Zum Artikel "Strompreise steigen weiter" (BR vom 3. Februar) wird uns geschrieben: Schwarze Schafe liefern keinen echten grünen Strom, das gilt auch für die Stadtwerke in Kulmbach. Auf deren Internetseite ist zu lesen, dass "Stromfix" für Haushaltskunden zu 100 Prozent als Ökostrom aus regenerativen Energiequellen stammt. Auf Nachfrage wurde mir von den Stadtwerken erklärt, "dass dieser Ökostrom zu 100 Prozent von Wasserkraftwerken in Norwegen geliefert wird".

Diese Auskunft ist falsch: Es handelt sich um den normalen Strommix zum Beispiel der Bayernwerke und nicht um echten Ökostrom. Vielmehr kaufen Stromanbieter günstigen Kohle- oder Atomstrom zusammen, heften einen Herkunftsnachweis für Ökostrom daran und verkaufen das als Ökostrom. Es gibt aber bisher keine einzige Stromleitung von Norwegen nach Deutschland. Im Zeitalter von 5G und anderen Funktechnologien haben vielleicht die Stadtwerke einen neuen Weg für die Stromübertragung gefunden. Für mich ist die Internetreklame nur ein Werbegag, man möchte Kunden gewinnen, die umweltbewusst denken und dabei auch noch höhere Preise zahlen und nebenbei Eon und Töchtern etwas Gutes tun.

Nebenbei bekommt die Industrie extrem günstige Strompreise, die durch höhere Preise bei den Privatpersonen aufgefangen werden. Und schon ist wieder die Ökostromumlage an Preissteigerungen schuld.

In mein Bild über die Stadtwerke passt auch deren Strategie bei den Abwassergebühren. Obwohl am Verwaltungsgericht ein Prozess gegen die bisherige Abwassersatzung läuft, wird mit falschen Zahlen versucht, Zeit zu gewinnen.

Es ist vorhersehbar, dass Kulmbach wie alle anderen bisher in Gerichtsverfahren behandelten Fälle, die höchstrichterlich gesetzten Kriterien für die maximalen Kostenanteile von Regenwasser nicht einhält (zwölf Prozent) und gezwungen ist, die gesplittete Abwassergebühr einzuführen.

Aber mit der Salamitaktik wird bei überlasteten Gerichten Zeit gewonnen. Die großen Märkte und Industriebetriebe sparen mit der bisherigen Lösung Zehntausende Euro, die der Bürger mit höheren Gebühren bezahlt.

Für mich sind die Stadtwerke Kulmbach nicht zukunftsorientiert, sondern sanierungsbedürftig.

Jürgen Öhrlein

Mainleus-Rothwind