Wie ein Nachsatz doch alles relativieren kann. "Nur drei Prozent der Verkehrsteilnehmer fahren laut einer verdeckten Messung in der St.-Veit-Straße zu schnell", informierte Bürgermeister Jürgen Kohmann (CSU) seine Räte. "Allerdings waren sie alle in falscher Richtung in der Einbahnstraße unterwegs." Und dennoch: Der Stadtrat wird aus der halbjährigen Testphase eine Dauerlösung machen.

Rückblick: Ende 2018 hatte der Bauausschuss angeordnet, eine Einbahnstraßenregelung für die St.-Veit-Straße (dort befindet sich die Realschule) und die anschließende Dr.-Hümmer-Straße zu testen. Die Höchstgeschwindigkeit wurde auf 30 Stundenkilometer beschränkt. Danach befragte die Stadt Anwohner, Busfahrer und die Polizei zu ihrer Meinung. Und nahm zwischenzeitlich die angesprochene verdeckte zehntägige Messung vor, bei der 226 Fahrzeugführer, darunter auch einige mit Sattelzügen, ungerührt falsch herum und auch noch zu schnell fuhren. Die Räte waren schockiert, ließen sich aber nicht davon abbringen, eine Dauerregelung zu erlassen. Nur Fahrradfahrer dürfen gegen die Fahrtrichtung in die Pedale treten: Die Straße sei breit genug, so Kohmann. Wenngleich Dieter Leicht (SPD) anmerkte, dass längst nicht alle Anwohner mit der Einbahnstraßenregelung zufrieden seien. Für einige bedeute das große Umwege.

Winfried Ernst stellte heraus, dass es die Freien Wähler gewesen seien, die diesen Vorschlag aufgebracht haben: "Wir sollten öfters sinnvolle Verkehrslösungen in der Praxis ausprobieren, statt sie gleich aufgrund der Aussage vermeintlicher Experten abzulehnen." mdr