von unserer Mitarbeiterin Adriane Lochner

Burgkunstadt — Der Stadtrat möchte nicht, dass die Teile für die Windräder am Rainberg durch das Stadtgebiet angeliefert werden. Einstimmig untersagte das Gremium am Dienstagabend dem Betreiber den Transport über städtischen Grund. Seit Anfang 2014 hat die Mannheimer MVV Energie AG grünes Licht für den Bau von fünf Windmühlen in der Nähe des Küpser Ortsteils Hain und des Weißenbrunner Ortsteils Wildenberg. Nur die Verkehrsanbindung der Baustelle bereitet den Mannheimern noch Kopfschmerzen.
"Schwertransport von Windkraftanlagen über städtische Wege" hieß der Tagesordnungspunkt. Allerdings störten sich die Stadträte weniger an den großen Anlagenteilen, sondern vielmehr an der Armada von Beton- und Schotter-Lastwagen, die ebenfalls das Stadtgebiet queren könnten. Vor einiger Zeit hatte es geheißen, der reguläre Baustellenverkehr würde von Norden her anfahren.
Man munkelt, diesbezüglich habe es Änderungen gegeben. Günter Knorr (CSU) forderte MVV-Vertreter Thorsten Schneider dazu auf, vertraglich auszuschließen, dass kein regulärer Baustellenverkehr über das Stadtgebiet geleitet werde.


Appell vergebens

Schneider sah zwar "keinen Baustellenverkehr über Burgkunstadt", schriftlich zusichern wollte er es jedoch nicht. Er appellierte an das Solidaritätsprinzip innerhalb der Gemeinden und nannte den Umweltschutzgedanken das politische Ziel der Bundesregierung, das es zu unterstützen gelte - vergebens.
Günter Knorr hatte das Thema deshalb angesprochen, weil in einem Zeitungsartikel über den Wildenberger Gemeinderat Bürgermeister Egon Herrmann zitiert wurde, nach dessen Meinung es wahrscheinlich keinen Baustellenverkehr durch Wildenberg geben werde.
Ein wichtiger Grund für die Entscheidung des Stadtrats ist die unausgewogene Verteilung von Vor- und Nachteilen zwischen den betroffenen Gemeinden. Die Gewerbesteuer für die Stromerträge aus der Windkraft bekommen nämlich Weißenbrunn, Küps und eventuell Mainleus. Wolfgang Sievert (SPD) sagte: "Die Gemeinde Weißenbrunn zieht sich sportlich aus der Affäre und wir haben nur Ärger und Dreck."
Die Schwertransporte zur Baustelle am Rainberg sollten zunächst nur einen kleinen Teil der Burgkunstädter Wege beanspruchen und hauptsächlich über die Kirchleuser Platte Richtung "Sieben Fuhren" geleitet werden.


Neue Route im Mai

Im Mai 2015 hat MVV Energie eine neue Route durch das Burgkunstadter Gebiet vorgelegt: über die Bundesstraße 289, die Gärtenrother, Mainrother und Schimmendorfer Straße und dann weiter über die öffentlichen Feld- und Waldwege. Geändert wurde der ursprüngliche Plan mit der Begründung, die Variante über die "Sieben Fuhren" sei technisch nicht umsetzbar, weil das starke Gefälle von zwölf Prozent eine besondere Herausforderung sei, lange Strecken aufgeschüttet und wertvolle Buchen- und Eichenbestände gerodet werden müssten. Die Baumaterialien über die Burg kunstädter Wege anzuliefern wäre mit dem geringsten Eingriff verbunden.


Stadt würde Kosten sparen

Die Beschlussvorlage der Stadtverwaltung sah vor, Schwertransporte über diese Strecke zu genehmigen, da die MVV Energie AG zugesichert hatte, die beanspruchten Wege nach allen Regeln der Technik neu auszubauen.
Aus straßen- und wegerechtlicher Sicht wäre das sinnvoll, da zum Beispiel ein asphaltierter Weg bereits Schäden aufweist. Die Stadt würde in den nächsten Jahren für Ausbau und Sanierung Kosten sparen, die die Verwaltung vorsichtig auf 100 000 bis 300 000 Euro schätzt, ein großer Betrag angesichts der aktuellen Diskussionen über die künftige Haushaltskonsolidierung.
Applaus für ihre Entscheidung bekamen die Stadträte von den Bürgern aus den Orten rund um den Rainberg, die den Sitzungssaal füllten. Die MVV Energie AG allerdings will noch nicht das Handtuch werfen. Nach Auskunft eines Pressesprechers sollen die Gespräche mit allen Beteiligten weitergehen, auch mit den Burgkunstadtern. Bis Ende Juni 2016 sollen die fünf Windkraftanlagen auf dem Rainberg errichtet sein.