen - etwa Materialknappheit und steigende Preise. Inwiefern hat das mittel- und langfristig Einfluss auf die Wirtschaft?

Das Problem der Materialknappheit und dadurch ausgelöst steigende Preise sind ein weltweites Problem. Damit arrangiert sich auch die heimische Wirtschaft gerade, weil diese Situation über 2022 hinaus andauern wird. Die Inflation für den Bürger ist besonders stark energiekostengetrieben. Größter Preistreiber hier ist der Staat, der derzeit versucht, ein weltweites Energie- und Umweltproblem über die deutschen Steuerzahler zu regeln. Die Unternehmen können diese Kosten nicht tragen, deshalb werden die Produkte am Markt teurer werden müssen. Das ist ein großes Problem für international tätige Unternehmen, denn der Weltmarkt bezahlt eine falsche deutsche Energie- und Umweltpolitik nicht.

Welche drei großen Herausforderungen warten in diesem Zusammenhang in den kommenden Jahren auf Ihren Nachfolger?

Erstens: Die demografische Entwicklung und der Fachkräftemangel - und die Fehleinschätzung vieler Eltern, ihre Kinder zu Studierenden zu machen. Zweitens: Den Menschen in der Region weiterhin den Wert der sozialen Marktwirtschaft erklären - und wieder einen Gründergeist beflügeln. Und drittens: Mit vereinten Kräften dafür sorgen, eine Öko-Diktatur zu verhindern und die Wirtschaft mit fundierter Wissenschaft und Expertise am Laufen zu halten.

Welchen wichtigen Ratschlag geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?

Wer auch immer nach dieser Wahl mein Nachfolger wird, wird von mir keine schlauen Ratschläge brauchen - und wenn er sich mit mir austauschen möchte, wird er meine Telefonnummer haben!

Das Gespräch führte Martin Kreklau.