Drei Jahre lang hatte die Kämmerei der Stadt Forchheim, die die Obliegenheiten der Katharinenspitalstiftung verwaltet, dem ehrenamtlich betriebenen Bücherbasar der Arbeiterwohlfahrt die Räume der ehemaligen Katharinenspital-Apotheke als Verkaufsraum zur Verfügung gestellt. Damit hatte der Basar, der vorher als Flohmarkt in den Rathaushallen, in Ebermannstadt und Gräfenberg veranstaltet wurde, eine feste Bleibe gefunden. Alles zum Wohle des AWO-Familienfonds, der durch den Verkauf gespendeter Bücher mit den notwendigen Mitteln ausgestattet wird.
Nachdem nun der Komplex des Spitals an der Bamberger Straße im Herbst abgerissen und einem Neubau weichen wird, hieß es nun am vergangenen Samstag "Rausverkauf". Der Bücherbestand wurde preisgünstig abgegeben. Der Publikumsverkehr war sehr rege, vor allem viele Stammkunden fanden sich ein, um sich Schnäppchen aus der Aktion "Vier Bücher für einen Euro" zu sichern.
Der reine Verkaufserlös von rund 600 Euro war nur zweitrangig - wichtig war den Besuchern die Information, dass es mit dem AWO-Bücherbasar weitergeht, und zwar genau gegenüber im ehemaligen Laden Uhren Hoffmann, Bamberger Straße 10. Der erste Verkauf findet hier am Samstag, 10. September statt.


Bücher als Bausteine

Es war im Juni 2013, erinnert sich Karola Weiß, als der Basar in der "Bücherapotheke" öffnete. Möglich gemacht hatte das der ehemalige Stadtkämmerer Gerhard Haagen. Schnell hatte sich die Idee, Bücher für einen "guten Zweck" zu spenden und diese andererseits günstig zu erwerben, herumgesprochen. Mit der Zeit waren rund 15 000 Bücher in 40 Sachgebiete einsortiert. Kunden (auch Antiquariate) kamen bis aus Weismain, Würzburg, Bamberg, Fürth, ja bis aus München. Inge Haller, gelernte Buchhändlerin, die zusammen mit Luise Wuttke die Aufbauarbeit geleistet hat, sagte am Ende des "Rausverkaufes", dass alle Besucher sich froh darüber zeigten, dass es mit dem Bücherbasar weitergeht und dass er im Stadtzentrum bleiben kann. Gefreut habe sie, "dass viele unsere Arbeit, die wir hier leisten, anerkannt haben".
Für Oberbürgermeister Uwe Kirschstein ist der Büchertrödel eine "Anlaufstelle für viele", und somit trage dieser zur Belebung der Bamberger Straße bei. Deshalb ist er froh, dass das Bücherteam auch künftig im Zentrum der Stadt bleiben kann. "Ein Baustein zur Steigerung der Attraktivität der Bamberger Straße" - das ist ihm ein Anliegen, betont er. Mit privater Sanierung der Häusersubstanz und mit dem Neubau des Katharinenspitals geschehe ja schon Wesentliches.
Irene und Robert Bruckner aus Buckenhofen sind "Stammkunden". Sie interessieren sich vor allem für die Klassiker und sind immer fündig geworden. Irene Bruckner schätzt den Service: "Luise Wuttke wusste, dass ich nach Hesse suche, und den hat sie mir immer zurückgelegt". Ehemann Robert ist begeistert vom Vorsortieren der Bücher. So komme er leicht zu Geschichtsthemen und Büchern über Ostpreußen.
Die 16jährige Schülerin Lara Biermaier aus Hetzles ist mit ihrem Bruder und ihrer Oma gekommen. Sie haben auch schon Bücher für den Verkauf mitgebracht. Lara findet es "sehr toll", dass man hier stöbern kann, und sie wird auch künftig zu den Basaren kommen.
Ein Button am T-Shirt zeigt an, dass der 26jährige Syrer Akram zum AWO-Team gehört. Der Flüchtling, der an der Albath-Universität in Homs Chemie studiert hat, lebt seit einem Jahr in Deutschland und hat bei der AWO Deutsch gelernt. Karola Weiß, die ihn unterrichtet hat, konnte ihn dafür gewinnen, beim Umzug zu helfen. "Und jetzt ist er zum Verkäufer aufgestiegen" freut sie sich. Für Akram ist das eine gute Gelegenheit, "Deutsch zu hören und sprechen zu lernen".


Mit wenig Mitteln Gutes tun

Als sich Oberbürgermeister Uwe Kirschstein beim "Rausverkauf" umschaute, ließ er sich sich von Karola Weiß die neuen Räumlichkeiten gegenüber zeigen. Er hält den Bücherbasar für eine "gute Einrichtung", vor allem die Idee, mit dem Erlös den Familienfonds der AWO zu unterstützen. "Hier kann mit wenig Mitteln Gutes getan werden". Gerne erinnert er sich daran, als er beim Bücherschleppen eine "tragende Rolle" spielte. Das war in der Zeit, als der Basar noch in die Rathaushallen und übers Land zog. Bücher sind für ihn nach wie vor ein Medium, das viele Menschen begeistert. Er selbst habe ein Faible für Lokalgeschichte und finde im Bücherbasar "Schätze, die es im Buchhandel nicht mehr gibt".
Vanessa Neuhäusel und Oma Veronika Mauser aus Heroldsbach sind zum ersten Mal da. Die 21-Jährige hatte vom Basar in der Zeitung gelesen und sich den Termin gegoogelt. Sie schätzt Krimis und Thriller, Veronika Mauser mag besonders die Romane von Barbara Wood. "Aber ich lese querbeet und verspeise viele Bücher" lacht sie.
Bernd Krause aus Forchheim ist ein Kunde der ersten Stunde und hat schon die AWO-Flohmärkte besucht. Den Historiker interessiert alles, was mit Geschichte zu tun hat, aber auch Kultur. Ein wichtiges Argument ist für ihn auch der günstige Preis.
Auch Naomi Yalico aus Forchheim besucht zum ersten Mal den Bücherbasar. Die 19-jährige Krankenschwester interessiert sich für Sachbücher zu ihrem Beruf, hat jetzt aber Noah Gordon und seinen Roman "Die Klinik" entdeckt. Naomi zeigt sich beeindruckt von der großen Auswahl und freut sich, dass sie hier auch künftig auf Entdeckungsreise gehen kann.
Mit einem Arm voller Bücher jongliert Florian Kurz aus Fürth durch die schon stark gelichteten Reihen der Büchertische. Auch er ist Stammgast seit zwei Jahren, wurde über das Internet auf das Bücherangebot der AWO in Forchheim aufmerksam. Nicht ohne Grund, erzählt er. Er ist ebenfalls ehrenamtlich tätig in Fürth bei der Aktion "Weihnachtskürbis", bei der ebenfalls gespendete Bücher verkauft werden. "Wir haben den Forchheimern auch schon Bücher abgegeben" berichtet er. Er weiß, wie viel Arbeit dahinter steckt, um Bücher abzuholen, zu sichten und einzusortieren. "Ich kann den Ehrenamtlichen der AWO nur viel Glück und Erfolg im neuen Laden wünschen" sagt er, bevor er seine Geldbörse zückt.