Mit der Ehrenbürgerwürde sind die Münnerstädter stets sorgsam umgegangen. Allzu viele davon gab es nicht. Einziger lebender Ehrenbürger ist der emeritierte Bischof von Speyer, Anton Schlembach, der 1932 in Großwenkheim geboren wurde. Der letzte verstorbene Ehrenbürger war Ferdinand Betzer, der von 1972 bis 1996 als Bürgermeister die Geschicke der Stadt geleitet hatte. Er starb im September 2013 im Alter von 80 Jahren. Gleich im Eingangsbereich des Friedhofs befindet sich ein Grabmal, das im Jahr 1901 errichtet wurde. Darin liegen gleich zwei Ehrenbürger der Stadt: August Neumann (1875 bis 1956) und sein Sohn Alfred Neumann (1902 bis 1980).

Stadt kümmert sich

Mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft sind auch Pflichten für die Stadt verbunden. Dazu zählt unter anderem, dass sich die Kommune um den Unterhalt des Grabes kümmert. Aber auch die kommen in die Jahre. Besonders am Grab der Familie Neumann hat der Zahn der Zeit genagt. Deshalb hat der Stadtrat beschlossen, das Grabmal sanieren zu lassen. Vor allem die Sandsteinfiguren sind in Mitleidenschaft gezogen worden. Um eine fachgerechte Restaurierung vornehmen zu können, wurde es jetzt abgebaut.

Das war allerdings gar nicht so einfach. Denn bei der Sanierung der Friedhofsmauer in den 1990er Jahren ist das Grabmal mit der Mauer fest verbunden worden. Jetzt musste es erst einmal freigeschnitten werden, bevor es abgebaut und nach Nüdlingen abtransportiert werden konnte. Bei dem Grab handelt es sich eigentlich um eine Gruft, sagt Bernd Hochrein, der bei der Stadtverwaltung für das Friedhofswesen zuständig ist. Das Grab ist im Jahr 1901 errichtet worden. Zuständig ist die Stadt auch für das Grab von Ferdinand Betzer und der Familie Abert, auch wenn der eigentliche Ehrenbürger, der aus Münnerstadt stammende spätere Erzbischof von Bamberg, Friedrich Abert, im Dom zu Bamberg ruht und nicht in Münnerstadt. Die Stadt kümmert sich auch um eine Gedenktafel von Karl Dinklage und mehrere alte Grabmäler. Darunter befindet sich auch ein markanter Engel, der nach dem Auflassen des Grabes hätte eigentlich weggeräumt werden müssen. Doch die Stadt hat ihn übernommen.

Kein Ehrenbürger

Nicht jedem berühmten Sohn der Stadt ist die Ehrenbürgerwürde verliehen worden, dem wohl berühmtesten, Johann Freiherr von Lutz, jedenfalls nicht. Er wurde 1826 in der früheren Schule, dem späteren Armenhaus (heute kath. Pfarramt), geboren und legte trotz der ärmlichen Verhältnisse seiner Familie das Abitur ab. 1843 verließ die Familie Münnerstadt in Richtung Würzburg. Der spätere Staatsminister und Vorsitzende des Staatsrates in München, der maßgeblich an der Entmachtung König Ludwigs II. beteiligt war, kehrte niemals nach Münnerstadt zurück.

Dagegen bleiben August und Alfred Neumann Münnerstadt ihr Leben lang verbunden. August Neumann bekam die Ehrenbürgerschaft im September 1949 verliehen. Der 1875 geborene Kaufmann war sehr populär, wirkte in vielen Vereinen mit. Er galt als Kenner der Münnerstädter Heimatgeschichte und machte sich um die Bewahrung der Kunstschätze verdient. So wurde er zusammen mit dem Universitätsprofessor Dr. Leitschuh zum Begründer des städtischen Ortsmuseums, das damals im Rathaus eingerichtet wurde. In Würdigung seiner Verdienste bekam er dort unter anderem Besuch von Bundespräsident Theodor Heuss. Er war auch eine der treibenden Kräfte bei der Entstehung des Münnerstädter Heimatspiels "Die Schutzfrau von Münnerstadt", das 1927 uraufgeführt wurde. Er war unter anderem auch 1. Schützenmeister bei der Königlich privilegierten Schützengesellschaft Münnerstadt und Stadtrat. Sein Sohn, Alfred Neumann, bekam 1973 - anlässlich der Kulturwoche - das Bundesverdienstkreuz verliehen. 1978 überreichte ihm der damalige Bürgermeister Ferdinand Betzer den Ehrenbürgerbrief. 26 Jahre lang war Alfred Neumann Stadtrat in Münnerstadt, 16 Jahre davon Zweiter Bürgermeister. Alfred Neumann war 18 Jahre lang im Kreistag tätig, zehn Jahre davon stellvertretender Landrat. Alfred Neumann war in der Kirchenverwaltung und Juliusspitalstiftung aktiv, er war sehr engagiert bei der Heimatspielgemeinde und wirkte bei der Umgestaltung des Museums mit und bei der Schaffung eines vielseitigen Bildungsangebotes.

Die porös gewordenen Sandsteinfiguren des Grabmals werden jetzt einer speziellen Behandlung unterzogen, das Grabmal fachgerecht gereinigt. Im Frühjahr wird es wieder an alter Stelle aufgebaut. Die Kosten in Höhe von rund 12 400 Euro trägt die Stadt. Weil es sich um ein Denkmal handelt, ist ein Zuschussantrag gestellt worden.